Mehr als 1.000 Einsatzkräfte durchsuchen Nagelstudios in mehreren Bundesländern. Im Fokus: ein 56-Jähriger aus Düsseldorf. Er soll der Drahtzieher jahrelanger Schwarzarbeit gewesen sein.
Haftbefehle vollstrecktGroßrazzia gegen Schwarzarbeit in Nagelstudios – auch in Köln

Razzia im Nagelstudio im Kölner Hauptbahnhof
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Die Ermittler kamen zur besten Mittagszeit: Um 12 Uhr stoppten Zollbeamte, Bundespolizei und Staatsanwälte den Betrieb im Nagelstudio im Kölner Hauptbahnhof. Die Razzia in dem Geschäft in bester Lage sorgte sofort für viel Aufsehen und die Fahnder zogen schnell einen Sichtschutz an den Wänden hoch. Auch am Nachmittag waren die Beamten noch in dem Geschäft, sichteten Unterlagen und nahmen Spuren. Vor der Tür standen Polizisten und sicherten den mutmaßlichen Tatort ab.
Die Durchsuchung im Hauptbahnhof war nur eine von vielen am Mittwoch. Im Kampf gegen das Schleusen von Arbeitskräften nach Deutschland und die Schwarzarbeit in Nagelstudios haben über 1000 Einsatzkräfte in mehreren Bundesländern Haftbefehle vollstreckt und Räume durchsucht. Bundespolizei, Zoll, Steuerfahndung und Staatsanwaltschaft waren in 49 Wohn- und Geschäftsräumen in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Niedersachsen unterwegs.
Drei Haftbefehle vollstreckt
Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht demnach ein 56 Jahre alter Beschuldigter aus Düsseldorf. Gegen ihn besteht der Verdacht auf gewerbs- und bandenmäßiges Einschleusen von Ausländern, des Vorenthaltens von Arbeitsentgelt und der Steuerhinterziehung. Die Zentral- und Ansprechstelle für die Verfolgung Organisierter Straftaten in Nordrhein-Westfalen (ZeOS NRW) wirft ihm vor, seit 16 Jahren zeitgleich Nagelstudios neben anderen Orten in Düsseldorf, Köln, Dortmund, Stuttgart und im Landkreis Darmstadt-Dieburg betrieben zu haben. Dabei soll er vietnamesische Staatsangehörige ohne Aufenthaltserlaubnis beschäftigt haben.
Insgesamt vollstreckten die Ermittler drei Haftbefehle in Düsseldorf und Dortmund. Neben dem Mann aus Düsseldorf wurden zwei Leiterinnen von Nagelstudios (36 und 44 Jahre) festgenommen. Insgesamt soll ein Schaden bei den Steuereinnahmen und für die Sozialkassen von mehr als sieben Millionen Euro entstanden sein. Gegen weitere 24 Beschuldigte laufen noch Ermittlungen.
Aus mehreren anderen Verfahren wissen die Ermittler, dass überwiegend Vietnamesen von Schleppern gezielt zur Arbeit nach Deutschland gefahren werden. Über die Schlepper und Hintermänner erzählen die Festgenommenen oft nur wenig. „Sie haben Angst vor den Schleusern und den Konsequenzen, wenn sie Angaben machen“, teilte der Sprecher des Hauptzollamtes bei vorigen Razzien mit und spricht von einer „modernen Sklaverei“. Die Geschleusten würden in Deutschland unter ärmsten Verhältnissen leben und regelrecht ausgebeutet.
