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FührungDurch St. Gereon, die schönste Kirche Kölns

4 min
Pfarrer Dominik Meiering erzählt in St. Gereon vom Namensgeber der Kirche.

Pfarrer Dominik Meiering erzählt in St. Gereon vom Namensgeber der Kirche.

Mit Innenstadt-Pfarrer Dominik Meiering auf den Spuren einer Legende ‑ exklusiv für die Rundschau-Altenhilfe.

„Willkommen in der schönsten Kirche Kölns“, sagt Innenstadt-Pfarrer Dominik Meiering zur Begrüßung. Er meint nicht etwa den Dom, sondern St. Gereon. Und setzt damit den Ton für eine besondere Führung: Auf Einladung der Rundschau-Altenhilfe zeigt er voller Begeisterung, was diese Kirche – eine der ältesten in Deutschland – zu bieten hat.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind überverschiedene Kölner Seniorennetzwerke gekommen. Fasziniert schauen sie auf die Reste des römischen Mosaikbodens in einer Wandnische und dann in die zehneckige Kuppel, mit der St. Gereon ein Ausnahmebau des Mittelalters ist.

Auf Einladung der Rundschau-Altenhilfe führte Dominik Meiering eine interessierte Gruppe durch St. Gereon.

Auf Einladung der Rundschau-Altenhilfe führte Dominik Meiering eine interessierte Gruppe durch St. Gereon.

Zwischen Mosaik und Kuppel liegen etwa tausend Jahre Baugeschichte – und viel Legendenbildung. Denn wer war eigentlich Gereon? Ein Soldat der Thebäischen Legion, so heißt es, die der römische Kaiser Maximilian aus Theben an den Rhein schickte. Das Besondere an ihnen: Sie waren Christen. Das störte Maximilian nicht weiter, bis sie seine Befehle missachteten. Sie sollten ihm ein Brandopfer bringen und sie sollten andere Christen verfolgen. Als sie sich weigerten, mussten sie sterben. Der Legende nach wurden ihre Leichen vor den Toren Kölns in einen Brunnen geworfen.

St. Gereon war einer der größten Kuppelbauten der Antike

Nämlich dort, wo einige Jahrhunderte später der erste ovale Kuppelbau entstand, aus dem später die große Kirche St. Gereon wurde. Ebenfalls in den Bereich der Legende gehört, dass diesen Helena, die Mutter von Kaiser Konstantin, zu Ehren von Gereon errichten ließ. Tatsache ist aber, dass dieser ovale Bau einer der größten Kuppelbauten der Antike war – nach dem Pantheon in Rom und der Hagia Sophia in Istanbul.

Dominik Meiering zeigt die Standarte, die an den Heiligen Gereon als Schutzpatron der Soldaten erinnert.

Dominik Meiering zeigt die Standarte, die an den Heiligen Gereon als Schutzpatron der Soldaten erinnert.

Legenden spielen auch in der weiteren Baugeschichte eine Rolle: Danach ließ Erzbischof Anno das Langhaus anbauen, weil er im Traum die Botschaft erhielt, es sei der toten Thebäer nicht genug gedacht worden. Im 12. Jahrhundert grub Norbert von Xanten unter großem Aufsehen den Leichnam des Hl. Gereons aus, „angeblich war sogar sein Gewand noch erhalten“, so Meiering. Seine Reliquien werden seitdem in der Krypta aufbewahrt.

Nur die Kuppel vom Florentiner Dom war größer als St. Gereon

Die heutige markante Form erhielt St. Gereon im 13. Jahrhundert: Da wurde der ovale Bau aufgestockt und in ein überkuppeltes Dekagon, ein Zehneck, umgewandelt. Dieses Dekagon gilt als der größte erhaltene Kuppelbau des Mittelalters nördlich der Alpen, übertroffen wurde er nur von der Florentiner Domkuppel. „Damals war man in Köln mit Recht stolz auf seine Stadt“, betont Meiering.

Kostbarkeiten in der Sakristei: Die Reliquienhandschuhe zählen zu den bedeutendsten Goldschmiedearbeiten der damaligen Zeit.

Kostbarkeiten in der Sakristei: Die Reliquienhandschuhe zählen zu den bedeutendsten Goldschmiedearbeiten der damaligen Zeit.

Und er ist stolz auf die Kirche St. Gereon. Mit Begeisterung zeigt er der Gruppe deren Schätze: Allein die Buntglasfenster ziehen jedes Jahr ganze Busse voller Kunstliebhaber an. Sie wurden im Zuge des Wiederaufbaus nach dem zweiten Weltkrieg von bedeutenden Glaskünstlern wie Georg Meistermann und Wilhelm Buschulte geschaffen. Sie zeigen auf der obersten Etage die zwölf Aposteln mit den vier Evangelisten, darunter die apokalyptischen Reiter und im ersten Obergeschoss die Kölner Heiligen: unter anderen Albertus Magnus und Ursula, mit einem Pfeil in der Brust.

Die Altenhilfe ist eine großartige Initiative der Rundschau und ein kostbarer Beitrag zum Zusammenhalt in der Stadt
Dominik Meiering, Pfarrer von St. Gereon

Das präsentiert der Innenstadt-Pfarrer gerne, aber besonders gerne führt die Rundschau-Altenhilfe. „Die Altenhilfe ist eine großartige Initiative der Rundschau und ein kostbarer Beitrag zum Zusammenhalt in der Stadt“, sagt er und erklärt: „Da ist es doch eine Ehrensache für mich, über Geschichte, Kirchengeschichte und Kunst zu erzählen.“ Und das nicht nur als Geistlicher, sondern auch als promovierter Kunsthistoriker, wie Dr. Raimund Neuß, stellvertretender Vorsitzender der Altenhilfe, zur Begrüßung den Teilnehmerinnen und Teilnehmern erklärt.

In der Sakristei öffnet Dominik Meiering Türen, die sonst verschlossen bleiben.

In der Sakristei öffnet Dominik Meiering Türen, die sonst verschlossen bleiben.

Meiering öffnet der Gruppe Türen, die sonst geschlossen bleiben: zur Sakristei zum Beispiel und darin zu verschiedenen in die Wand eingelassenen Schränken. Sie geben den Blick frei auf Kostbarkeiten wie antike Amphoren und mittelalterliche Goldschmiedearbeiten, alle aus der Geschichte St. Gereons.

St. Gereon ist Kölner Stadtpatron und Schutzheiliger der Soldaten

Und der ist heute Stadtpatron, Schutzheiliger der Soldaten und Namensgeber einer der schönsten Kirchen Kölns. In der Taufkapelle gibt es zum Schluss noch Musik: Meiering lässt die Gruppe mal eben „Veni Creator Spiritus“ singen, die Herren den Bass, die Damen in aufsteigenden Stimmlagen, er selbst fällt mit der höchsten Stimme ein.

Beseelt verlässt die Gruppe die Kirche. „Total gut“ war das, meint Ingrid Wirsam (78), und Barbara Stoltmann (69) schwärmt: „So kurzweilig und informativ, und der Aufbau der Führung - das war ganz harmonisch!“