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Kommentar

Rede des Kanzlers in Davos
Alles richtig gemacht, Herr Merz!

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2 min
Kanzler Friedrich Merz beim Wetwirtschaftsforum in Davos

Kanzler Friedrich Merz beim Wetwirtschaftsforum in Davos

Friedrich Merz hat darauf verzichtet, Trump offen zu kritisieren. Er hat aber auch nicht den Bückling gegeben. Es war eine kluge Rede.

Viele Menschen in Deutschland wünschen es sich. Auch manche Politiker der Opposition wollen, dass Friedrich Merz dem US-Präsidenten Donald Trump in seinen Allmachtsfantasien endlich einmal so richtig Paroli bietet. Angesichts der bescheidenen Umfragewerte für seine Arbeit wäre es verlockend für Merz gewesen, auf der Weltbühne von Davos Donald Trump verbal in die Schranken zu weisen. Austeilen kann der Kanzler schließlich mindestens so scharfzüngig wie der US-Präsident. Beifall von vielen daheim wäre ihm gewiss gewesen.

Klüger allerdings war es, es nicht zu tun. Friedrich Merz hat darauf verzichtet, Trump offen zu kritisieren. Er hat aber auch nicht den Bückling gegeben. Es war eine kluge Rede, die die neuen Realitäten der Welt der Großmächte anerkennt und daraus die nötigen Schlüsse zieht. Für das Niveau dieser Rede brauchte sich in Deutschland wahrlich niemand zu schämen, was für den Vorredner aus den USA am Vortag nicht unbedingt gilt.

Auch mächtige Akteure brauchen Partner

Merz verzichtete trotzdem nicht darauf, klare Botschaften zu setzen, die Donald Trump als Kritik an seinem Kurs der Abkehr von Europa verstehen durfte. „Eine Welt, in der nur Macht zählt, ist ein gefährlicher Ort.“ Merz erinnerte daran, dass die deutschen Großmachtgelüste im 20. Jahrhundert in den Abgrund geführt haben. Auch die USA seien auf die transatlantische Zusammenarbeit angewiesen. Demokratien bräuchten Partner, so die Botschaft, selbst wenn sie mächtig sind wie die USA. Fahrlässigen Bemerkungen aus Europa, die Nato sei doch schon jetzt am Ende, schloss Merz sich ausdrücklich nicht an. Richtig so. Eine vorauseilende Absage an eine Zukunft der Nato von europäischer Seite wäre geradezu eine Ermunterung für Trump, das Verteidigungsbündnis weiter infrage zu stellen. Merz erinnerte lieber daran, dass auch die USA sich durch das Bündnis Unterstützung und Einfluss sichern.

Trumps überraschende Kehrtwende in punkto Zolldrohungen an die Europäer ist offensichtlich dem Verhandlungsgeschick von Nato-Generalsekretär Mark Rutte zu verdanken. Ein spürbares Aufatmen ging durch Europa. Auch das zeigt: Einen kühlen Kopf zu bewahren, bleibt das Gebot für die nächsten Jahre mit Trump. Friedrich Merz hat das zum Glück längst verstanden.