Die bislang letzte Insolvenz liegt erst gut zweieinhalb Jahre zurück. Nun ist die Warenhauskette Galeria schon wieder in finanzielle Not geraten.
„Haarsträubende Managementfehler“Galeria stellt erneut Insolvenzantrag – scharfe Kritik von Verdi

Warenhauskette Galeria: Die Namen Kaufhof und Karstadt verschwanden 2024 aus dem Firmennamen.
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Die angeschlagene Warenhauskette Galeria hat beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Der Geschäftsbetrieb in den 83 Filialen soll vorerst weiterlaufen.
Am frühen Freitag Morgen hatte Galeria mit einer extrem knapp gehaltenen Pressemitteilung in drei Sätzen über die Insolvenz informiert: „Galeria heute beim zuständigen Amtsgericht Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Der Antrag schafft den rechtlichen Rahmen, um die aktuelle Situation zu ordnen, das Unternehmen zu stabilisieren und die Voraussetzungen für eine nachhaltige Zukunft von Galeria zu schaffen. Über die weiteren Entwicklungen wird das Unternehmen zeitnah informieren.“ Zu den Hintergründen machte Galeria keine weiteren Angaben.
Nach Informationen unserer Redaktion informierte Galeria zunächst das Management, ehe im Laufe des Freitagvormittags auch die Mitarbeiter ins Bild gesetzt wurden. Dies geschah allerdings vergleichsweise unorganisiert und spontan. „Unser Geschäftsführer Christian hat uns um elf Uhr im Erdgeschoss zusammengerufen und berichtet, dass wir schon wieder insolvent sind“, berichtete eine Mitarbeiterin der Galeria-Filiale in der Kölner Breite Straße (früher Karstadt). Mehr sei nicht zu erfahren gewesen. Zu den Gründen und Folgen der Insolvenz sei nichts gesagt worden, auch die Geschäftsführung in Köln sei offenbar von der Nachricht überrascht worden, hieß es unter Mitarbeitern.
Teile des Handels haben mit einer Zuspitzung im einzigen verbleibenden deutschen Warenhauskonzern gerechnet. Der innenstädtische Handel habe einen schlechten Sommer erlebt, bei Galeria seien die Umsätze gravierend gefallen, hieß es in der Branche. Besonders der September soll extrem mau gewesen sein. Zunächst sollen die Gesellschafter noch einmal Geld ins Unternehmen gepumpt haben, sodass im Sommer die fälligen Gehälter ausbezahlt werden konnten. In einem Podcast hatte sich der operativ verantwortliche Galeria-Geschäftsführer Tilo Hellenbock wohl auch deshalb noch vor gut zwei Wochen zuversichtlich gezeigt, die Probleme in den Griff und Galeria nach vorne bringen zu können.
Doch mit dem für Galeria schwarzen September sind die Dinge weiter ins Rutschen gekommen. Der amerikanische Geldgeber Gordon Brothers, der Galeria im Juni noch aus der Bredouille geholfen hatte, war demnach nicht mehr bereit, weiter Geld zuzuschießen, weil die Vereinbarungen von Galeria nicht eingehalten worden seien. Laut Medienberichten soll es in den vergangenen Tagen zu erheblichen Meinungsverschiedenheiten zwischen den Gesellschaftern, dem Management und den Kreditgebern gekommen sein. Der Kaufhauskonzern hatte sich im Frühjahr zu einem strengen Sanierungsplan verpflichtet und in der Folge auch die Existenz von bis zu 33 weiteren Filialen, darunter die drei Kölner Häuser mit dem Traditionsstandort Hohe Straße, infrage gestellt.
