Der Solar-PresshaiElf „innovative“ Mülltonnen für Köln – für 10.000 Euro pro Stück

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Der Solar-Presshai wurde bereits über mehrere Wochen am Wallrafplatz getestet.

Der Solar-Presshai wurde bereits über mehrere Wochen am Wallrafplatz getestet.

Köln – Es ist schon ein imposantes Tier, so ein Hai. Messerscharfes Revolver-Gebiss und Rillenhaut mit Turboeffekt. Vielleicht war es dieses Bild vom hocheffizienten Jäger, das die Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) vor Augen hatten, als sie sich nach einem Praxistest mit sechs High-Tech-Mülltonnen für den Solar-Presshai entschieden.

Und vielleicht hat diese Assoziation auch verzückt über das Preisschild hinwegschauen lassen. Rund 10.000 Euro kostet nämlich der Solar-Presshai. Mit Abstand der teuerste unter den Testteilnehmern. Der Rest des abgeschlagenen Feldes liegt im Schnitt bei rund 5000 Euro. Macht nichts: Elf Haie will die AWB nun bestellen – fürs Erste.

Kugelrunder Mülleimer „Bubble“ fällt negativ auf

An sechs verschiedenen Standorten in der Stadt wurden die verschiedenen High-Tech-Tonnen getestet. Die meisten von ihnen sind in der Lage, den Müll zu pressen und den Füllstand anzuzeigen. So beispielsweise der „Hai“: Solarangetrieben kann er den Müll bis auf das siebenfache verdichten. An seiner Hülle hat er eine LED-Füllstandanzeige.

Allein der kugelrunde „Bubble“ fiel negativ auf. Neigt er doch zum Umfallen, kann nicht pressen und der Müll muss aus der Kugel auch noch abgesaugt werden.

„Einen eindeutigen Testsieger gibt es nicht“

Doch der Rest der Teilnehmer hatte mehr oder weniger die technische Ausstattung des Hais. So ging der Versuch dann auch aus wie das Hornberger Schießen: „Einen eindeutigen Testsieger gibt es nicht“, heißt es im Abschlussbericht der AWB.

Was dazu führte, dass das Stadtraummanagement Zünglein an der Waage war. Der Hai passe am besten ins Stadtbild, so das Urteil von dieser Seite. Dazu noch die grundlegende Einschätzung der AWB: „In Ergänzung zu den Standardpapierkörben ist es sinnvoll, an stark frequentierten Standplätzen mit einem hohen Abfallaufkommen neue innovative Behälter aufzustellen, um die Sauberkeit weiter zu verbessern.“

Elf „innovative Behälter“ zu jeweils 10.000 Euro

Damit war der Hai im Sack. Elf der „innovativen Behälter“ zu jeweils rund 10.000 Euro werden nun bei dem Hersteller, der Anta Swiss AG in der Schweiz, bestellt. Unter anderem am Neumarkt, Hohenzollernring, Rudolfplatz, Chlodwigplatz oder auch Breslauer Platz kommen sie zu stehen. Und damit weitere Einkäufe ohne Umschweife möglich sind, wird der Solar-Presshai ins Gestaltungshandbuch der Stadt Köln aufgenommen.

Und wer zahlt das? Erst einmal die AWB. Aber sie geht genau genommen nur in Vorkasse. Da die Haushaltsgebühren für 2017/18 schon kalkuliert sind, ist ein Umlegen der Mehrkosten auf die Gebühren erst ab 2019 möglich – und wird dann auch geschehen.

„Die Kosten mögen noch zu Diskussionen führen.“

Beantragt wurde vor rund einem Jahr der Test mit den High-Tech-Tonnen von der FDP. Die begrüßt nun auch das Ergebnis. „Der Müllhai wird jetzt eingeführt“, freut sich der umweltpolitische Sprecher der Liberalen, Rolf Albach. Obwohl er wohl schon ahnt, dass die Freude nicht ungeteilt sein wird: „Die Kosten mögen noch zu Diskussionen führen.“

Bei ihrem Antrag ging die FDP übrigens davon aus, dass durch das Pressen des Mülls weniger Entleerungen anfallen und so Betriebskosten eingespart werden. Weit gefehlt: Um den Hai zu leeren, veranschlagt die AWB separate Fahrten zusätzlich zu den üblichen Touren. Die Kosten dafür kommen dann noch auf die 10 000 Euro drauf.

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