Das Stipendium sollte jungen Gründern Luft geben, um private Kosten zu bezahlen. Jetzt hat NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) die Vergabe gestoppt.
NRW stoppt Stipendium für Start-Ups„Vollbremsung bei der Förderung ist für Gründer ein fatales Signal“

Weil die Haushaltsmittel nicht ausreichen, hat die NRW-Regierung ein beliebtes Förderprogramm für Gründer ausgesetzt.
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Das Gründungsstipendium.NRW gilt als Erfolgsmodell. Junge Erfinder, die älter als 18 Jahre alt sind und in NRW wohnen, erhalten für ein Jahr lang 1200 Euro monatlich – und können selbst entscheiden, ob sie das Geld für ihren Lebensunterhalt oder für das Start-Up verwenden. Bei einer Evaluation im Jahr 2024 erhielt das Programm von den Teilnehmern Bestnoten.
Gründerstipendium: Jurysitzungen derzeit pausiert
Die schwarz-grüne Landesregierung hat das Projekt jetzt allerdings gestoppt. Auf der Homepage erscheint ein in Rot unterlegter Hinweiskasten. „Aufgrund der hohen Nachfrage nach dem Gründerstipendium.NRW in den vergangenen Monaten und zur Bearbeitung der vielen eingegangen Anträge pausieren die Jurysitzungen ab dem 1. April 2026 vorerst“, ist dort nachzulesen.
Die Jury hatte bislang ausgewählt, welche Bewerber für das Stipendium ausgewählt wurden. Dabei kam es darauf an, kreative und pfiffige Konzepte vorzulegen – zum Beispiel für digitale Erfindungen, die das Leben leichter machen. Gefördert wurden Teams von bis zu drei Gründern, geschlechtergemischte Initiatoren erhielten eine erhöhte Pauschale. Mit der finanziellen Unterstützung wollte man den jungen Leuten ein Jahr lang die Sorgen über die Bezahlung privater Kosten nehmen.
Fast 6000 Förderempfehlungen bislang
Bislang gab es im Rahmen der Initiative mehr als 1300 Jurysitzungen und fast 6000 Förderempfehlungen. Initiiert wurde das Programm im Jahr 2018. Damals wurde NRW noch von CDU und Liberalen regiert. Der frühere NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) hatte das Programm auf den Weg gebracht.
Entsprechend groß ist derzeit die Empörung der FDP über den Stopp des Förderprogramms. „Seit seiner Einführung hat es Tausende innovative Geschäftsideen unterstützt“, sagte Dietmar Brockes, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP im Düsseldorfer Landtag, unserer Zeitung. Genau solche Impulse brauche NRW als Gründerstandort jetzt. „Umso unverständlicher, dass Schwarz-Grün bei diesem bewährten Instrument eine Vollbremsung einlegt“, kritisierte der Politiker vom Niederrhein. Die Aussetzung der Jurysitzungen sei ein „fatales Signal“. Der Etat für Fördergelder sei offenbar „bereits zum Großteil“ verbraucht.
Wirtschaftministerin Mona Neubaur bestätigt Förderstopp
In der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Liberalen bestätigte NRW-Wirtschaftministerin Mona Neubaur (Grüne) die Unterbrechung der Vergabe. Im April seien bereits 24,5 Prozent der für das Jahr zur Verfügung stehenden Mittel ausgezahlt worden, hieß es. 59 Prozent des Etat sei durch bereits bewilligte Stipendien gebunden. Erst im Oktober seien neue Anträge möglich. Dann werde es „maßvolle Anpassungen“ bei der Vergabe geben. Was das bedeuten wird, blieb offen.
Für die FDP ist ein solches Vorgehen nicht akzeptabel. Die Grüne Ministerin torpediere ein erfolgreiches Fördermodell. Die Gründer müssten sich auf verlässliche Verfahren verlassen können, bemängelte Wirtschaftsexperte Brockes. Nun würden sie „monatelang in der Warteschleife hängen, weil die Landesregierung ihren Haushalt nicht im Griff“ habe. „Wir wollen verlässliche Rahmenbedingungen, schnellere Verfahren und eine Wirtschaftspolitik, die Innovation fördert statt ausbremst“, so der Liberale.
Bundesweit erlebt die Selbstständigkeit gerade bei jungen Menschen aktuell einen Aufschwung. Das zeigt eine Studie der Förderbank KfW. Danach machte sich 2025 besonders viele Gründe selbstständig, die jünger als 30 Jahre alt waren. Die Zahl der Gründungen stieg um drei Prozent auf 585 000. Die Gründungspräferenz jungen Menschen sei ein „Lichtblick“, hieß es