Köln – Der Hilferuf verschiedenster Innenstadt-Akteure ist noch nicht lange her. Offenen Drogenkonsum hatten sie beklagt, stark alkoholisierte Menschen, zunehmende Aggressivität. Fäkalien auf Gehwegen und Plätzen. „Es wird immer schlimmer“, lautete die Botschaft an Politik und Stadtverwaltung. Nun folgt eine weitere schlechte Nachricht. Nach Informationen der Rundschau verschiebt sich die Eröffnung des beschlossenen Drogenkonsumraums im Gesundheitsamt am Neumarkt erneut. Eigentlich sollte das Hilfsangebot diesen Herbst eröffnet werden. Immerhin sollen diesen Monat die Arbeiten beginnen.
Der Planungsauftrag war exakt vor zwei Jahren an die Gebäudewirtschaft der Stadt ergangen, die Baugenehmigung folgte Mitte 2020. Nach Planungsänderungen folgte diesen Sommer erneut eine Genehmigung für den Bau. Doch einen Eröffnungstermin nennt die Stadt weiter nicht. Nur so viel: Mitte November, also in Kürze, soll mit den Bauarbeiten begonnen werden. „Die Vorarbeiten im Bereich des Gebäudes sind bereits abgeschlossen, hier wurden Zugangsflächen statisch stabilisiert und der Boden versiegelt“, so die Antwort der Verwaltung auf eine Anfrage der Rundschau.
Verzögerung durch spezielle Bauanforderungen
Grund für die erneute Verzögerung ist laut Stadt die schwierige Suche nach Handwerksbetrieben. Denn neben der 120 Quadratmeter großen Fläche für den Konsumraum sollen neue Röntgenräume für die Tuberkulose-Ambulanz gebaut werden. Eine besondere Herausforderung. In Sachen Strahlenschutz seien hierfür „besondere Fachkenntnisse“ erforderlich, da spezielle Filter- und Lüftungsanlagen eingebaut werden müssen. Klar ist nun auch, dass die Drogenkonsumenten nicht permanent durch den Haupteingang des Gesundheitsamts am Neumarkt spazieren werden. Auf der Gebäuderückseite an der Lungengasse wird ein eigener Eingang entstehen.
Um die Lage in der Innenstadt zu entspannen, hatte die Stadt bereits im Dezember 2019 ein mobiles Drogenhilfsangebot geschaffen. Am Cäcilienhof steht ein Bus, in dem unter hygienisch einwandfreien Bedingungen Drogen gespritzt werden können. „Wir wussten um den großen Bedarf eines Drogenkonsumraums am Neumarkt. Aber diese überwältigende Inanspruchnahme durch die Drogenkonsumenten hat uns selbst überrascht“, hatte Gesundheitsdezernent Dr. Harald Rau unlängst festgestellt. An die 300 Drogenkonsumenten nutzen laut Stadt regelmäßig das Angebot am Cäcilienhof – viele von ihnen prägen zum Ärger von Anwohnern und Geschäftsleuten das Stadtbild im Zentrum.
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Die Maßnahme zeigt nach Ansicht der Verwaltung bereits Wirkung. Mehr als 4000 Konsumvorgänge seien bislang registriert worden. Im Beratungsbus seien mehr als 18 000 Spritzen getauscht worden. „Dies hat zu deutlich weniger Spritzenfunden in der Umgebung geführt“, so die Stadt. Zudem habe es 20 medizinische Notfälle durch eine Überdosierung der Drogen gegeben – alle Betroffenen konnten gerettet werden. Im Mai war das Beratungsmobil in Flammen aufgegangen. Derzeit läuft nach Angaben der Stadt die Beschaffung eines Ersatzfahrzeugs.
Kürzlich hatte die Bürgerinitiative „Zukunft Neumarkt“ 16 Gestaltungsideen für eine Aufwertung des Platzes gesammelt. Die Stadt hat den Bau eines Brunnens für nächstes Jahr angekündigt. Eine erste Maßnahme, von der sich die Anlieger eine Belebung versprechen. Auch ein Sicherheitskonzept wünscht sich die Initiative.



