Bayer freut sich über positive Quartalszahlen. Maßgeblich trugen die Agrar- und Pharmasparte zum Geschäft bei.
Pharmakonzern übertrifft ErwartungenBayer AG auf dem Weg Jahresziele zu erreichen

An der Börse kamen die Nachrichten gut an, die Bayer-Aktie legte zu Handelsbeginn am Dienstag fast fünf Prozent zu.
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Die Bayer AG kommt auf dem Weg der Erneuerung weiter voran. Konzernchef Bill Anderson und die neue Finanzchefin Judith Hermann präsentierten am Dienstag Halbjahreszahlen, die deutlich besser waren als die Erwartungen im Markt. Dazu bei trug ein starkes Geschäft mit Saatgut und Pflanzenschutzmitteln einerseits. Andererseits konnten die Leverkusener ihr Geschäft mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ebenfalls stabil halten, obwohl für Bayer lange Zeit dominante Präparate ihren Patentschutz verloren haben.
Die vergangenen Tage waren wichtig für Bayer. Operativ sind wir auf gutem Weg, unsere Jahresziele zu erreichen.
„Die vergangenen Tage waren wichtig für Bayer. Operativ sind wir auf gutem Weg, unsere Jahresziele zu erreichen,“ zeigte sich der Bayer-Chef gut gelaunt und gemäßigt selbstbewusst. Entscheidend dazu beigetragen haben dazu nicht nur die erfreulichen Quartalszahlen, existenziell wichtig war vor allem die Entscheidung des höchsten US-Gerichts am 25. Juni, von dem sich Bayer im milliardenschweren Streit um den Unkrautvernichter Glyphosat langfristig Rechtsicherheit verspricht.
Noch ist die Sache allerdings nicht ausgestanden, vor Bayer liegen Tage des Wartens, am 19. August steht vor einem Gericht in Missouri ein weiteres wichtiges Urteil an. Die Leverkusener sehen sich aber durch die Entscheidung des Supreme Courts in einer deutlich besseren Rechtsposition.
Quartalsbericht: Bayer AG steigert operativen Gewinn
Die Bayer AG konnte den bereinigten operativen Gewinn im zweiten Quartal um 1,9 Prozent auf 2,14 Milliarden Euro steigern. Der Konzernumsatz stieg im ersten Halbjahr währungs- und portfoliobereinigt um 3 Prozent auf 24,3 Milliarden Euro. Im zweiten Quartal legte er um 2 Prozent auf 10,9 Milliarden Euro zu.
Das Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen und vor Sondereinflüssen erhöhte sich im ersten Halbjahr um 7 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro. Bei ihrer ersten Quartalspräsentation zeigte sich auch die neue Finanzchefin Judith Hermann zuversichtlich und versprach, die Dynamik von Bayer „durch konsequente Umsetzung und finanzielle Disziplin weiter voranzutreiben.“
Profit vor allem in der Agrarsparte
Bayer profitierte im laufenden Jahr vor allem von den gut laufenden Geschäften seiner Agrarsparte. Hier stieg der Umsatz um fünfeinhalb Prozent und der bereinigte Gewinn um 30 Prozent auf 902 Millionen Euro. CEO Anderson begründete den Erfolg auch mit den Fortschritten des Unternehmensprogramms. Denn die Effizienzprogramme sorgten für profitables Umsatzwachstum.
Hier wirke sich, wie im gesamten Konzern, das neue Organisationsmodell von Bayer aus. Das Unternehmen setzt konzernweit auf agile Projektteams, die ihre Ziele fortwährend überprüfen, auch unter gezieltem Einsatz künstlicher Intelligenz. Der Umbau zu einem „schlankeren, dynamischeren und produktiveren Unternehmen“ sei auf gutem Weg. Und Anderson legte noch eine Schippe drauf: „Wir sind eines der am wenigsten bürokratischen Unternehmen“.
Umsatzsteigerung bei neuem Krebsmittel und Herz- und Nierenpräparat
Auch in der Pharmasparte, in der die verschreibungspflichtigen Medikamente gebündelt sind, ging es für Bayer gut voran. Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil die Leverkusener mit neuen Präparaten die massiv wegbrechenden Verluste bisherigen großer Umsatzbringer ausgleichen konnten. So büßte der Gerinnungshemmer und langjährige Blockbuster Xarelto im zweiten Halbjahr um 42 Prozent an Umsatz, ebenfalls massiv waren die Verkaufsrückgänge beim Augenmittel Eylea, das 33 Prozent verlor. Im Gegenzug konnte Bayer die Verkäufe des neuen Krebsmittels Nubeqa (gegen fortgeschrittenen Prostatakrebs) und das Herz- und Nierenpräparats Kerendia sehr stark steigern.
