Abo

Deutzer HafenStreit um zehn neue Hochhäuser mit bis zu 80 Metern Höhe

5 min
Neuer Inhalt (1)

Blick vom Rheinauhafen: In gut zehn Jahren könnten Radfahrer auf der linken Rheinseite diese Ansicht in Deutz haben.

Köln – Das Neubaugebiet rund um den Deutzer Hafen wird in den nächsten Jahren das Stadtpanorama im Rechtsrheinischen verändern: Nach aktuellem Planungsstand entstehen rund um das Hafenbecken insgesamt bis zu zehn Hochhäuser, die 45 Meter oder höher sind. Deutz bekommt also ein neues Gesicht, eines, das in die Höhe geht. Ein Überblick über diese Häuser: zwei mal 45 Meter, zwei Mal 50 Meter, ein Mal bis zu 56 Meter, drei Mal 60 Meter, ein Mal 68 Meter und ein Mal 80 Meter.Mit diesen Hochhäusern und weiteren Gebäuden will die Stadt Köln tausende neue Wohnungen und Arbeitsplätze schaffen, damit ein altes Industrieareal zum modernen Quartier umbauen. In etwa 3000 Wohnungen sollen später rund 6900 Menschen wohnen, in neuen Büros 6000 Menschen arbeiten, zusätzlich bis zu sieben Kitas und eine Schule entstehen.

14 statt nur acht Geschossen

Der Abbruch rund um die traditionsreiche Ellmühle hat gerade begonnen,  doch bis der Umbau   abgeschlossen sein wird, ist es nach 2030 – und bis dahin muss die Stadt noch einige Aufgaben lösen. Dabei geht es unter anderem um Streit über die Häuserhöhe, um fehlende Grundstücke und  um viele Millionen Euro.

Neuer Inhalt

Gegenwart: So sieht es aktuell an dem Standort des neu geplanten Hochhauses aus.

Im sogenannten Ostdreieck  an der Siegburger Straße haben  neue Pläne der Stadt für ein deutlich höheres Hochhaus für  Unverständnis in Teilen des Stadtrates gesorgt. Statt acht Geschossen und 33 Metern soll das Haus nun bis zu 14 Geschosse und 56 Meter hoch sein (siehe Grafik). Die Fraktion der Linken bezeichnet das Vorgehen  als „Unverfrorenheit der Verwaltung, zusätzliche Hochhäuser in Beschlussvorlagen im Kleingedruckten zu verstecken“.

Linke fordern Planungsstopp für Hochhäuser

Die Stadt hält  dagegen, es sei  die beste städtebauliche Lösung.    Das ursprüngliche vorgesehene Umspannwerk  reichte laut Stadt nicht mehr aus, also änderten die Planer seine Position, das zog aber einen Domino-Effekt nach sich, das bisher 33 Meter hohe Hochhaus wurde an die Siegburger Straße versetzt  und misst plötzlich bis zu 56 Meter. Die Stadt urteilt: „Das geplante Hochhaus (...)  fügt sich in die Silhouette der geplanten Hochpunkte im Deutzer Hafen ein.“

Das Kölner Höhenkonzept

2007 hat der Kölner Stadtrat ein Höhenkonzept für die erweiterte Innenstadt beschlossen:  Das Konzept sollte Kirchen schützen. Je nach Lage in dem Gebiet durften neue Häuser die Traufhöhe von 13,50 bis 22,50 Metern nicht überschreiten.

Jetzt lässt die Verwaltung ein neues Konzept erarbeiten, es umfasst ein viel größeres Gebiet und zwar mit dem Äußeren Grüngürtel auf beiden Rheinseiten als Grenze. Noch ist offen, wann es fertig ist.  Unter anderem die Versicherung DEVK und ihre Pläne für ein neues Hochhaus bis zu 145 Meter an der Zoobrücke warten darauf.  Baudezernent Markus Greitemann sagte : „Eine Zukunft ohne Hochhäuser wird es in Köln nicht geben. Über die Höhe des Doms von 157 Metern werden sie auf keinen Fall hinausgehen.“

Laut des früheren  Frankfurter Planungsdezernenten Martin Wentz wird es Zeit, dass Köln aktiv wird. Wentz organisierte  mit, wo in Frankfurt Hochhäuser gebaut werden dürfen. Im Interview hatte er Köln eine fehlende  „städtebauliche Strategie einer Hochhausentwicklung“ attestiert.

„Es ist ein Vorgehen, bei dem der beste und einflussreichste Verhandler etwas bekommt und andere Bauherren mit weniger Einfluss auf Politik und Verwaltung das Nachsehen haben.  (...) Es ist deshalb gut, wenn sich die Stadt jetzt erst sortiert, um zu wissen, was sie selbst will – und nicht mit jedem Investor einzeln aushandelt, was möglich ist.“ (mhe)

Gemeinsam mit dem 60-Meter-Neubau auf der gegenüberliegenden Seite der Strabag namens „Düxx“ soll so laut Stadt eine „Torsituation“ entstehen. Das findet  Sabine Pakulat, Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses (Grüne), zumindest zweifelhaft. Die Begründung mit der Torsituation hat die Stadt unter anderem am Friesenplatz benutzt.

Stadt lässt neues Höhenkonzept entwickeln

Laut Pakulat könne die Stadt den Begriff nicht beliebig einsetzen, um neue Hochhäuser zu rechtfertigen. „Deshalb soll die Verwaltung  zeigen, wie  sich die Höhen  in einem Modell darstellen.“ Der Stadtentwicklungsausschuss des Rates hat der  Verwaltung aufgetragen, die Auswirkungen   für das Ostdreieck anhand eines Höhen-Modells ganz konkret zu zeigen.

Die Stadt Köln lässt ohnehin gerade ein neues  Höhenkonzept für  weite Teile der Stadt entwickeln, schon länger stellt sich die Frage, wie sie mit Hochhaus-Plänen umgeht, bis das Regelwerk vorliegt (siehe Info-Text). Michael Weisenstein,  stadtentwicklungspolitischer Sprecher der Linken, fordert: „Bevor das neue Höhenkonzept nicht diskutiert und beschlossen ist, brauchen wir einen Planungsstopp für Hochhäuser.“  Wann das sein wird, ist aber unklar.

Es geht um sehr viel Geld

Doch die Verwaltung hatte schon bei den Planungen zum Strabag-Bau mitgeteilt: „Auch das sich in Arbeit befindliche Höhenkonzept wird zu den Flächen an der Siegburger Straße voraussichtlich keinen Regelungsinhalt bereitstellen. Die Planung verläuft somit ungeachtet dessen.“

Es geht in dieser Frage aber nicht nur um die Frage, wie hoch gebaut wird. Sondern auch darum, was  es für die  Besitzer der Grundstücke und deren Wert heißt, wenn dort plötzlich viel höher gebaut werden darf. Das dürfte den Wert erhöhen. Noch sind nicht alle Grundstücke  im Besitz der Stadt, es laufen Gerichtsstreitigkeiten, das Oberverwaltungsgericht Münster hat  „Mediationsverfahren“ zwischen Stadt und Besitzer angeordnet.

Das könnte Sie auch interessieren:

Es geht um sehr viel Geld. Beispielsweise wies der Besitzer einer Fläche samt Bürogebäude an der Bahntrasse  nach Rundschau-Informationen  zwei Mal ein Angebot der Stadt zurück. Stattdessen forderte er neun Millionen Euro für das Grundstück,  die Stadt bezeichnete das als „ein Gegenangebot mit einem erheblich höheren Kaufpreis“. Der Besitzer wollte sich auf Anfrage  dazu nicht äußern.