Die rund 12.000 Beschäftigten des Konzerns müssen nun um ihre Arbeitsplätze bangen. Ob sie Insolvenzgeld erhalten und ob beziehungsweise welche Standorte schließen müssen, ist bislang unklar. Denn das neue Verfahren schafft eine Reihe rechtlicher Schwierigkeiten. Denn Galeria hat jetzt ein Insolvenz im Regelverfahren beantragt, obwohl beim Amtsgericht Essen noch ein Planverfahren aus dem alten Insolvenzverfahren von 2024 läuft. Dies könnte fatale Folgen für die Auszahlung des Insolvenzgeldes haben, legt es doch nahe, dass Galeria nicht alle Ansprüche aus dem alten Verfahren abgearbeitet hat und deshalb frisches Insolvenzgeld nicht gezahlt werden darf.
Im ehemaligen Karstadt-Standort an der Breite Straßen waren sowohl zuversichtliche als auch fast verzweifelte Stimmen zu hören. „Ich habe schon drei Insolvenzen miterlebt, es wird schon irgendwie weitergehen“, sagte eine Verkäuferin in der gestern fast menschenleeren Abteilung Damenwäsche. „Es ist schlimm und ich weiß überhaupt nicht, was kommt“, entgegnete eine Kollegin auf derselben Etage.
Scharfe Kritik von Verdi: „Haarsträubende Managementfehler“
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi reagierte mit scharfer Kritik auf die Entscheidung. „Die Beschäftigten haben es schon lange befürchtet: Galeria hat heute das vierte Insolvenzverfahren innerhalb von nur sechs Jahren eröffnet, ganz ohne eine Erklärung zu den Umständen“, teilte Silke Zimmer, für den Handel zuständiges Bundesvorstandsmitglied der Gewerkschaft, auf Anfrage dieser Zeitung mit. „Das bedeutet eine völlige Ungewissheit für die 12.000 Kolleginnen und Kollegen in den 83 verbliebenen Filialen.“
Es seien „haarsträubende Managementfehler“, die zu dieser Entwicklung geführt hätten, kritisierte Zimmer weiter. „In den letzten Jahren sind durch die Gesellschafter keine nachhaltigen Investitionen geflossen“, führte sie aus und forderte eine „schnelle Aufklärung, wie es für die 12.000 Beschäftigten weitergeht.“ Die Beschäftigten benötigten jetzt einen „Plan für die Zukunft und keine Nebelkerzen“, so Zimmer.
Neue Eigentümer seit 2024
Für Galeria ist es nach 2020, 2022 und 2024 der vierte Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren. Zahlreiche Filialen wurden infolge der zurückliegenden Verfahren geschlossen. Die Gläubiger verzichteten auf Milliardenforderungen, um der Warenhauskette den Weg aus der Krise zu ermöglichen, und die Bundesrepublik und damit der Steuerzahler war ebenfalls mit Hunderten von Millionen Euro zur Stelle.
Vor gut zweieinhalb Jahren hatte das Unternehmen, damals noch unter dem Namen Galeria Karstadt Kaufhof, den bislang letzten Antrag gestellt. Vorausgegangen war die Schieflage des damaligen Mutterkonzerns Signa um den betrügerischen Großinvestor aus Österreich, René Benko. Im Zuge der 2024er Insolvenz mussten damals neun der 92 Warenhäuser schließen.
Seit Sommer 2024 gehört Galeria nun der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des deutschen Managers und Unternehmers Bernd Beetz, der als Vorstandsvorsitzender des Duftkonzern Coty reich und bekannt wurde und der unter anderem im Aufsichtsrat der Beauty-Kette Douglas sitzt.
Doch auch Beetz und das neue Management bekamen die Probleme nicht wirklich in den Griff. Keine zwei Jahre nach der Übernahme geriet die Kette erneut in die Negativschlagzeilen. Im April 2026 beklagten mehrere Vermieter ausbleibende Mietzahlungen. Die Geschäftsführung verwies auf Liquiditätsschwankungen und räumte ein, Vermieter um eine Stundung gebeten zu haben.
Vermieter beklagten ausbleibende Mietzahlungen
Erst im Juni erhielt die Warenhauskette eine neue Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro. Das Geld diente unter anderem dazu, einen laufenden Kredit abzulösen und offene Mietzahlungen zu begleichen. Die Kreditlinie stellte die US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers bereit. Sie war durch die Ware von Galeria abgesichert und an einen auf drei Jahre angelegten Sanierungsplan geknüpft, der weitere Schließungen vorsah.
