Das Handwerk in der Region zeigt sich robust. Nach einer Umfrage der Handwerkskammer Köln schätzen die Betriebe ihr Lage nur leicht schlechter ein als im Herbst.
Umfrage der Handwerkskammer KölnHandwerk in der Region zeigt sich verhalten optimistisch

Nach guten Jahren zeigen sich Bremsspuren bei Bauhauptgewerbe.
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Wer jetzt eine Wärmepumpe bestellt, kann damit kaum im kommenden Winter heizen. Kölns Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer berichtete von Lieferzeiten zwischen neun und zwölf Monaten. Und nicht etwa die Handwerker seien schuld daran, dass die neue Technik erst spät für warme Räume und warmes Wasser sorgen könne. Die Geräte hätten halt lange Lieferzeiten, weil auch die Hersteller auf Teile warten müssten.
Handwerk ist für Technologie-Offenheit
Für die allein selig machende Technik hält Wollseifer die Wärmepumpe nicht. Gerade in schlecht gedämmten Altbauten, die die Mehrheit des Wohnungsbestandes ausmachten, verbrauchten die viel Strom, vielleicht sogar mehr als die Netze bereitstellen könnten, wenn nur auf die Technik gesetzt würde. Handwerk für Technologieoffenheit Wollseifer plädiert für Technologie-Offenheit. Es müsse darum gehen, die Häuser möglichst autark zu bekommen. Das könne mit Solarthermie oder Photovoltaik geschehen. Das berücksichtige das jetzt vom Bundeskabinett verabschiedete Gesetz zur Gebäudeenergie nicht ausreichend. Außerdem sei mehr Zeit für den Umstieg auf neue Heizsysteme nötig.

Grafik zum Handwerk in der Region
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Auf jeden Fall müssten die Handwerker Zugriff auf die Datenschnittstellen der Wärmepumpen bekommen. Hätten die Hersteller darauf allein Zugriff, könnten die Handwerker die nicht selbstständig warten und würden zu Subunternehmer der Hersteller. Dabei kümmere sich das Handwerk um das Gesamtsystem mit den Leitungen für die Heizkörper und den Leitungen für warmes und kaltes Wasser.
Betriebe, die sich um die sanitären Anlagen, die Heizung und das Klima in den Häusern kümmern, zeigen sich wie andere Betriebe des Ausbaugewerbes ausgesprochen zufrieden mit der Geschäftslage. Sie freuen sich über eine Sonderkonjunktur durch Maßnahmen zur energetischen Sanierung, Hausbesitzer gerade veranlassen. 56,6 (Vorumfrage aus dem Herbst 2022: 62,1) Prozent dieser Betriebe bezeichnen ihre Geschäftslage als gut, nur 8,3 als schlecht.
Handwerker erhöhen die Preise
Die Kunden hat das weniger gefreut, aber 72,8 Prozent von ihnen konnten Preiserhöhungen durchsetzen. Sie schauen auch optimistischer in die Zukunft als andere Handwerker und erwarten zu 19 (17,2) Prozent bessere Geschäfte in der Zukunft. Verbessert hat sich die Stimmung im Lebensmittel- und Kraftfahrzeuggewerbe. Beide hatten besonders unter der Corona-Pandemie gelitten, als etwa die Autohäuser lange geschlossen waren. Im Kfz-Gewerbe nennen 46,8 (34,8) Prozent der Betriebe ihre Lage gut. Bessere Geschäfte erwarten 27,9 (17,4) Prozent. Im Lebensmittelgewerbe geht es 34,3 (6,9) Prozent der Betriebe gut, bessere Geschäfte erwarten 28,6 (17,2) Prozent.
Dagegen gibt es Bremsspuren auf hohem Niveau im Bauhauptgewerbe. Steigende Bauzinsen und höhere Materialkosten führen auch zu einem rückläufigen Auftragseingang. Dennoch nennen noch 49,1 (59,8) Prozent der Betriebe ihre Lage gut, 10,2 (4,5) dagegen schlecht. Bessere Geschäfte erwarten 14,6 (7,1), schlechtere 19,5 (30,4). Bei den personenbezogenen Dienstleistungen sind 26,9 (25,6) Prozent der Betriebe zufrieden, 25 (27,9) Prozent unzufrieden. 37,7 (17,4) Prozent erwarten aber bessere Geschäfte.
Fachkräfte fehlen
Insgesamt bewerten rund 46 Prozent der Handwerker ihre Lage als gut. Das sind etwas weniger als im Frühjahr schlecht nennen rund 14 Prozent ihre Lage. Daraus ergibt sich ein Saldo von 33 Prozent, der ebenfalls unter dem Wert der Vorumfrage liegt (siehe Grafik). Allerdings sind die Geschäftserwartungen deutlich verbessert. "Die Lage ist robust“, so Wollseifer. Energieintensive Betriebe wie beispielsweise Bäckereien oder Textilreinigungen stünden wie Betriebe aus dem Bauhauptgewerbe vor großen Herausforderungen.
Auch der Fachkräftemangel belaste das Handwerk. Bundesweit fehlten 250 000 Kräfte. Die Lücke ließe sich auch nicht durch Ukrainer schließen, die nach Deutschland gekommen seien. Auch das Einwanderungsgesetz biete keine Abhilfe. Es sei zu bürokratisch und die Visa-Erteilung dauere viel zu lange, so Wollseifer.
Konzentration auf berufliche Bildung
50 000 junge Menschen pro Jahr, die die Schule ohne Hauptschulabschluss verlassen, Berufseinstiegsklassen, um Defizite auszugleichen, Berufskollegs, die den Berufseinstieg oft verzögerten, Frauen vor allem, denen es unnötig schwer gemacht werde, Familie und Beruf zu vereinbaren oder 100.000 Studienabbrecher und zu wenig Abiturienten im Handwerk. Wollseifer sieht große Potenziale, um den Fachkräftemangel im Handwerk zu beheben. Dazu müssten aber viele an einem Strang ziehen und sich auf die berufliche Bildung konzentrieren. Deren Stellenwert müsse steigen. Karrierechancen biete das Handwerk jedenfalls ausreichend, so Wollseifer.