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Leiden der LeberHundertausende leiden in Deutschland an Hepatitis

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Die Zahlen sind alarmierend: Jahr für Jahr sterben mehr als 1,3 Millionen Menschen an der Infektionskrankheit Hepatitis. Nach Erhebungen der Weltgesundheitsorganisation WHO sind aktuell knapp 260 Millionen Menschen an einer Hepatitis B und mehr als 70 Millionen Menschen an Hepatitis C erkrankt. Hepatitis B und C sind die gefährlichsten Formen der Krankheit, die in fünf Versionen auftreten kann. Mit großen Aufklärungskampagnen strebt die WHO bis 2030 die Eindämmung von Hepatitis an.

Die Leber – Das grösste innere Organ

Die Leber ist unser größtes inneres Organ. Sie entgiftet nicht nur das Blut, sondern spielt eine wichtige Rolle im Stoffwechsel und bei der Verdauung. Auch das Immunsystem und die Blutgerinnung werden von der Leber mit kontrolliert. Als Beispiel: Wenn Sie sich in den Finger schneiden und nicht verbluten, haben Sie das nicht zuletzt Ihrer Leber zu verdanken. Bei Lebererkrankungen denken viele zuerst an Alkohol, aber Millionen von Bundesbürgern sind aus ganz anderen Gründen leberkrank: durch Übergewicht, Medikamentenschäden, Stoffwechsel- und Autoimmunkrankheiten sowie Infektionen mit Hepatitis-Viren.

Wie verläuft die Erkrankung?

Eine Hepatitis ist eine Leberentzündung , bei der Leberzellen zerstört werden. Bei einem chronischen Verlauf kann die Leber vernarben und eine Zirrhose entstehen. Bei einer Zirrhose können lebenswichtige Funktionen wie Stoffwechsel, Verdauung und die Entgiftung des Blutes stark eingeschränkt sein. Da das Blut zudem nicht mehr gut durch die Leber hindurchfließen kann, kann es zu Komplikationen, etwa inneren Blutungen, kommen. Bei einer Zirrhose können Zellen entarten und Leberkrebs entstehen. Wird eine Leberentzündung frühzeitig behandelt, lassen sich diese Spätfolgen oft verhindern. (Quelle: Deutsche Leberhilfe)

Hierzulande in den Fokus gerückt ist aktuell die Hepatitis A. Denn seit November 2016 beobachten Experten vor allem in Berlin immer neue Fälle der Leberentzündung dieses Typs. Sie geht mit akuten Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Oberbauchschmerzen sowie einer Gelbfärbung von Haut und Augen einher – und bedeutete bislang in etwa jedem dritten Fall einen Aufenthalt im Krankenhaus. Aber: Die Infektion heilt in vielen Fällen von selbst aus.

Betroffen sind vor allem Männer, ein Großteil gibt an, schwul zu sein. Von den bundesweit rund 550 gemeldeten Infektionen mit Hepatitis A in diesem Jahr stammen gut 100 aus Berlin. Einzelne Fälle wurden aber auch aus anderen deutschen Großstädten wie Köln und München berichtet, heißt es beim Robert Koch-Institut (RKI). Üblicherweise wird das Virus in Deutschland eher bei Kindern und in Einzelfällen beobachtet, am häufigsten verbunden mit Reisen in betroffene Gebiete. Das sind vor allem süd- und osteuropäische Länder, Afrika, Asien, Süd- und Mittelamerika. Übertragen werden kann das Virus durch Kontakt- und Schmierinfektionen, beim Sex vor allem unter Männern oder durch kontaminiertes Wasser und Lebensmittel, wie rohe Muscheln und Meerestiere.

Die gute Nachricht: Gegen die Hepatitis-Virustypen A und B gibt es verlässliche Impfungen. Erstere wird vor allem Fernreisenden empfohlen, letztere seit 1995 allen Säuglingen und Kleinkindern. Aber RKI-Expertin Ruth Zimmermann beklagt: „Die Bevölkerung ist nicht so gut geimpft, wie sie sein könnte, sein sollte.“ Sie und ihre Kollegin Sandra Dudareva-Vizule vom RKI sehen Deutschland deshalb noch vor einigen Anstrengungen, um Neuinfektionen, chronische Verläufe und damit die Weiterverbreitung einzugrenzen.

Hauptaugenmerk legen die Expertinnen auf Hepatitis B und C: Diese können schwerere und vor allem chronische Verläufe nehmen, zu Leberkarzinomen und Leberzirrhose führen. Internationalen Schätzungen zufolge dürften hierzulande Hunderttausende von Hepatitis B und C betroffen sein, insgesamt rund 7400 Fälle wurden dem RKI 2016 gemeldet.

