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Energie- und ChemieparkRichtfest für den Elektrolyseur bei Shell in Wesseling

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In den neuen Elektrolyseur von Shell in Wesseling werden die ersten Anlagen montiert.

In den neuen Elektrolyseur von Shell in Wesseling werden die ersten Anlagen montiert. 

Der Umbau des Energie- und Chemieparks von Shell in Köln-Godorf und Wesseling kommt voran. Der Bau des neuen Elektrolyseurs kommt voran.

Das Dach ist schon auf dem neuen Elektrolyseur Refhyne 2 von Shell in Wesseling. Technische Anlagen werden bereits montiert, während in der angrenzenden Wasseraufbereitung Richtfest der etwas anderen Art begangen wird. Für den Richtkranz im Dachgebälk ist es ja schlicht schon zu spät. Wasseraufbereitung ist wichtig für den Elektrolyseur, der mit Strom aus erneuerbaren Energien und eben dem dafür notwendigen hochreinem Wasser grüner Wasserstoff hergestellt (siehe Kasten). Wie bei traditionellen Richtfesten wünschten am Donnerstag die Gäste, dem Bau eine erfolgreiche Zukunft.

Neue Geschäftsmodelle möglich

Paul Höller, NRW-Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie, nannte Wasserstoff (H 2) einen Schlüssel für die klimaneutrale Industrie. Der H 2-Einsatz sei in NRW in der Industrie bereits Realität. „Mit der Errichtung des Elektrolyseurs setzt Shell hier in Wesseling auf klimagerechte Prozesse und innovative Lösungen. Das ist ein wichtiger Schritt für mehr Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Nachhaltigkeit in der Chemieindustrie und ein starkes Bekenntnis zu Standort und Arbeitsplätzen“, so Höller. Für ihn ist Refhyne 2 auch Beleg dafür, dass NRW die Rahmenbedingungen für Investitionen in eine zukunftsorientierte Wasserstoffwirtschaft biete. Die ermöglichte neue Geschäftsmodelle und sichere industrielle Wertschöpfung.

Jens Müller-Belau, Mitglied der Geschäftsführung von Shell-Deutschland, unterstrich die Bedeutung des Projekts: „Shell hat sich das Ziel gesetzt, global bis 2050 ein Netto-Null-CO2-Unternehmen zu werden. Die signifikanten Investitionen im Shell Energy and Chemicals Park Rheinland sind ein Beleg dafür, dass wir weiter auf Transformationskurs sind.“

Wasserstoff deckt Teile des Badarfs von Shell

Jan-Peter Groot Wassink, Standortleiter des Parks, unterstrich, dass der südliche Werksteil in Wesseling hervorragende Rahmenbedingungen biete, um die Anlage in den bestehenden Produktionsbetrieb einzugliedern.

Gemeinsam mit der bereits seit 2021 betriebenen 10-MW-Pilotanlage Refhyne 1 werden gut zehn Prozent des jährlichen Wasserstoffbedarfs der Produktionsprozesse von Shell Rheinland abgedeckt. Beide Elektrolyseure arbeiten nach der Polymer-Elektrolyt-Membran-Technologie (PEM). Refhyne  2 soll pro Jahr bis zu 16.000 Tonnen erneuerbaren Wasserstoff produzieren — in Abhängigkeit der Verfügbarkeit erneuerbarer Energien. Damit hat die Anlage mehr als die zehnfache Jahreskapazität von Refhyne 1. Gebraucht wird der Wasserstoff etwa zur Entschwefelung von Rohöl oder Erdgas.

1400 Mitarbeitende am Standort

2024 hat Shell die endgültige Investitionsentscheidung für die neue Anlage getroffen. Hochgezogen wurde die Anlage in einem Jahr, sagte Dennis Schulz, Chef des Elektrolyse-Spezialisten ITM, der bereits Refhyne 1 gebaut hatte.

Shell baut den Standort in Köln-Godorf und Wesseling, wo rund 1400 Shell Mitarbeitende sowie Beschäftigte von Partnerfirmen Diesel- und Ottokraftstoffe, Kerosin und Heizöl sowie Produkte für die chemische Industrie herstellen, kräftig um. Die Rohölverarbeitung in Wesseling ist bereits eingestellt. Aber auch in Godorf wird CO2 eingespart. Im April 2024 wurde dort eine Anlage zur Produktion von Bio-LNG eingeweiht. Das ist verflüssigtes Biomethan, das durch Kühlen auf minus 162 Grad entsteht. Die Anlage kann pro Jahr 100 000 Tonnen Flüssiggas herstellen. Diese Menge reicht laut Shell, um 5000 Langstrecken-Lkw zu versorgen. Durch den Einsatz könnte jährlich eine Million Tonnen CO2 eingespart werden.

Für den Grundstoff Bio-Methan sorgen Gülle und Mais, den eine Shell-Tochter Nature-Energy in Dänemark herstellt. Der wird ins Gasnetz eingespeist, in Köln entnommen, und verflüssigt.

In Wesseling arbeitet bereits seit 2021 ein 10-Megawatt-Elektrolyseur, damals der größte in Europa, der grünen Wasserstoff hergestellt hat. Mit ihm haben die Projektpartner wertvolle Erfahrungen gesammelt, die in den Bau von Refhyne 2 eingeflossen sind. Der ist jetzt effizienter und kann den Wasserstoff günstiger herstellen.

In Wesseling entsteht auch eine Anlage zur Herstellung von hochwertigen Grundölen. Eine Jahreskapazität von 300.000 Tonnen strebt Shell an. Dies entspricht etwa neun Prozent des EU- oder 40 Prozent des deutschen Bedarfs. Die Grundöle können als Schmierstoffe, als Kühlflüssigkeit, sowie in der Pharma- und Kosmetikindustrie zum Einsatz kommen. Die Anlage bekommt einen innovativen Elektroheizer, der mit Strom aus erneuerbarer Energie betrieben wird statt mit Erdgas wie bisher.

Einstellung der Rohölverarbeitung zu Kraftstoffen, Stilllegung bestehender und Nutzung neuer und umgebauter Anlagen lassen die CO2-Emissionen am Standort nach früheren Angaben von Shell jährlich um über 600 000 Tonnen sinken.