Insgesamt stieg der Umsatz der Pharmasparte trotz der Verluste der betagten Bestseller leicht auf 4,46 Milliarden Euro. CEO Anderson zeigte sich zuversichtlich, die Sparte auf Wachstumskurs halten zu können. In USA und China seien die Zulassungsprüfungen für das Schlaganfallmittel Asundexian weit vorangeschritten, man bereite die Markteinführung des Medikaments spätestens Anfang nächsten Jahres vor. Experten glauben, dass das Präparat, dessen Wirkung gegen Vorhofflimmern zunächst mangelhaft war, nun gegen Schlaganfälle wirksam sein wird und das Potenzial für Milliardenumsätze besitzt.
Reformdebatte im Gesundheitswesen: Kritik von Bayer in Richtung deutsche Politik
Kritische Töne setzte das Unternehmen hingegen in Richtung deutsche Politik: Die deutsche Reformdebatte verlaufe enttäuschend, es sei wenig nachhaltig, ausgerechnet die deutsche Pharmaindustrie für die Sanierung des Gesundheitswesens zahlen zu lassen. Man werde die Politik daran erinnern, wie wichtig der Pharmastandort sei, 80 Prozent aller hier verabreichten Medikament würden auch in Deutschland hergestellt, sagte der Bayer-Chef. Wirksame Präparate gegen grassierende Krankheiten seien in unseren alternden Gesellschaften wahrscheinlich das beste Rezept gegen ausufernde Kosten im Gesundheitswesen.
Nachrichten wirken sich positiv auf Bayer-Aktie aus
An der Börse kamen die Nachrichten gut an, die Bayer-Aktie legte zu Handelsbeginn fast fünf Prozent zu und gehörte den ganzen Tag über zu den besten Werten im Dax. Sie kostete am frühen Nachmittag gut 49 Euro. Damit war sie fast doppelt so teuer wie vor einem Jahr, als das Papier noch für 27.70 Euro zu haben war.
Das gewachsene Vertrauen der Märkte in Bayer zeigen auch zwei andere Zahlen: Obwohl sich Bayer zur Beilegung der Rechtsstreitigkeiten im laufenden Quartal noch einmal weiter verschulden musste und nun mit 33,6 Milliarden Euro in der Kreide steht, konnte das Unternehmen zwei wichtige Finanztransaktionen durchziehen: Zum einen stieg der US-Investor Apollo in ein neues Tochterunternehmen für Verhütungsmittel ein und zahlte dafür 3 Milliarden Euro. Zum anderen hatten die Leverkusener kein Problem Anleihen in US-Dollar in Höhe von 5 Milliarden zu platzieren.
Wir stehen wirklich besser da als noch vor zwei Jahren.
„Wir stehen wirklich besser da als noch vor zwei Jahren“, kommentierte Bayer-Chef Anderson vor Journalisten das Ergebnis. Vorsichtig zuversichtlich zeigte er sich auch im Fall der Rechtsstreitigkeiten. Die vergangenen 90 Tage seine eine „entscheidende Phase“ gewesen, das Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA habe „regulatorische Klarheit“ gebracht.
Glyphosat-Streit: Endgültiges Urteil im Herbst erwartet
Tatsächlich haben die Richter klargestellt, dass die Hoheit über die Regulierung von Pflanzenschutzmitteln bei der amerikanischen Umweltbehörde EPA und nicht bei den Bundesstaaten und einzelnen Gerichten liegt. Damit dürfte ein entscheidendes Risiko für Bayer endgültig der Vergangenheit angehören: Klagen wegen angeblich fehlender Warnhinweise auf Basis des Rechts in einzelnen Bundesstaaten sind ausgeschlossen.
Ausgestanden ist das Rechtsrisiko in den USA damit aber noch lange nicht. Bayer strebt in Sachen Glyphosat einen Sammelvergleich zwischen seiner Tochter Monsanto und führenden US-Klägerkanzleien an. Dafür wird das Urteil in Missouri zentral. In zwei Wochen ist dafür eine richtungsweisende Anhörung angesetzt, mit einem endgültigen Urteil rechnen die Leverkusener im Laufe des Herbstes. Daneben laufen die Verhandlungen mit den US-Klägern weiter, um die Welle der laufenden Glyphosat-Klagen im ganzen Land zu beenden. Hierfür hat Bayer im Frühjahr zusätzlich 7,25 Milliarden Euro bereitgestellt.