Doch bei den Neudiagnosen handelt es sich nur bedingt um wirklich neue Erkrankungen. Bei Hepatitis C etwa würden jedes Jahr immer noch Fälle von Menschen gemeldet, die sich vor 1992 durch Blutprodukte wie Transfusionen nach OPs infizierten, sagt Zimmermann. „Weil die Infektion so lange schleichend verläuft und nicht besonders typische Symptome hat, wird sie manchmal erst Jahre später erkannt.“ Neben Abgeschlagenheit und Leistungsminderung könnten das auch psychische Symptome wie Depressionen sein. Typische Anzeichen, wie Gelbsucht gebe es teils erst bei stärkeren Leberschäden. Da seit 1992 Blutprodukte auf Hepatitisviren getestet werden, sei der Übertragungsweg heute nicht mehr relevant, so die Expertin. Allerdings sei generell die Aufmerksamkeit für Hepatitiserkrankungen bei Allgemeinmedizinern und Hausärzten immer noch „nicht sehr ausgeprägt“. Dabei hätten sich die Behandlungsmöglichkeiten insbesondere bei Hepatitis C verbessert. Dieser Typ sei inzwischen „in fast allen Fällen“ therapierbar. Seit 2014 kommen laufend neue, sehr wirksame – und sehr teure – Medikamente auf den Markt. Nach einem Anstieg der Behandlungszahlen 2015 gab es im vergangenen Jahr jedoch einen Rückgang, so die Expertin. Jetzt müssten Hepatitis-C-Infektionen aktiver diagnostiziert werden – es seien sicherlich noch nicht alle betroffenen Patienten bereits behandelt. Ein Screening für gefährdete Personen fehle.

Die Organisation Ärzte der Welt kritisiert die Preisgestaltung eines der Mittel gegen Hepatitis C: Eine dreimonatige Behandlung damit kostet offiziell rund 60 000 Euro – und die Therapie werde noch nicht in allen Fällen von den Kassen übernommen, so eine Sprecherin.

Zumindest Einzelfälle seien bekannt, in denen Ärzte daher vor der Verschreibung zurückschreckten. Um die Zugänglichkeit des Wirkstoffs in Europa zu beschleunigen, fechten mehrere Organisationen das Patent auf den Wirkstoff an. Sie hoffen auf günstigere Nachahmer-Produkte, sogenannte Generika.

Weniger gut als bei Hepatitis C sind die Prognosen bei Hepatitis B: Diese gilt als „Diagnose fürs Leben“, wenn die Infektion chronisch wird, so Dudareva-Vizule. Mit Blick auf die vorhandene Impfung betont sie: „Die Infektionen müsste es nicht geben.“ Bei der Schuleingangsuntersuchung seien 88 Prozent der Kinder geimpft. Das seien noch zu wenig.

Immerhin: Zumindest der aktuelle Hepatitis-A-Ausbruch in Berlin hat sich in den Impfzahlen positiv niedergeschlagen: In den ersten beiden Quartalen 2017 sei etwa doppelt so häufig geimpft worden wie in früheren Jahren. (dpa)

www.leberhilfe.org

Formen der Hepatitis

Hepatitis A ist eine Reisekrankheit, die vor allem durch verunreinigte Nahrungsmittel und Schmierinfektionen übertragen

wird, z.B., über Toiletten, Essen und Trinken, Eiswürfel und Badewasser. Gegen Hepatitis A gibt es eine sichere Impfung.

Hepatitis B kann über Körperflüssigkeiten wie Blut, Vaginalsekret oder Sperma übertragen werden. Sexualkontakte, Piercing oder Tätowierungen können ebenso wie Kontakt mit infiziertem Blut zur Ansteckung führen. Auch gegen Hepatitis B gibt es eine sichere Impfung.

Hepatitis C ist im Alltag kaum ansteckend. Zur Infektion kommt es meist durch direkten Blutkontakt, z. B. durch Blutprodukte vor 1992, Verletzungen, gemeinsam benutztes Spritzbesteck beim Drogengebrauch, Piercing, Tätowierungen oder schlechte Hygiene bei medizinischen Eingriffen. Hepatitis C wird nicht über Essen, Händeschütteln,Umarmen, Küssen oder die Benutzung der gleichen Toilette übertragen. Es gibt keine Impfung.

Hepatitis D ist in Deutschland relativ selten, aber das gefährlichste bekannte Hepatitis-Virus. Es kann nur zusammen mit dem Hepatitis-B-Virus existieren, weil es dessen Hülle zur Vermehrung braucht: Dabei entsteht oft deutlich schneller eine Leberzirrhose als alleine durch Hepatitis B. Eine Infektion ist über Blut- und Sexualkontakt möglich. Eine Impfung gegen Hepatitis B schützt auch vor Hepatitis D.

Hepatitis E ist weit verbreitet: Einer von sechs Deutschen hat bereits eine Infektion durchgemacht. Rohes Fleisch wie z. B. Schweinemett ist ein häufiger Übertragungsweg; Kochen

oder Braten über 70°C legen das Virus lahm. Hepatitis E heilt in 99 % der Fälle folgenlos von selbst. Eine Impfung gibt es in Europa nicht.