Die gute Tat zu WeihnachtenSo lief die Packaktion für die Rundschau-Altenhilfe

Lesezeit 5 Minuten
Rundschau-Volontärin Kaja Hempel (r.) packt zusammen mit Soldatinnen und Soldaten aus der Kaserne die Pakete für die Rundschau-Altenhilfe.

Rundschau-Volontärin Kaja Hempel (r.) war bei der Packaktion der Rundschau-Altenhilfe mit dabei.

Rundschau-Volontärin Kaja Hempel hat bei der Packaktion der Rundschau-Altenhilfe für Bedürftige mitgemacht. Ein Erfahrungsbericht

Swusch – so hört es sich jedes Mal an, wenn ein Paket über das Rollband geschoben wird. An dessen Seiten stehen 70 Soldatinnen und Soldaten und weitere Angehörige der Bundeswehr. Und ganz am Ende stehe ich und schiebe jeweils einen Brief in die Pakete. „Wir wünschen Ihnen ein schönes, besinnliches Weihnachtsfest und alles Gute für das Jahr 2023“, steht in dem kleinen Fenster des Umschlags.   Klack klack – die Verpackungsmaschine beendet mit zwei Kunststoffbändern die etwa 50 Meter lange Fahrt der Boxen, die nun Nudeln, Milchreis, Stollen und weitere Leckereien verbergen.

Die Kartons für die Geschenkboxen müssen erst gefaltet werden.

Die Kartons für die Geschenkboxen müssen erst gefaltet werden.

In der Lüttich-Kaserne in Köln-Longerich haben sich an diesem Tag die Altenhilfe der Kölnischen Rundschau und die Bundeswehr wieder einmal zusammengetan, um Pakete für bedürftige alte Menschen zu packen. Die Soldatinnen und Soldaten haben sich freiwillig gemeldet. „Es ist toll, wenn man etwas tut für jemanden, der das gut gebrauchen kann. Das ist ein schönes Gefühl“, erzählt Alicia Siefert mir in einer Pause. Sie ist Beamtin im Luftwaffentruppenkommando am Standort Wahn.

Auf meterhohen Paletten sind die Konserven und Gläser gelagert.

Auf meterhohen Paletten sind die Konserven und Gläser gelagert.

Eine dicke Musikbox steht auf einer der Paletten, auf denen sich die Lebensmittel am Morgen türmen, am Nachmittag sollen sie fast leer sein. Von Technosongs bis Helene Fischer steht an diesem Tag alles auf der Playlist. „Hier fehlt ein Hackbraten“, ruft einer der Soldaten durch die Halle. Von weiter hinten am Laufband wird eine Dose durchgereicht zu der unvollständigen Kiste. Eine von 6500, die in eineinhalb Tagen gefüllt werden.

Eifrig sind die Soldatinnen und Soldaten in der Kaserne mit dem packen der Pakete befasst.

Eifrig sind die Soldatinnen und Soldaten in der Kaserne mit dem packen der Pakete befasst.

Schon zu Beginn hatte eine der zwei Verpackungsmaschinen gestreikt. Das soll noch öfter der Fall sein. Die fleißigen Helferinnen und Helfer müssen sich ein wenig gedulden. So ist aber Zeit um sich zu unterhalten. Mark Bermüller ist zum ersten Mal dabei. Der Soldat vom Luftwaffentruppenkommando versenkt neben mir Puddingpulver in den Kisten. Auch wenn dieser gut verpackt ist, verbreitet sich ein leichter Schokoladengeruch. „Da bekommt man Lust auf Schokolade“, sagt Fabian Kastenholz. Mir geht es genauso. Ein Soldat aus dem besonderen Fahrbetrieb der Unterstützungsstaffel steht mir gegenüber und ist hier dafür zuständig eine Packung Schogetten in die Kisten zu legen – Stracciatella, feinherb mit Nüssen, Vollmilch mit Keks – die Sorten sind bunt gemischt. Kastenholz hilft bereits das zweite Mal bei der Packaktion: „Es ist schön mal etwas anderes machen zu können und dabei gleichzeitig etwas Gutes zu tun.“ Ein lauter Pfiff gellt durch die Halle – das ist das Zeichen für die Pause. Nudeln mit Gulasch oder – ich nehme die vegetarisch Variante – mit Tomatensoße, sorgen für neue Kräfte bei den Weihnachtswichteln in Camouflage-Uniformen.

