NRW-Ministerin Scharrrenbach sieht derzeit eine „hohe Nervosität im Markt“ und eine spürbare Zurückhaltung bei Neubauvorhaben. In NRW beträgt der Rückgang immerhin fast 24 Prozent.
„Wohnungswirtschaft im Schraubstock“Geförderter Wohnungsbau in NRW bricht ein

Köln: Neubauwohnungen werden am Stadtwald gebaut.
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Der Neubau öffentlich geförderter Wohnungen ist in NRW im vergangenen Jahr eingebrochen. Die Bewilligung von Mitteln sei um fast 24 Prozent zurückgegangen auf nur noch 3393 Wohnungen, berichtete Landesbauministerin Ina Scharrenbach am Freitag.
„Wir haben aktuell die Situation, dass in Nordrhein-Westfalen und bundesweit die Wohnungswirtschaft sich in einem Schraubstock befindet“, sagte die CDU-Politikerin. Die Einstellung der Energieeffizienzhausförderung des Bundes, schnell steigende Bauzinsen, Fachkräftemangel und Inflation setzten der Branche seit Monaten zu.
„Hohe Nervosität“
Viele Projekte rentierten sich schlicht nicht mehr, schon weil öffentlich geförderte Wohnungen meist in gemeinsamen Vorhaben mit frei finanzierten geplant würden. Es gebe derzeit eine „hohe Nervosität im Markt“ und eine spürbare Zurückhaltung bei Neubauvorhaben, stellte Scharrenbach fest.
Insgesamt hat NRW 2022 rund 1,1 Milliarden Euro für den öffentlichen Wohnungsbau ausgegeben. Damit wurden 7919 Maßnahmen gefördert – immerhin ein Plus von acht Prozent gegenüber dem historisch schlechten Jahr 2021. Gestiegene Nachfrage verzeichnete das Land bei der Modernisierungsförderung (plus 1000 Wohnungen) und bei der Eigentumsförderung. Zudem sei es gelungen, Vermieter von preisgebundenem Wohnraum vereinzelt für Bindungsverlängerungen zu gewinnen.
Scharrenbach warb für einen differenzierten Blick auf die Entwicklung. So sei es gelungen, „dass der Rückgang des preisgebundenen Mietwohnungsbestandes sich abgeschwächt hat“. In einzelnen Städten mit besonders hohem Bedarf habe sich die Entwicklung sogar umgekehrt, wie etwa in Bonn, Münster und Paderborn.
Die Herausforderung für den NRW-Wohnungsmarkt bleibt jedoch gewaltig. Durch die Zuwanderung vor allem von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine stieg allein in der ersten Hälfte 2022 die Bevölkerung um 153000 Menschen an. 40 Prozent des gesamten bundesweiten Bestandes an günstigem, mietpreisgebundenen Wohnraum liegt in NRW – das sind rund 442000 Wohnungen.
Steigende Nachfrage?
Eckhard Forst, Vorstandschef der NRW-Bank, rechnet mit einer steigenden Investorennachfrage nach öffentlicher Wohnraumförderung: „Zu Zeiten der Minuszinsen bei Banken war der Abstand der Attraktivität deutlich geringer“, sagte Forst. „Natürlich können wir nicht die Sicherheit für die Verfügbarkeit von Handwerkern schaffen, sehr wohl aber für die Verfügbarkeit langer Planbarkeit des Geldes.“
Ähnliche Erwartungen äußerte Erik Uwe Amaya, Verbandsdirektor von „Haus & Grund Rheinland Westfalen“: „Die steigenden Zinsen machen das öffentlich geförderte Bauen mit seinem niedrigen Zinsniveau und den hohen Tilgungsnachlässen wieder attraktiv, gerade auch für private Investoren, die frei finanzierte Projekte derzeit auf Eis legen.“