Ans Meer zum Schreiben ...
Einzigartiges ProjektWie 30 Kölner Schülerinnen und Schüler versuchen, gemeinsam einen Roman zu schreiben

Kreativ-Camp am Mittelmeer
Copyright: Loredana Boros
Knapp 30 Schülerinnen und Schüler zwischen 14 und 18 Jahren reisen für ein verlängertes Wochenende ans Mittelmeer. Nicht um Party zu machen, sondern um zu schreiben. Nicht weniger als einen eigenen, gemeinsam verfassten Roman. Das Ziel des Kreativ-Camps, zu dem Jugendliche aus der Kalker Adolph-Kolping-Hauptschule und des Sülzer Schiller-Gymnasiums im Januar aufbrachen, war ambitioniert. Und: Sie haben es erreicht. „Fünf, fast sogar sechs neue Kapitel des Romans sind fertig geworden. Die Reise war ein voller Erfolg“, schwärmt Henning Krautmacher.
Der ehemalige Frontmann der Höhner hatte zusammen mit Oliver Gritz, mit dem er gemeinsam im Vorstand der Bildungsinitiative „Run & Ride for Reading“ ist, zu dem Kreativ-Camp eingeladen. An der spanischen Costa del Azahar nahe Valencia erfanden die Mädchen und Jungen gemeinsam in Kleingruppen Szene um Szene, schufen Dialoge, diskutierten und tauschten sich aus.
Startschuss durch die „Lit.Kid.Cologne.“ 2025
Die Idee für das gemeinsame Buchprojekt entstand bei der „Lit.Kid.Cologne “im vergangenen Jahr, als Krautmacher und Gritz junge Menschen aufriefen, einen Romananfang, den sie gemeinsam geschrieben hatten, fortzusetzen. „Anstatt den begonnenen Roman fortzuführen, trafen die Jugendlichen eine selbstbewusste Entscheidung: ihre eigene Geschichte erzählen“, sagt Krautmacher. Seitdem arbeiten 17 Mädchen und 13 Jungen schulübergreifend in verschiedenen Gruppen an einer eigenständigen Romanhandlung. „Entstanden ist eine vielschichtige Story über Zusammenhalt, Freundschaft, Selbstzweifel und den Umgang mit vermeintlichem Scheitern – erzählt aus der Perspektive junger Menschen, in ihrer eigenen Sprache und Lebenswirklichkeit“, sagt Krautmacher.
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Mit Eifer und Liebe für die selbst entwickelte Story spornen sich die Jugendlichen gegenseitig an. Beim Schreiben finden sich immer wieder neue Gruppen zusammen, die die Handlung ausschmücken, Einblicke in das Innenleben der Romanfiguren ausloten, und lebensnahe und intensive Dialoge schaffen. Im Plenum wird dann vorgelesen, diskutiert, verworfen und gelobt. Team- und Kommunikationsfähigkeit werden so gestärkt.
Kreativ-Camp kitzelte viel heraus
„Den ganzen Tag über das Buch zu reden, war sehr wichtig. Die ganze Reise war sehr wichtig“, erklärt der 16-jährige Gymnasiast Erik Steffens. „Alle in der Gruppe haben sich untereinander angefreundet“, sagt er. Melek Kocak von der Hauptschule sieht das genauso. „Es war sehr schön, wir sind wirklich weitergekommen“, freut sich die 16-Jährige. Über ihre eigene Motivation zu schreiben, sagt sie: „Ich kann mich gut in Menschen hineinversetzen. Deshalb mag ich es, Situationen und Gefühle zu beschreiben.“
Unterschiede zwischen den Schülerinnen und Schülern der verschiedenen Schulformen, kann Melek nicht ausmachen: „Es ist gar kein großer Unterschied, von welcher Schule jemand kommt. Ich denke, grundsätzlich sind wir alle verschieden.“ Als Hauptschülerin fühlt sie sich gleichwertig. „Es gibt immer Vorurteile. Aber ich finde, man kann so viel Potential haben“, sagt sie voller Selbstbewusstsein.
Leseclubs als Ausgangspunkt
Eine Aussage, hinter der Deutschlehrerin Kornelia Diallo, die seit rund sieben Jahren sowohl an der Hauptschule als auch am Gymnasium die Leseclubs betreut, voll und ganz steht. „Kinder sind Kinder. Die Bedürfnisse sind gleich. Die finden so viele Parallelen, das hat sie ungeheurer gestärkt - und Bücher verbinden“, sagt sie. Ihre Überzeugung: „Lesen ist ein Schlüssel für viele Kompetenzen.“ In den Leseclubs, die von Rund & Ride for Reading unterstützt werden, tauschen sich Lesefreundinnen und -freunde aus, leihen sich neuen Lesestoff und fahren gemeinsam zu den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt am Main.
Über die Ergebnisse des Kreativ-Camps schwärmt Diallo, die eine von drei begleitenden Lehrkräften war, in höchsten Tönen. „Man ist erstaunt, was passiert, wenn Schüler eine Plattform erhalten und merken, wie viele Ventile sich öffnen.“ Durch den Mut, zu sagen und zu schreiben, was sie denken, seien die Jugendlichen ein Stück weit gewachsen.
„Ich bin schon länger im Leseclub und war sofort dabei, als die Romanidee aufkam“, sagt Erik. Auch in der Jury des Jugendliteraturpreises des Deutschen Buchhandels war er aktiv. Wenn Erik über den gemeinsamen Roman urteilt, hat das also durchaus Hand und Fuß. „Das wird ein tolles Buch, eine schöne Geschichte, auf die man sich als Leserin und Leser freuen kann“, verspricht er.
Erste Ausschnitte sollen im Umfeld der „Lit. Kid. Cologne.“ am Samstag, 14. März, einem breiten Publikum vorgestellt werden. Die Lesung durch die Schülerinnen und Schüler findet um 17 Uhr in der Blackbox im Cinedom statt, Karten kosten 10 Euro.
Rund & Ride for Reading
Unterstützt wird das Buchprojekt unter anderem von der Initiative „Hier mit Herz“ der Sparkasse KölnBonn. Ziel ist es, die Arbeit des Vereins „Run & Ride for Reading“ zur Förderung von Lesekompetenz, Sprachfähigkeit und Selbstwirksamkeit bei Kindern und Jugendlichen nachhaltig zu stärken.
„Run & Ride for Reading“ richtet seit 2009 Leseclubs an Schulen im Großraum Köln-Bonn ein. Spenden werden unter anderem über den Kölner Leselauf gesammelt.
