- Seit 25 Jahren fährt der Hochgeschwindigkeitszug Thalys unter anderem zwischen Köln und Paris.
- Über ein schwieriges Jahr 2020 und die Zukunft sprach Ralf Arenz mit Thalys-Chef Bertrand Gosselin.
Wie viele Zugverbindungen nach Deutschland betreiben Sie derzeit pro Tag?Im Moment gibt es nur eine Verbindung von Paris über Brüssel und Köln nach Dortmund und von Dortmund nach Paris. Vor der Corona-Pandemie gab es fünf tägliche Verbindung in jede Richtung. Wir haben das Angebot an die Nachfrage angepasst und natürlich auch auf die Auflagen der Regierungen reagiert. Im Mai fuhren gar keine Thalys-Züge, im Herbst dann wieder mehr, bis wir das Angebot wieder reduzieren mussten.
Wie viele Passagiere nutzen derzeit die Verbindung von Dortmund nach Paris?
In einem Zug haben wir im Moment zwischen 100 und 200 Fahrgäste. Das hängt vom Wochentag ab. Platz hätten die Züge für 370 Passagiere.
Bekommen alle Fahrgäste zeitnah den Ticketpreis erstattet, wenn ihr Zug ausgefallen ist?
Alle unsere Tickets sind bis Ende August noch bis eine Stunde vor Abfahrt des Zuges umbuchbar. Flexibilität für unsere Reisende war eines unser Hauptanliegen in der Pandemie. Wir bieten auch einfache Regelungen für Erstattungen der Tickets an, wenn die Reisenden nicht umbuchen können. Für Tickets in der Kategorie Standard-Mini wird eine Gebühr von fünf Euro erhoben, bei den anderen Kategorien ist es kostenlos.
Zur Person

Bertrand Gosselin
Copyright: ©Thalys
Bertrand Gosselin steht seit Anfang 2019 an der Spitze von Thalys. Davor war er zuletzt Regionaldirektor beim französischen Eisenbahnunternehmen SNCF, das zusammen mit den belgischen Staatsbahnen Eigner von Thalys ist. Der 50-Jährige ist Absolvent der ESCP Europe und hat einen Masterabschluss im Fach „Öffentliche Verwaltung“ von der Universität Paris-Dauphine. Seine Karriere begann er 1992 bei Rail Europe Espana. (raz)
Wann rechnen Sie wieder mit einer Erhöhung des Zugangebots auf der Stecke von Deutschland nach Paris?
Auch im laufenden Jahr sorgt die Pandemie noch für viel Unsicherheit. Ich glaube, dass uns die fortschreitenden Impfungen schon im Sommer helfen werden. Dann könnten die Touristen wieder reisen, Geschäftsleute dann wieder im September. Wir wollen schrittweise vorgehen und zunächst wieder zwei tägliche Zugverbindungen anbieten. Ende des Jahres könnten es wieder fünf Verbindungen sein wie vor der Pandemie.
Thalys hat Rekordjahre mit steigenden Passagierzahlen und steigenden Umsätzen hinter sich. 2020 hat das Unternehmen dann ein negatives Jahresergebnis von 137,5 Millionen Euro eingefahren.
2020 war ein hartes Jahr für uns. 2019 haben wir 7,85 Millionen Passagiere befördert, im abgelaufenen Jahr noch 2,5 Millionen. Der Umsatz sank um 70 Prozent auf 165,6 Millionen. Und auch 2021 wird noch ein hartes Jahr. Aber auf mittlere und lange Sicht bin ich optimistisch. Nachhaltige Zugreisen werden von den Kunden wieder stark nachgefragt werden.
Sie haben im abgelaufenen 106 Millionen Euro an Kosten gesenkt, weil Thalys das Angebot reduziert hat. Dazu kamen Einsparungen von weiteren 42 Millionen. In welchen Bereichen haben Sie die Kosten gesenkt?
Wir haben einzelne Investitionen verschoben und unsere Ausgaben deutlich verringert. Es gab auch Kurzarbeit und einige wenige Stellenstreichungen. Thalys hat jetzt etwa 650 Mitarbeitende, das sind etwa 100 weniger als vor der Corona-Krise. Wir haben Zeitverträge nicht verlängert und auch Einstellungen verschoben. Beim Stammpersonal gab es nur ganz wenige Entlassungen.
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Gibt es weitere Sparmaßnahmen im laufenden Jahr, und wie hoch ist das Volumen?
Kostendisziplin bleibt für uns sehr wichtig. Wir haben einen Kostensenkungsplan über zwei Jahre im Volumen von mehr als 100 Millionen aufgelegt, zusätzlich zu den voraussichtlichen Einsparungen durch die Fahrplananpassung. In diesem Jahr sparen wir etwa im Marketing und auch bei einigen Investitionen.
Thalys erneuert gerade Züge und Waggons. Strecken Sie diese Investitionen?
Nein. Strukturelle Investitionen etwa in die Wartung und die Erneuerung von Technik laufen unverändert weiter und auch Investitionen in die Verbesserung des Komforts an Bord und ins Design. Im Sommer werden wir den ersten unserer neuen Züge im Ruby-Design vorstellen. Von diesen Investitionen hängt unsere Zukunft ab.
Sie planen erstmals eine externe Finanzierung. Wie seht die aus?
Wir sprechen mit unterschiedlichen Banken über Kredite im Volumen von 100 Millionen Euro.
Sicherheits- und Hygienemaßnahmen müssen Sie nach den Regeln von gleich vier Ländern umsetzen. Ist das schwierig?
(lacht) Ja, es gibt in Europa keine echte Koordination. In Frankreich und Deutschland gab es etwa eine Maskenpflicht, in Belgien am Anfang der Pandemie nicht. Wir wenden dann jeweils die strengeren Regeln an. Ob gibt es auch kurzfristig neue Regelungen von einzelnen Regierungen, die wir dann umsetzen müssen. Dafür geben wir eine beachtliche Summe aus, auch für zusätzliche vollständige Desinfektionen der Züge jeweils an den Endhaltepunkten sowie während der Fahrt an Board.
Wann erwarten Sie wieder ein positives Jahresergebnis?
Unser Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen wird im kommenden Jahr positiv sein. Das Nettoergebnis müsste auch 2022 leicht positiv sein.
Wie stark ist die Konkurrenz der Fernbusse für Sie, die jetzt auch wieder den Betrieb aufnehmen?
Diese Busse, die etwa zwischen Paris und Brüssel oder Amsterdam verkehren oder zwischen Paris und Köln, sind eine ernsthafte Konkurrenz für uns. Deshalb hatten wir ein Low-Cost-Produkt „IZY“ zwischen Paris und Brüssel auf den Markt gebracht. Derzeit wird es nicht angeboten, im Sommer kommt es aber wieder auf den Markt
2021 gibt es Thalys seit 25 Jahren. Feiern Sie dennoch ein wenig, auch wenn das gerade nicht die beste Zeit dafür ist?
Wir hätten ein großes Fest gefeiert, wenn die Pandemie es nicht verhindert hätte. Vielleicht ist die Situation im Juni besser und erlaubt Feiern, auch wenn große Partys schwierig sein werden. Es wird aber zumindest schöne Geburtstagsüberraschungen für die Fahrgäste geben.

