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Für ein gutes Leben mit Demenz Start-up für Betroffene und Angehörige gegründet

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Klar und fröhlich, so präsentieren sich Lena Schmidt (l.) und Corinna Northe. 

Köln – „Jupp“, das hört sich vertraut, kölsch und persönlich an. Im Fall des Kölner Start-ups dieses Namens trifft alles zu: Hinter der Jupp GmbH stehen zwei junge Frauen, die das Unternehmen aus persönlicher Betroffenheit gegründet haben. Ihr Ziel: Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen das Leben zu erleichtern und zu verschönern. Dazu sollen ansprechende und hilfreiche Produkte für den Alltag und interaktive Informationen online angeboten werden.

Großeltern führten zur Unternehmensidee

„Die Liebe zu meiner Großmutti hat dazu geführt, dass ich mich mit Demenz beschäftigt habe“, sagt die Berliner Kommunikationsdesignerin Corinna Northe (37). Als ihre Oma an Demenz erkrankte, versuchte sie alles, um sie zu unterstützen. Sie malte Bilder und las sich tief ins Thema ein. Schließlich schrieb sie ihre Masterarbeit über Demenz und Kunst. Eine Arbeit, auf die die Kölner Betriebswirtin und Kommunikationsexpertin Lena Schmidt (30) im März 2020 online stieß.

Schmidts Großvater war ebenfalls an Demenz erkrankt, für die Familie eine Herausforderung, mit der sich die Enkelin auseinander gesetzt hatte. Nach den ersten Mails war klar, dass beide Frauen dasselbe Ziel hatten. „Wir haben gemerkt, wie gut wir zusammen passen und uns ergänzen“, sagt Lena Schmidt. Ohne langes Zögern war das Unternehmen gegründet. Es will Lösungen auf allen Ebenen anbieten - zum einen gut aufbereitete Informationen und eine Vernetzung, zum anderen konkrete Alltagshelfer und Produkte. Vieles ist noch Zukunftsmusik, aber die ersten Schritte sind getan. Es gibt eine ansprechende Firmenwebsite, Auftritte in den Sozialen Medien - und das erste realisierte Projekt.

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Es ist das Buch „Heute ist ein schöner Tag“, das ab 15. Dezember auf der Homepage vorbestellt werden kann. Anfang 2022 wird es ausgeliefert. Mit mehr als 100 Erkrankten, Pflegenden und Wissenschaftlern entwickelten die Gründerinnen das Buch.

„Wir haben berücksichtigt, was für Demenzkranke wichtig ist, dass sich die Farbwahrnehmung verändert und Zeilentrennungen Schwierigkeiten machen“, sagt Northe. Sieben Wochen lang können Menschen mit Demenz – auch mit Unterstützung – aufschreiben oder mit Stickern markieren, was sie gefreut hat. Zudem gibt es Sinnsprüche und Rätsel. „Das Buch ist eine Mischung aus Biografiearbeit, Achtsamkeits- und Gedächtnistraining“, erklärt Northe, die es auch illustriert hat.

Blick bei Demenz auf Positives lenken

„Angehörige von Menschen mit Demenz sehen oft nur noch das Negative. Uns geht es darum, den Blick darauf zu lenken, was es noch Schönes gibt“, unterstreicht Lena Schmidt. Auch Themen für Unterhaltungen könne das Buch liefern. In der Tagespflege, in der sie einmal die Woche ehrenamtlich arbeitet, hat sie das Buch ausprobiert.

Der Ansatz von Jupp hat auch Fachleute überzeugt. Anfang Dezember wurden die Gründerinnen von der Bundesregierung als „Kultur-und Kreativpilotinnen Deutschland“ ausgezeichnet. Ein Jahr lang werden sie von Mentoren begleitet und können sich in der innovativen Unternehmensszene vernetzen.