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Das war 2023 in KölnKarnevals-Jubiläum, Kunstraub und Elefantenbaby

6 min
Prinz Boris I. an Rosenmontag

Prinz Boris I. an Rosenmontag.

Im zweiten Teil unserer Chronik schauen wir auf den Karneval und das große Jubiläum. Außerdem hielten viele Vebrechen und spektakuläre Prozesse die Stadt in Atem.

Kölner Karneval: Jubiläumssession zum 200-jährigen Bestehen

Es ist längst dunkel, als Prinz Boris I. am Rosenmontag auf seinem Wagen durch die Severinstorburg gefahren wird, nach rund elf Stunden ist der Rekordzug vorbei, den Zugleiter Holger Kirsch zum Jubiläum des Kölner Karnevals gegen einige Widerstände durchgefochten hat. Mit neun Kilometern ist es der längste Rosenmontagszug der Kölner Karnevalsgeschichte, erstmals führt der Weg aus dem Rechtsrheinischen über die Deutzer Brücke, die Verantwortlichen setzen mehr denn je auf Außenwirkung, denn es werden 200 Jahre Kölner Karneval gefeiert. Und so entstehen einmalige Zugbilder vor dem historischen Altstadt-Panorama.

Der Rosenmontagszug ist zweifellos der Höhepunkt des Jubiläums, das mit einer Matinee in der Flora beginnt und mit der Ausstellung „Schalom & Alaaf“ im NS-Dokumentationszentrum in diesem Herbst endet. „Ich bin sehr froh, dass es so ein tolles Fest geworden ist. Und jetzt bin ich richtig glücklich, denn die kritischen Stimmen der vergangenen Wochen sind nicht an mir vorbeigegangen“, stellt Zugleiter Holger Kirsch am Ende des Zuges erleichtert im Rundschau-Interview fest. Ohne Pannen bleibt der Zug nicht, am Ende fährt sich ein Wagen der Prinzen-Garde bei der Ausfahrt aus dem Tanzbrunnen fest und sorgt für eine sehr späte Ankunft des Prinzen.

Renaissance der Großfiguren im Rosenmontagszug

Auch nach 200 Jahren ist der Karneval noch immer eine sehr maskuline Angelegenheit. Und für die Dominanz der Korps, in denen das Mariechen traditionell die einzge Frau sind, stehen in dieser Session die ebenfalls jubilierenden Roten Funken, die das Kölner Dreigestirn stellen dürfen und ihr 200-jähriges Bestehen das gesamte Jahr über mit mehr als 60 Veranstaltungen zelebrieren. Der Millionenetat dieses Korps ist in diesem Jahr deutlich höher als der des Festkomitees Kölner Karneval.

Zum Jubiläum des organisierten Kölner Karnevals entschließt sich das Festkomitee zur Renaissance der Großfiguren im Rosenmontagszug. Die bunten Riesen messen 4,50 Meter, sind aus Fieberdraht, Epoxidharz und Glasfaser geformt. Und natürlich senden sie das Signal aus: Der Kölner Karneval ist das Größte. „Im organisierten Karneval ist Köln die Champions League. Was Außenwirkung und Organisationsgrad angeht, kann ansonsten noch Venedig mithalten“, sagt Festkomitee-Vorstand Erich Ströbel, zugleich Geschäftsführer der Närrischen Europäischen Gemeinschaft (NEG).

Die Großfiguren waren Teil des Rosenmontagszugs.

Die Großfiguren waren Teil des Rosenmontagszugs.

Nach der Pandemie kehrt der Karneval zurück in die Sitzungssäle, die noch nicht ganz so gut besucht sind wie gewohnt. Etwa 650 Sitzungen gibt es in Köln, die Verantwortlichen rechnen als Konsequenz der Pandmie-Zeit mit einem Wegfall von etwa 50 Veranstaltungen. Mit der Unterstützung kleiner Vereine schlägt das Festkomitee offenbar einen guten Weg ein, Präsident Christoph Kuckelkorn wird ohne Gegenstimme für eine weitere Amtszeit gewählt.

Problematisch bleiben die Zustände rund um die Zülpicher Straße, nach dem Elften im Elften wird der Ruf nach einer Entlastungsbühne auf den Ringen lauter - die Oberbürgermeisterin versprcht Abhilfe bis Weiberfastnacht. Zum Jahresende genehmigt der Stadtrat einen Zuschuss von 320 000 Euro für ein Bühnen-Programm auf dem Ring.


Museum für Ostasiatische Kunst: Spektakulärer Kunstraub

In der Nacht vom 12. auf den 13. September ereignet sich in Köln der spektakulärste Kunstraub seit dem Einbruch in die Domschatzkammer im November 1975. Über ein Fenster dringen Diebe in das Ostasiatische Museum am Aachener Weiher ein und stehlen dort neun chinesische Porzellanobjekte, die aus der Zeit vom 16. bis zum 19. Jahrhundert stammen. Ihr Wert beträgt mehr als eine Million Euro. Zwar ist ein Wachmann vor Ort, trotzdem entkommen die beiden Täter. Der Wachmann habe sie nur noch wegrennen sehen, heißt es.

