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Sofortprogramm bei der Deutschen Bahn
Schieflage mit Folgen für Pendler

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Berlin: Reinigungsmittel stehen in einem Zug im ICE Betriebswerk Berlin-Rummelsburg bei der Vorstellung vom Sofortprogramm für mehr Komfort im Fernverkehr bereit.

Berlin: Reinigungsmittel stehen in einem Zug im ICE Betriebswerk Berlin-Rummelsburg bei der Vorstellung vom Sofortprogramm für mehr Komfort im Fernverkehr bereit.

Während über Bordgastronomie und Sitzkomfort debattiert wird, kämpfen Millionen Pendler im Nahverkehr täglich um das Minimum. Hier muss man ran.

Mehr Toiletten im ICE, moderne Kaffeemaschinen – das klingt nach einem Unternehmen, das begriffen hat, dass Reisende für hohe Ticketpreise mehr erwarten als eine reine Beförderung von A nach B, die oft genug nicht funktioniert. Dafür: ein ehrliches Dankeschön.

Doch wenn wir über den Zustand in den Zügen sprechen, führt kein Weg am Nahverkehr vorbei. Wer morgens im überfüllten Pendlerzug steht, auf dem Land vergeblich auf eine Verbindung wartet oder sich mit Fußballfans an einem Spieltag in eine Regionalbahn quetscht, weiß, was echter Unkomfort ist.

Natürlich ist es richtig, dass die Bahn auch über Kaffeemaschinen hinaus in den Fernverkehr investiert.

Die Generalsanierungen wichtiger Korridore für schnelle Verbindungen sind überfällig. Saubere, modernisierte Bahnhöfe in den Städten sind ein Gewinn. Aber es entsteht der Eindruck, dass der Regionalverkehr ins Abseits gerät.

Dafür gibt es strukturelle Ursachen: Der Regionalverkehr wird von den Bundesländern bestellt und aus sogenannten Regionalisierungsmitteln finanziert. Das Budget ist gedeckelt, Ausschreibungen sind hart kalkuliert.

Fernverkehr wird strategisch auf Gewinne ausgerichtet

Steigen Personal- und Energiekosten, geraten die Länder unter Druck. Schleswig-Holstein etwa hat seit 2024 in Tagesrandzeiten das Angebot von Vorortzügen nach Hamburg reduziert. Oft geht es in diesem System nicht um Komfort, sondern darum, das bestehende Angebot überhaupt aufrechtzuerhalten. Der Fernverkehr dagegen fährt eigenwirtschaftlich und wird entsprechend strategisch auf Gewinne ausgerichtet.

Man muss kein Bahnexperte sein, um zu sehen, dass hier eine Schieflage entsteht. Auch im ICE gehören Verspätungen zum Alltag.

Verkehrswende darf nicht nur für Fernreisende optimieren

Doch während dort über Bordgastronomie und Sitzkomfort debattiert wird, kämpfen Millionen Pendler im Nahverkehr täglich um das Minimum: das bloße Ankommen unter menschenwürdigen Transportbedingungen.

Die Verkehrswende darf nicht zur Optimierung einer Premium-Klasse für Fernreisende werden. Ihr Versprechen muss Zuverlässigkeit heißen – von der ersten bis zur letzten Meile. Für alle. In jedem Zug.