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Leverkusener Konzern mit BilanzzahlenBayer sieht sich gerüstet für drohende Engpässe

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Das Bayer-Kreuz in Leverkusen 

Leverkusen – Der 2018 übernommenen US-Konzern Monsanto drückt einmal mehr einem Bayer-Zahlenwerk den Stempel auf. Diesmal gab es positive und negative Einflüsse.

Bayer hat im zweiten Quartal vor allem aufgrund laufender Vergleichsverhandlungen mit dem US-Bundesstaat Oregon eine zusätzliche Rückstellung über 694 Millionen Euro gebildet. Es geht dabei um um angebliche Umweltverschmutzungen durch PCB-Produkte, die von Monsanto hergestellt wurden. Oregon ist für Bayer ein Sonderfall. Monsanto hatte 1977 die Produktion von PCB eingestellt und die Chemikalie nie in diesem Bundesstaat entsorgt. In anderen Fällen will sich Bayer vor Gericht verteidigen. Zuletzt hatte der Konzern einen PCB-Prozess gegen den Bundesstaat Deleware gewonnen, in dem es auch um angebliche Umweltschäden durch PCB geht.

Andererseits schiebt die Agrarsparte, in der Monsanto aufgegangen ist, den Gewinn von Bayer mächtig an.

Das Ergebnis

Der Konzernumsatz stieg im zweiten Quartal bereinigt um Währungsschwankungen und Zu- oder Verkäufe um 9,6 Prozent auf 12,82 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (Ebitda) vor Sondereinflüssen erhöhte sich um 30 Prozent auf 3,35 Milliarden. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg auf 169 Millionen nach minus 2,28 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Enthalten sind Sonderaufwendungen von über zwei Milliarden, darunter Wertminderungen auf immaterielle Vermögenswerte von 1,32 Milliarden in der Agrarsparte Crop Science sowie Kosten für laufende Rechtsverfahren und Restrukturierungsmaßnahmen. Unter dem Strich sank der Verlust von 2,34 Milliarden auf 298 Millionen.

Das Agrargeschäft

Bei Crop Science stieg der Umsatz um 17,2 Prozent auf 6,46 Milliarden Euro. Hintergrund ist ein deutlich verbessertes Marktumfeld. Vor allem Unkrautvernichter boomten, und bei glyphosathaltigen Produkten gab es noch ein hohes Preisniveau, so Bayer. Das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen von Crop Science stieg um 71,8 Prozent auf 1,75 Milliarden. Damit gibt es in der Sparte hohen Gewinne, wie sie sich Bayer von der Monsanto-Übernahme versprochen hatte.

Rezeptfreie Mittel

Bei Consumer Health kletterte der Umsatz um 6,8 Prozent auf 1,5 Milliarden. Das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen stieg um 18,7 Prozent auf 330 Millionen.

Die Pharmasparte

Der Umsatz mit rezeptpflichtigen Medikamenten stieg um 2,1 Prozent auf 4,82 Milliarden. Die Markteinführung neuer Produkte sei erfolgreich verlaufen, so Bayer Das Krebsmittel Nubeqa verdoppelte etwa den Umsatz. Ihm traut Bayer einen Spitzenumsatz von drei Milliarden Euro pro Jahr zu. Die Umsätze von Kassenschlager wie Nexavar und Xarelto sanken dagegen. Das operative Ergebnis (Ebitda) vor Sondereinflüssen stieg um 4,9 Prozent auf 1,48 Milliarden.

Sinkende Umsätze beim Gerinnungshemmer Xarelto, der ebenso wie das Augenmittel Eylea maßgeblich für das Pharmageschäft für Bayer steht, dürften kein Einzelfall bleiben. Patente laufen in den kommenden Jahren aus. Da müssen neue Mittel her, will Bayer im Vergleich zu den Pharmariesen nicht weiter zurückfallen. Neben Nubeqa hat für Bayer das Nierenmittel Kerendia Potenzial. Außerdem gibt es einen potenziellen Xarelto-Nachfolger in einer neuen Wirkstoffklasse.

Langfristig setzt Bayer auf neuartige Gen- und Zelltherapien. In dem Bereich hat der Konzern zugekauft und ist Kooperationen eingegangen. Hier sieht Bayer sich in einer weltweiten Führungsposition und will die ausbauen. Komplett übernommen wurde das US-Biopharmazieunternehmen Bluerock, das jetzt einen Standort in Berlin eröffnet hat. Das hat mit BRT-DA01 eine neue Zelltherapie zur Behandlung der Parkinson im Portfolio, die die Krankheit verlangsamen könnte. Studien gibt es bislang aber nur mit weniger Patienten.

Neue Mittel, auch jenseits der bisherigen Schwerpunkte Krebs, Herz-Kreislauf, Augen und Frauengesundheit, kann Bayer gut gebrauchen.

Der Ausblick

Bereinigt um Währungseffekte erwartet Bayer für 2022 einen Umsatz von 47 bis 48 Milliarden statt bislang 46 Milliarden. Das Ebitda vor Sondereinflüssen könnte etwa 12,5 Milliarden erreichen statt 12 Milliarden.

Auf Gasverknappung vorbereitet

Mögliche Gasengpässe haben für Bayer nach aktueller Einschätzung keine wesentlichen finanziellen Auswirkungen im laufenden Jahr. Das Unternehmen sei dafür präpariert, die direkten Folgen einer möglichen Gasverknappung für die eigene Produktion bis Jahresende weitestgehend einzudämmen, so Konzernchef Werner Baumann. „Wir sind technisch vorbereitet, um die Abhängigkeit von Erdgas durch die Umstellung auf alternative und erneuerbare Energiequellen deutlich zu verringern“, so Baumann. Darüber hinaus habe wir Bayer Programme zur Energieeinsparung eingeführt und, wo möglich, Produktbestände aufgebaut.

Ein höheres Maß an Unsicherheit folge aber aus der Beeinträchtigung der globalen Lieferketten. „Deshalb erweitern wir unser Lieferantennetzwerk und legen zusätzliche Vorräte von kritischen Rohstoffen und Verpackungsmaterialien an“, so Baumann. (raz)