Köln – Kassen gibt es nicht mehr im Supermarkt der Zukunft, und - vielleicht noch wichtiger - auch kein "ausverkauft". Was uns beim Einkaufen noch erwarten könnte, zeigt GS 1 Germany auf 150 Quadratmetern im sogenannten Knowledge Center in Köln-Braunsfeld. Hier bekommen vor allem Vertreter aus Industrie und Handel von dem Standardisierungsexperten, dessen Vorgängerorganisationen den Strichcode erfunden haben, demonstriert, wie Digitalisierung, Automatisierung und Vernetzung das Einkaufen verändern können.
Zuhause geht es los
Dabei beginnt Shoppen vor dem Betreten des Marktes in den eigenen vier Wänden. Hier verwaltet Sprachassistent Toni nicht nur die Musik, sondern auch Termine sowie E-Mail-Kontakte. Er kennt die Vorräte im Haus. Kühl- und Gefrierschrank etwa haben Kameras und Toni ihren Inhalt gemeldet. Natürlich könnten sie auch selbstständig Butter oder Milch bestellen. Das klingt nicht nach ferner Zukunft. Kameras sind allenfalls Euro-Artikel. Was heute noch fehlt, ist die Vernetzung. Und die sollte doch bitte so sein, dass der Kühlschrank auch da einkauft, wo die Produkte günstig sind und nicht etwa beim Shop des Kühlschrankherstellers oder da, wo der möglicherweise Provisionen bekommt. Toni erinnert auch an das Essen mit Freunden und macht einen Menüvorschlag: Spaghetti mit Rucola-Pesto. Bevor es allerdings mit Kochen losgeht, stellt der Sprachassistent fest: "Es fehlen Basilikum, Pinienkerne und Parmesan." Kein Problem. Er sucht nach den Zutaten in Supermärkten in meiner Nähe, findet dort eine Kochbox mit allem Nötigen. Und den neuen Lieblingswein, den niemand im Regal hat, bestellt er gleich im Netz.
Überflüssig werden die Supermärkte also nicht in der Welt des Knowledge Centers. Stationärer Handel und Online-Einkauf werden vernetzt. Also auf zum Markt. Auf dem Weg komme ich an einer Werbetafel vorbei. Hier kann ich mit ein paar Klicks Jeans oder Schuhe bestellen. Und kurz vor dem Markt poppt dann noch ein Coupon auf meinem Smartphone auf. Mein Lieblingsduschgel, natürlich kennt das Markt das von früheren Einkäufen, ist damit 30 Prozent billiger.
Neben den Kochboxen sehe ich mich selbst in einem Bildschirm. Wie im Comic erscheinen Sprechblasen mit möglichen Gedanken über meinem Kopf. Vor dem Bildschirm liegen Kekse. Hält man die hoch, wird ein Rezept mit diesen Keksen ausgedruckt. Auch die wandern in den Einkaufskorb. Nicht nur bei mir. Im Praxistest konnten durch diese sogenannte Augmented Reality (erweiterte Realität) die Keksverkäufe um 40 Prozent gesteigert werden. Vielleicht noch etwas Obst. Es hat wie die anderen Artikel einen QR-Code. Scanne ich den ein, erfahre ich, wo die Ware herkommt, welche Inhaltsstoffe sie hat, und ob ich möglicherweise auf einen Stoff allergisch reagiere. Duschgel ist ausverkauft. Mit dem QR-Code bestelle ich es im Online-Shop des Händlers, natürlich mit dem Rabatt. Anstehen an der Kasse muss ich nach vorheriger Registrierung nicht mehr. Der Warenkorb ist durch das Scannen ja auch auf meinem Smartphone. Wenn ich den Laden verlasse, bucht der Händler den Betrag von meinem Konto ab. Jetzt schnell nach Hause. Online Bestelltes ist in der Packstation vor meiner Haustür. Kochen muss ich noch selbst. Aber Toni hilft mir mit einem Koch-Video aus dem Netz und mit meiner Lieblingskochmusik als Hintergrund.
