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Offene Werkstatt in KölnDas „Ehrenwerk“ haucht kaputten Möbeln und kreativen Ideen neues Leben ein

3 min
Tischler Christian Dufner ist Teil des Fachteams im „Ehrenwerk“.

Tischler Christian Dufner ist Teil des Fachteams im „Ehrenwerk“. 

In der Einrichtung werden Gäste und ihre Projekte von Fachleuten betreut. Doch das Geld der Ehrenfelder Einrichtung ist knapp.

„Routine ist hier praktisch ein Fremdwort“, sagt Christian Dufner. Der Kölner Tischler steht an einer Werkbank, hinter ihm hängen Schrauben, Zangen und Sägen. Im „Ehrenwerk“, einer gemeinnützigen und offenen Werkstatt mit Repair-Café in Ehrenfeld, bekommen vernachlässigte oder defekte Möbel und Einrichtungsgegenstände ein zweites Leben. Und auch wenn etwas Neues geschaffen werden soll, bietet das Team seine Unterstützung an. All das ist für die Gäste zudem kostenlos.

Auf jedes Teil und jede Person gehen die qualifizierten Mitarbeitenden individuell ein. Im Einsatz sind dafür ein Tischler und eine Tischlerin, eine Sozialpädagogin sowie ein Designer. Die Werkstatt ist zudem voll von hochwertigen Materialien, Geräten und Werkzeugen, die genutzt werden können. Bereits 650 Objekte von rund 500 Gästen wurden hier aufgewertet, seitdem die Werkstatt vor drei Jahren eröffnete, wie das „Ehrenwerk“ angibt. 

Tischler Christian Dufner (l.), Sozialpädagogin Kim Sesterhenn und Designer Felix Dietz betreuen die Gäste der Werkstatt.

Tischler Christian Dufner (l.), Sozialpädagogin Kim Sesterhenn und Designer Felix Dietz betreuen die Gäste der Werkstatt.

Gäste benötigen in der Werkstatt keine handwerklichen Vorkenntnisse. „Wir versuchen, jeden mit seinen Möglichkeiten da abzuholen, womit er herkommt“, sagt Dufner. Laut Aussagen des Teams kommen in die offene Werkstatt viele verschiedene Menschen. Von Kindern über Erwachsene bis zu Senioren sei alles vertreten.

Übergeordnetes Ziel des „Ehrenwerks“ ist es, ein Bewusstsein für das Thema Nachhaltigkeit zu schaffen, also „dass man mehr zum Selbermachen und Reparieren motiviert wird, als rein zum Konsumieren und Wegwerfen“, wie Christian Dufner erklärt. 

Spendenaufruf soll bei Finanzierung helfen

Doch das Projekt unter der Trägerschaft des Sozialunternehmens eva-gGmbH steht vor einer Herausforderung: Es fehlt an Geld. Das „Ehrenwerk“ finanziert sich durch Spenden sowie eine Förderung, die größtenteils von der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen und der Postcode-Lotterie kommt. Dennoch bestehe laut „Ehrenwerk“ 2026 eine Lücke über 50.000 Euro.

Das Team hat deshalb Ende vergangenen Jahres einen Spendenaufruf über die Plattform „Betterplace“ gestartet und möchte so rund 27.000 Euro sammeln, um den Betrieb bis Mitte 2027 – also dem vorläufigen Ende der Projektlaufzeit – zu sichern. Der Rest soll über andere Fördergelder gedeckt werden. Bereits über 17.000 Euro kamen durch den öffentlichen Spendenaufruf zusammen. Somit ist der Betrieb in diesem Jahr schonmal in trockenen Tüchern.

Köln, RSK, Repair-Café im Ehrenwerk,

Zahlreiche Geräte und Werkzeuge stehen im „Ehrenwerk“ für die Gäste zur Verfügung.

Und auch in den Ausbau der Werkstatt, werden die Spenden fließen. Denn diese soll inklusiver werden, also Menschen mit Behinderung noch mehr bieten. Nicht nur höhenverstellbare Arbeitsplätze und spezielles Werkzeug plant das Team anzuschaffen. Auch eine „Metallwerkstatt zur Arbeit an Rollstühlen und Hilfsmitteln für Menschen mit Behinderung“ soll es bald im „Ehrenwerk“ geben, wie es im Spendenaufruf heißt. 

Inklusion hat sich Ehrenwerk schon zuvor auf die Fahne geschrieben. Die Räume sind ebenerdig, es gibt barrierefreie Toiletten und Assistenzhunde sind ebenfalls willkommen. Neben der vollen Werkstatt steht zudem ein visuell reizarmer Bereich zur Verfügung, sowie Gehörschutze und Ohrenstöpsel. Auch Workshops, in denen unter anderem Rollstühle repariert werden können, gibt es bereits.

Handwerkliche Projekte zugunsten der Inklusion sind für Dufner ein Highlight seiner Arbeit. „Heute haben wir an einer Rollstuhlrampe gebaut. Wir hatten fast alle Materialien durch Spenden zur Verfügung und durch das Karnevalsjetlag so wenige Gäste, dass ich mich drei Stunden lang mit einem Kollegen dem Projekt widmen konnte.“

Auch die Arbeit mit Kindern, ist für Dufner besonders schön. „Einmal kochte ich eine bunte Flaschendeckelsuppe auf einem geupcycelten Kinderherd mit einem Dreijährigen, während die Mutter ihren in die Jahre gekommenen Stuhl aufpolierte. Die Betreuung von Kindern können wir leider nicht immer leisten, aber wenn sich doch mal die Kapazitäten ergeben, ist das ein sehr erfüllender Moment.“


Ehrenwerk, Herbrandstraße 10, 50825 Köln. Die Werkstatt ist montags von 16-21 Uhr, dienstags von 9-14 Uhr, mittwochs von 13-17 Uhr und jeden ersten Samstag im Monat von 10-15 Uhr geöffnet. Auf Nachfrage bietet das Team auch Workshops an. Alle Infos gibt es online.