Die Stimmung in der Möbelbranche ist gedämpft. Viele Faktoren verleiden den Bundesbürgern den Möbelkauf.
Starker Rückgang an AufträgenMöbelindustrie spürt gedämpfte Stimmung und Kaufzurückhaltung

Ab dem 14. Januar zeigt die Möbelindustrie bei der Kölner Messe imm wieder Einrichtungstrends.
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Die Möbelindustrie schaut skeptisch in die nähere Zukunft. In den ersten sieben Monaten des Jahres sanken die Auftragseingänge wertmäßig gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 12 Prozent, wie Jan Kurth, der Geschäftsführer des Branchenverbands VDM, am Montag in Köln berichtete. Bezogen auf die Stückzahlen sei der Rückgang noch deutlicher. Die Hersteller haben im Vergleich zum Vorjahr die Preise um etwa zehn Prozent erhöht. Auch vorgezogene Käufe in der Corona-Zeit dürften eine Rolle spielen, so Kurth.
Möbelindustrie rechnet mit Umsatzminus bis zu 7 Prozent
Entsprechend schraubt die Branche ihre Umsatzerwartungen herunter. Hatte sie noch zu Jahresbeginn mit Umsätzen wie im Vorjahr von 18,8 Milliarden Euro gerechnet, so erwartet sie jetzt nominal ein Minus um fünf bis sieben Prozent. Ohne die Preiserhöhungen wäre das Minus wohl zweistellig. „Zwar hoffen wir für den Herbst auf eine gewisse saisonale Belebung des Geschäfts, sie wird aber nicht so stark ausfallen wie in den Vorjahren“, sagte Kurth. Auch im kommenden Jahr seien die Bedingungen schwierig.
35 Prozent der Unternehmen hätten bereits Kurzarbeit beantragt, so Kurth. Und nach einer Umfrage des VDM wollen weitere Firmen Kurzarbeit beantragen. 36 Prozent der Unternehmen, die noch nicht kurz arbeiten, planen demnach entsprechende Anträge zu stellen. Üblicherweise würden dann Schichten ausfallen oder die Arbeit an einem Tag in der Woche ruhen, so Kurth. Die Unternehmen wollten die Stammbelegschaft so an Bord halten. Von Leiharbeitnehmern hätten sich die Unternehmen schon getrennt. Die Wintermonate sind für die Branche umsatzstarke.
Büro- und Ladenmöbel noch gefragt
Wie deutlich die Geschäfte nachlassen werden, zeigt sich beim Blick auf das erste Halbjahr. Hier konnte die Möbelindustrie noch an das starke Vorjahr anknüpfen. Der Umsatz sank um lediglich 0,2 Prozent auf 9,49 Milliarden Euro. Zu dem Ergebnis haben laut Kurth aber neben Preissteigerungen auch Auftragsüberhänge aus dem Vorjahr sowie Nachmeldungen beigetragen, weil Küchen etwa später eingebaut wurden, nachdem es Verzögerungen bei der Fertigstellung von Wohnungen gegeben hatte.
Deutlich im Plus sind Büro- oder Ladenmöbel. Auch der Umsatz mit Küchen und Polstermöbel war nominal höher als im Vorjahreszeitraum. Dafür sanken die Umsätze beim größten Segment, den Möbeln für den Wohn- und Essbereich sowie für Schlafzimmer, um 9,6 Prozent, bei Matratzen betrug das Minus sogar 19,3 Prozent. Und während der Heimatmarkt um 1,2 Prozent auf 6,3 Milliarden schrumpfte, kletterte der Auslandsumsatz um zwei Prozent auf 3,18 Milliarden.
Kölner Messe imm mit Fokus auf Fachpublikum
Ohnehin wird der Auslandsumsatz für die Branche immer wichtiger und macht inzwischen 33,6 Prozent aus nach 32,9 im Vorjahr. Kurth kann sich eine Steigerung des Anteils bis auf 50 Prozent in den nächsten fünf bis zehn Jahren vorstellen, wobei er auf zusätzlichen Umsatz setzt und nicht auf ein Schrumpfen des Heimatmarktes. Dazu sollen auch verstärkte Teilnahmen der Hersteller an Auslandsmessen beitragen. Von der Kölner Möbelmesse imm im kommenden Jahr — wieder im Januar — erhofft Kurth sich auch Impulse. Die Messe werde 200 000 Quadratmeter Fläche belegen nach 120 000 bei der Sonderausgabe Spring Edition in diesem Sommer. Sie werde mit fünf Messetagen kompakter, so der Messemanager Matthias Pollmann. Beibehalten werde der Fokus auf Fachbesucher. Privatleute können die Messe nur auf Einladung etwa eines Möbelhändlers besuchen.