Das Museum für Ostasiatische Kunst.

Das Museum für Ostasiatische Kunst.

Einer soll 25 bis 30 Jahre alt sein, der andere 40 bis 50. Letzterer trug einen grauen eckigen Rucksack, wie ihn Lieferdienste für Speisen verwenden. Darin war offenbar die Beute verstaut. Schnell erwächst der Verdacht, dass es sich um einen Auftragsdiebstahl handeln könnte. Denn seit einigen Jahren wurden in zahlreichen Museen in Europa immer wieder gezielt chinesische Kulturgüter gestohlen. Für sie gibt es auch auf dem Schwarzmarkt eine enorme Nachfrage, vor allem in Asien. Peinlich für die Stadt: Bald kommt raus, dass es bereits im Januar und Juni Einbruchsversuche gab. Im Juni wird dabei ein Fenster an der Außenfassade zerstört. Dieses lässt die Stadt nur mit einer Holzplatte sichern, weil das Sicherheitsglas erst angefertigt werden musste. Durch diese Schwachstelle gelangen die Einbrecher ins Gebäude. Laut Stadt brechen sie das Fenster samt Rahmen mit brachialer Gewalt aus dem Mauerwerk. Bis heute fehlt von Tätern und Beute jede Spur.


Fall Petra Nohl: Wer tötete die 26-Jährige?

Über einen Ur-Altkriminalfall geht es derzeit vor dem Kölner Landgericht. Verhandelt wird der tragische Fall der vor über 35 Jahren ermordeten Kölnerin Petra Nohl. Die damals 26-Jährige ist am Karnevalssonntag 1988 in der Innenstadt tot aufgefunden. Ein Mann aus Bilderstöckchen sitzt als dringend tatverdächtig auf der Anklagebank. Seit Anfang September steht der Mann wegen Raubmordes vor Gericht. Verschiedenste Zeugen sind beragt worden. Über viele Jahre hatte die Akte „Petra Nohl bei der Polizei Staub angelegt.

Die Ermittler kamen in dem Fall nicht weiter. Dann wurde die Ermittlungsgruppe „Cold Case“ gegründet, die ungeklärte Mordfälle noch einmal genau untersucht. In diesem Zusammenhang wurde der Fall bei der ZDF-Fahndungssendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ gezeigt — dies brachte endlich den Durchbruch. In einem weiteren Ur-Altkriminfall kommendie Ermittler trotz größter Anstrenungen nicht weiter. In diesem Fall geht es umd die ermordetete Seckin Caglar (169 im Jahr 1991. Die Polizei startet einen großen Massen-Gentest. Mehrere hundert Männer geben ihre Proben ab — ohne Erfolg. Laut Staatsanwaltschaft gibt es keine dringenden Tatverdacht gegen eine bestimmte Person. Doch die Polizei gibt nicht auf und sucht weiter.


Kölner Zoo: 13. Elefantenbaby „Sarinya“ kommt zur Welt

Stolze 80 Kilogramm bringt Kölns jüngster Elefant bei seiner Geburt auf die Waage: „Sarinya“ kommt am 13. Juni im Elefantenpark des Kölner Zoos auf die Welt. Die junge Elefantenkuh ist das 13. Jungtier, das hier geboren wurde; auch ihre Großeltern leben im Elefantenpark. Mutter „Bindi“ war 663 Tage lang trächtig, und obwohl es ihre erste Geburt ist, dauert sie nur wenige Stunden. Auf den eigenen Beinen steht das Neugeborene innerhalb von drei Minuten. Seinen Namen „Sarinya“ wählen die Zoofreunde per Online-Abstimmung. Er bedeutet auf Thailändisch „die Vertrauenswürdige“.

Elefanten-Jungtier Sarinya.

Elefanten-Jungtier Sarinya.


Rocker im Park in Mülheim erschossen

Es ist eine furchtbaere Tat: Nach dem Mord an einem ehemaligen Mitglied der „Hells Angels“ (35) in Mülheim an Pfingsten versucht eine Mordkommission weiter den dramatischen Fall vollständig aufzuklären. Die Polizei fahndet weiter nach den Angreifern, sie sollen im Ausland sein. Ein Tatverdächtiger ist bereits festgenommen. Wie die Ermittler mitteilen, war das Opfer Mitglied des Rockerclubs Hells Angels. Der 35-Jährige ist laut Polizei in der Grünanlage von zwei Kugeln in Kopf und Rücken getroffen worden. Seine 28-jährige Begleiterin ist durch einen Schuss in den Hals- und Kieferbereich schwer verletzt. Laut Zeugen sind mehrere Männer an dem Angriff beteiligt. Die Tat geschah im Böcking-Park am Clevischen Ring. Ein Kellner eines nahen Brauhauses hilft der angeschossenen Frau und stoppt ihre Blutungen und rettete ihr vermutlich das Leben.