Im Juli kündigte Galeria an, 33 Warenhäuser auf den Prüfstand zu stellen und mit Vermietern über Mietkonditionen zu verhandeln. Zu den gefährdeten Filialen gehören die drei Warenhäuser in Köln und das Haus in Euskirchen. Ohne tragfähige Lösungen sei die Fortführung der jeweiligen Filiale gefährdet, hieß es. Alle Warenhäuser müssten nachhaltig profitabel wirtschaften. Eine Entscheidung über die Zukunft der Filialen stand zuletzt noch aus.
Dem in Düsseldorf erscheinenden „Handelsblatt“ sagte Galeria-Miteigentümer Bernd Beetz gestern, er bedaure es sehr, „dass die Umstrukturierungsmaßnahmen nicht schnell genug Erfolg gehabt haben“. Die Mitarbeiter hätten die Rettung verdient, er selbst habe in den vergangenen zwei Jahren alles getan, um die notwendigen Veränderungen zu unterstützen.
Einzelhandel in der Krise
Nach Angaben des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI sind die Erlöse Galeria in den vergangenen Jahren, auch infolge der Schließungen, deutlich gesunken. Erzielte Galeria Karstadt Kaufhof im Jahr 2019 mit 174 Filialen noch einen Nettoumsatz von 4,5 Milliarden Euro, setzte der Konzern sechs Jahre später mit weniger als der Hälfte der Standorte nur noch 2 Milliarden Euro um.
Die Bedeutung von Kauf- und Warenhäusern im Einzelhandel ist in den vergangenen Jahren stark gesunken. Ihre Marktanteile sanken laut Marktangaben seit 2020 von 4,2 Prozent auf zuletzt 1,2 Prozent. „Das Warenhaus in seiner heutigen Form ist einfach aus der Zeit gefallen“, sagte Werner Reinartz, Direktor des renommierten Instituts für Handelsforschung an der Universität Köln, unserer Redaktion. Zum Gesundschrumpfen gebe es keine Alternative, fügte er hinzu.
Zwar gibt es noch kleinere Anbieter wie Breuninger, die KaDeWe-Gruppe und das Kaufhaus Stolz, die mit spezialisiertem Sortiment oder mit Luxus-Angeboten gut unterwegs sind. Auch das Galeria-Haus an der Zeil in Frankfurt ist dementsprechend erfolgreich, allerdings nach immensen Investitionen in die Ausstattung. Ein Aus für Galeria insgesamt würde dennoch das Ende der Ära klassischer Warenhäuser markieren.
Viele Insolvenzen in der Branche
Der Einzelhandel in Deutschland steht wegen der schwachen Konsumstimmung und des wachsenden Onlinehandels unter Druck. Nach Angaben des Kreditversicherers Allianz Trade hat die Zahl der Insolvenzen im Einzelhandel ein Zehnjahreshoch erreicht. Zwischen Juni 2025 und Mai 2026 meldeten demnach gut 2.600 Einzelhändler Insolvenz an. Zuletzt kamen weitere prominente Fälle hinzu.
So traf es unter anderem die Non-Food-Discounter Kodi und Mäc Geiz, die zahlreiche Filialen schließen. Die Deko-Kette Depot stellt ihren Geschäftsbetrieb ein. Die Baumarktkette Hellweg wird ebenfalls abgewickelt, etliche Filialen werden von anderen Händlern weiterbetrieben.
In den vergangenen Jahren haben bundesweit zehntausende Geschäfte für immer geschlossen, nicht nur infolge von Insolvenzen. Laut einer Prognose des Handelsverbands Deutschland dürfte die Zahl der Geschäfte in diesem Jahr auf unter 300.000 sinken. Ende 2015 waren es noch etwa 372.000. (Christoph Hardt mit dpa)