Der Standortälteste Richard Frevel steht nach der Pause neben mir und legt Werthers Original in die Mitte der Boxen.   Die Sonne scheint durch die Fenster und offenen Tore und taucht die Halle in einen goldenen Ton. Und sie scheint Frevel und mir so in die Augen, dass wir zwischenzeitlich unser Gegenüber nur in Umrissen erkennen. „In den letzten Jahren war es immer viel kälter“, erinnert sich Frevel. Das wurde mir auch gesagt, deswegen stehe ich hier in meinem dicksten Mantel, Thermounterwäsche und Mütze und schwitze, während ich zur Abwechslung mal das Puddingpulver von Bermüller übernehme. Es tut gut eine andere Handbewegung zu machen. Immerhin habe ich bis jetzt etwa 2500 Briefumschläge an die Seiten der Pakete geschoben und mir durch meine Ungeschicktheit meine Finger an den Kartons aufgeschnitten. Mir wurde erklärt, dass es wichtig ist, dass die Briefe nicht obenauf liegen, weil sie in den vergangen Jahren schonmal irgendwo aus den verschlossenen Paketen geklaut wurden.

Für manche Menschen ist es das einzige Geschenk

Neben dem Geklacker und Geraschel ist die Halle gefüllt von Stimmengewirr. Als Helmut Heinen aber seine Ansprache hält, lauschen die Helferinnen und Helfer aufmerksam, während sie in Reih und Glied stehen. Heinen spricht seinen Dank aus für den Einsatz.   Jedes der 6500 Pakete wird persönlich übergeben und nicht nur das: Auch die Übergabe und überhaupt etwas zu Weihnachten zu bekommen, mache die Menschen überglücklich.

Zum Nachmittag wird es ruhiger: Kein Wunder nach knapp acht Stunden am Band stehen. Ich   bin wieder für die Briefe zuständig und inzwischen bei etwa 4000 Stück. Doch der Gedanke, dass jeder einzelne für ein Lächeln sorgen wird, spornt mich an. Und plötzlich schallt ein Lied aus der Box bei dem alle wieder mitsingen. Auch ich lasse mich mitreißen. Während Bermüller neben mir die Melodie pfeift, singe ich leise „Last Christmas“.


Das ist drin im Weihnachts-Paket

Gefüllt sind die Pakete mit gängigen Markenartikeln. Der Inhalt ermöglicht es den bedürftigen Empfängerinnen und Empfängern, sich über die Feiertage komplette Mahlzeiten zuzubereiten: Es gibt unter anderem Spaghetti mit Tomatensauce ebenso wie herzhafte Bratkartoffeln, Hackbraten in Bratensauce, Heringsfilet in Tomatensauce, Rinderbraten, fein-milde Putenbrust, einen deftigen Erbseneintopf mit Würstchen, Sauerkraut, Rotkohl,Leberwurst aus Thüringen, Rinderkraftbrühe und Rote Beete in Scheiben.

Auch für den süßen Geschmack ist etwas dabei wie Schokolade, Honig, Konfitüre, Kaiserschmarrn, Milchnudeln, ein kleiner Marzipan-Stollen, Schokoladenpudding und Götterspeise. Und Krüger-Cappuccino liegt erneut bei wie auch ein Gutschein der Drogeriemarktkette dm über 15 Euro, der in allen Fialen eingelöst werden kann, sowie das Grußwort des Vorsitzenden der Altenhilfe, Helmut Heinen. (rkk)

Nachtmodus
Rundschau abonnieren