Abo

ZeckenVorsicht vor den kleinen Blutsaugern

3 min

Zecken lauern im Wald oder Feld auf Gräsern oder Büschen und lassen sich im Vorübergehen unbemerkt abstreifen.

Deshalb haben Experten die kleinen Blutsauger im vergangenen Jahr zum gefährlichsten Tier Deutschlands ernannt. Kein anderes Lebewesen verursache hierzulande so viele teils schwere Krankheitsfälle. 2012 hat es laut Robert-Koch-Institut vergleichsweise wenige Erkrankungen an Borreliose und FSME gegeben. Experten raten dennoch zur Vorsicht.

Denn: "Die Erkrankungszahlen lassen keinen Rückschluss auf die konkrete Gefahr zu", sagt Professor Heinz Mehlhorn, ehemaliger Leiter des Instituts für Parasitologie und Zoologie der Universität Düsseldorf. "Die reale Bedrohung ist jedes Jahr vergleichbar."

Beim Zeckenentfernen gilt: Drehen ist besser als Ziehen. Das zeigte kürzlich auch eine Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien: Fünf Werkzeuge zur Zeckenentfernung wurden hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit an mehr als 500 der Blutsauger getestet. Dabei schnitten die Geräte zum Herausdrehen der Tiere (zum Beispiel Zeckenzange) signifikant besser ab als Geräte zum Herausziehen (zum Beispiel Pinzette). Im Einzelvergleich erzielte die Zeckenzange das beste Gesamtergebnis.

Beim Herausdrehen mit einer Zeckenzange bleibt der Zeckenkopf seltener in der Haut stecken. Besonders geeignet sind Zeckenzangen aus der Apotheke. Diese sind einfach in der Handhabung. Als sehr hilfreich erweisen sich Zeckenzangen mit zusätzlicher Hebelfunktion für große Zecken. Zangen mit geringem Greiferdruck vermindern das Risiko, den Hinterleib der Zecken zu quetschen. Entfernungsmethoden wie das Auftragen von Alkohol, Benzin oder Nagellackentferner gelten hingegen als ungeeignet.

Viele Krankheitserreger, die durch Zecken übertragen werden, gelangen nicht unverzüglich in den menschlichen Körper. Um das Infektionsrisiko zu mindern, sollte man sich gleich im Anschluss an den Aufenthalt in der Natur nach Zecken absuchen (lassen).

Besonders sorgfältig sollten die Arme, Kniekehlen, Hals, Kopf und der Schritt abgesucht werden. Breitet sich eine Rötung an der Einstichstelle aus, empfiehlt sich ein Arztbesuch - ebenso wenn die Einstichstelle anschwillt oder schmerzt.

In Nordrhein-Westfalen übertragen Zecken in erster Linie Borreliose - eine Bakterieninfektion, die besonders im Frühstadium gut mit Antibiotika behandelbar ist.

Angesichts der hohen Zahl an Betroffenen haben zuletzt andere Bundesländer eine Meldepflicht eingeführt - nach Rheinland-Pfalz und dem Saarland nun auch Bayern. Die Melderegelung unterscheidet sich aber je nach Bundesland. "Eine bundeseinheitliche Lösung wäre da schon wünschenswert", sagt Professor Gerhard Wiesmüller, Leiter der Abteilung Infektions- und Umwelthygiene des Gesundheitsamtes der Stadt Köln. FSME wird von Viren ausgelöst. Dabei steht die Abkürzung für Früh-Sommer-Meningo-Enzephalitis.

Entgegen ihrem Namen kann die Krankheit jederzeit auftreten, wenn Zecken aktiv sind.

Allerdings kommt das Virus vor allem in Süddeutschland vor. "Bezüglich des FSME-Risikos sollte man sich genau anschauen, wo man hinfährt. Wer beispielsweise an den Bodensee, Chiemsee oder in den Bayerischen Wald reist und dort Aktivitäten in der freien Natur plant, sollte an eine vorsorgliche Impfung denken", rät Bettina Flörchinger, Ärztin und langjährige Mitarbeiterin des Centrums für Reisemedizin (CRM).

"Gleiches gilt für andere europäische Länder wie Österreich, die Schweiz oder Schweden." (feo)