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Rundschau-Debatte des TagesWie gefährlich ist der Angriff auf die Huthi?

4 min
Das von der US-Navy zur Verfügung gestellt Bild zeigt eine Tomahawk-Rakete die von einem Zerstörer im Mittelmeer abgefeuert wird.

Das von der US-Navy zur Verfügung gestellt Bild zeigt eine Tomahawk-Rakete die von einem Zerstörer im Mittelmeer abgefeuert wird.

Seit Wochen greifen die jemenitischen Huthi Handelsschiffe im Roten Meer an. Nach Warnungen an die Rebellen führen die USA und Verbündete nun Militärschläge gegen deren Stellungen durch.

Als Reaktion auf Angriffe der jemenitischen Huthi-Rebellen auf Schiffe im Roten Meer haben die USA und Großbritannien in der Nacht zum Freitag mit Unterstützung von Verbündeten deren Stellungen attackiert. Die wichtigsten Fragen im Überblick:

Wieso kam es zu den Angriffen?

Die jemenitischen Huthi-Rebellen haben das Rote Meer in einen Nebenschauplatz des Kriegs zwischen der Hamas und Israel verwandelt. Die Huthi wollen Israel zum Ende der Angriffe bewegen und haben jedes Schiff, das israelische Häfen ansteuert oder von dort kommt ohne Hilfsgüter für die Palästinenser, zum möglichen Ziel erklärt. Nach US-Angaben haben die Huthi seit Mitte November mehr als zwei Dutzend Angriffe auf Handelsschiffe durchgeführt.

Wegen der Auswirkungen auf die Schifffahrt und den Welthandel stellten die USA im Dezember die maritime Operation „Prosperity Guardian“ zusammen, die Handelsschiffe schützt, bereits Drohnen oder Raketen abfing und auch angreifende Huthi-Boote versenkte.

Wer sind die Huthi-Rebellen?

Die Huthi sind eine militante Bewegung im Jemen. Sie haben mehrfach Aufstände gegen die Führung in der Hauptstadt Sanaa angezettelt. 2014 übernahmen sie dort die Kontrolle und beherrschen heute weite Teile des Landes vor allem im Norden. Einer Analyse von 2019 zufolge kommen sie auf etwa 180000 bis 200000 bewaffnete Kämpfer. Sie verfügen über ein umfassendes Waffenarsenal und werden vor allem vom Iran und der Hisbollah im Libanon unterstützt. Die schiitischen Huthi – im Iran leben ebenfalls mehrheitlich Schiiten – kämpfen im Bürgerkrieg im Jemen gegen ein von Saudi-Arabien angeführtes Militärbündnis.

Was wollen die Huthi-Rebellen?

Allem voran wollen die Rebellen den gesamten Jemen regieren. Im Gaza-Krieg wollen die Huthi – genau wie ihr Unterstützer Iran – Israel von weiteren Angriffen abhalten, mit ihren Attacken im Roten Meer zugleich aber auch breitere Anerkennung finden als Teil der selbst ernannten iranischen „Achse des Widerstands“ gegen Israel. Außerdem können sie von eigenen Problemen ablenken und Stärke demonstrieren.

Welche Rolle spielt der Iran in dem Konflikt?

Der mehrheitlich schiitische Iran gilt als wichtiger Unterstützer der Huthi-Rebellen. Teheran hat seit den 1990er-Jahren seine Beziehungen in der Region ausgebaut, um mit der Unterstützung schiitischer Milizen eine „Achse des Widerstands“ gegen den erklärten Erzfeind Israel zu schaffen, bestreitet jedoch, die Huthi finanziell oder mit Waffen zu unterstützen.

Die US-Regierung bezeichnete den Iran bereits als Drahtzieher hinter den Angriffen auf Schiffe im Roten Meer, auch seitens Großbritannien und Israel gab es Vorwürfe einer Beteiligung. Der Iran hat eine Verwicklung wiederholt zurückgewiesen. Beobachter sehen eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass der Iran bei einer weiteren Eskalation den Huthi-Rebellen aktiv zur Seite springen würde. „Es ist ja Strategie des Irans, durch seine Partner in der Region zu agieren, unter anderem eben den Huthi“, sagt Mareike Transfeld vom Yemen Policy Center. Ein direktes Eingreifen sei nicht im Interesse des Irans.

Ist Deutschland an dem Einsatz beteiligt?

Zusammen mit den nun an den Militärschlägen beteiligten Staaten hat Deutschland die Angriffe der Huthi auf Handelsschiffe scharf verurteilt. Eine direkte militärische Beteiligung an den Militärschlägen steht aber nicht auf der Tagesordnung. Auch an der von den USA initiierten Operation „Prosperity Guardian“ beteiligt sich Deutschland nicht. Verwiesen wird darauf, dass Bundeswehreinsätze – wenn sie nicht der Landesverteidigung dienen – in Strukturen kollektiver Sicherheit eingebunden sein müssen. Einen solchen Rahmen kann die EU bieten. Deutschland macht sich für einen EU-Marineeinsatz stark und bietet dafür Kräfte an.

Was könnte die deutsche Marine beitragen?

Ein Sprecher machte dazu am Freitag keine genaueren Angaben. Er verwies aber auf Fähigkeiten der Marine mit „seegehenden Einheiten auch im Bereich Luftverteidigung“. Damit könnten vor allem Fregatten der Klasse 124 gemeint sein. Die Schiffe seien genau für solche Aufgaben gebaut. Derzeit ist kein Schiff der Deutschen Marine im Roten Meer.

Kommt es nun zu einem Flächenbrand?

Beobachter der Region erwarten, dass die Huthi auf die Angriffe reagieren. Ob es zu einem Flächenbrand kommt, hänge davon ab, wie dies konkret erfolge, sagt Riad Kahwaji, Direktor des „Institute for Near East and Gulf Military Analysis“ (INEGMA): Sollten sie nun auch US-Stützpunkte in der Region angreifen, steige die Wahrscheinlichkeit einer Ausweitung des Krieges erheblich. Kahwaji gibt aber zu bedenken, dass die US-geführten Schläge auf Ziele der Huthi vom Meer aus erfolgten und keiner aus Nachbarländern kam – um den Huthi keinen Vorwand zu geben, diese Staaten anzugreifen.

Für Transfeld vom Yemen Policy Center ist denkbar, dass die Huthi US-Militärbasen in Saudi-Arabien angreifen. Man wisse, dass die Waffen der Huthi eine derartige Reichweite hätten, „und es wäre ihnen auch zuzutrauen“, sagt die Expertin. Das wäre ein „neuer Grad der Eskalation“ und würde auch dazu führen, dass die Amerikaner eine aktive Rolle im Jemen-Konflikt spielen würden. Dass in der Folge die gesamte Region miteinander in Konflikt stehe, sieht Transfeld noch nicht.

Unmittelbar könnten die Folgen einer weiteren Eskalation vor allem den Jemen selbst treffen und zum Abbruch der Friedensgespräche in dem Bürgerkriegsland führen. „Die Wahrscheinlichkeit, dass es im Jemen selbst dann wieder zu aktiven Gefechten kommt, ist sehr groß“, sagt Transfeld. Auch Saudi-Arabien, dass sich eigentlich aus dem Konflikt zurückziehen wollte, könnte gezwungen sein, wieder aktiv zu werden. (dpa)