An einem Dutzend Kölner Grundschulen gibt es keine Leitung. Wie kann es zu dieser Misere kommen? Eine langjährige Direktorin berichtet anonym über das, was die Arbeit anstrengend macht.
Alltag einer Schulleiterin in KölnVon Eltern genervt, belauert und bedrängt

Eine Lehrerin schreibt eine Aufgabe an eine Tafel.
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Nur kommissarisch besetzt. Diese Aussage zur Leitung trifft in Köln gleich auf ein Dutzend Grundschulen zu. Nach Auskunft der Bezirksregierung Köln ist bei den 141 Grundschulen im Stadtgebiet nur bei 129 der Schulleitungsposten besetzt. Damit nehmen die Grundschulen in dieser Hinsicht den traurigen Spitzenplatz aller Schulformen ein. Das ist in Köln genauso wie NRW-weit. An 270 Grundschulen in NRW fehlen nach Zahlen des Schulministeriums aus dem Dezember Schulleitungen.
Im Gespräch mit der Rundschau erklärt eine langjährige Grundschuldirektorin, was den Job anstrengend macht. „Man hat eine Menge Baustellen, ist für alles Mögliche, das nichts mit Pädagogik zu tun hat, zuständig. Alle sind zu mir gekommen: der Architekt für die Umbaumaßnahmen, die Leitung des Offenen Ganztags, der Hausmeister, die Putzleute, die Lehrkräfte, die Eltern, die Kinder“, erzählt die seit kurzem pensionierte Schulleiterin.
Sie will anonym bleiben, so kann sie offener erzählen. Über die „zehn Prozent der Eltern an der eher kleinen Schule“, die „ständig nervten“. Die ihr auflauerten, um sie für ein „Befriedigend“ in einer Sachkundearbeit des Kindes zur Rede zu stellen. „Oder, die erst einmal darauf gedrängt haben, dass das Kind früher eingeschult wird. Denn so konnten sie Kindergartenbeiträge sparen. Im vierten Schuljahr wollten sie dann darauf bestehen, dass das Kind zurückgestuft wird.“
Anspruchsdenken bei einigen Eltern
Das Anspruchsdenken bei den Eltern sei mit den Jahren immer mehr gewachsen. Aber nicht nur bei ihnen. „Auch Stadt und Bezirksregierung fordern unglaublich viel Verwaltungsarbeit. Beispielsweise Statistiken.“ Stundenlang plagte sie sich mit Excel-Tabellen, in denen unter anderem die Religionszugehörigkeit der Kinder angegeben werden musste. „Irgendwann war ich so entnervt, weil die Tabelle immer wieder rot wurde, dass ich einfach Kinder umgetauft hab. Da wurde dann aus einem katholischen ein evangelisches Kind. Hauptsache das Ding wird nicht mehr rot“, gesteht die Pädagogin und stöhnt über den „unglaublichen Verwaltungsaufwand“ der mit dem Posten einhergeht. Die Schulleiterkonferenz NRW bestätigt diese Einschätzung. Ihr Sprecher Harald Willert beklagte erst kürzlich in der Rundschau die „ständige Zunahme der Arbeit und der Verantwortung“.
Die pädagogische Arbeit bleibt auf der Strecke
„Klar kann ich gut organisieren, ich schreibe schnell Vertretungspläne oder mache Stundenpläne“, sagt die ehemalige Schulleiterin. Aber am wichtigsten sei ihr doch die eigentliche Arbeit einer Schulleiterin: das pädagogische Profil der Schule schärfen, Schulentwicklung betreiben, Ideen einbringen, das Kollegium führen.
Ohne eine Konrektorin oder einen Konrektor, also einen Stellvertreter, an der Seite, sei es aber extrem schwierig, für diese „schönen und wichtigen Aufgaben“ die Zeit aufzubringen. „Zudem fehlt der Austausch. Man ist verdammt alleine mit den Entscheidungen.“ Das Problem: Konrektorstellen seien häufig unbesetzt. Der Grund: Sie werden trotz erheblichen Mehraufwands nicht sehr viel höher vergütet. Wer Konrektoren nur „einen Zuschlag von 80 Euro zugesteht, muss sich nicht wundern, wenn sich wenige für diese Stellen interessieren“, kritisiert auch Willert von der Schulleiterkonferenz NRW.
Die Folge der Zeitnot: eine hohe Arbeitsbelastung. „In der Anmeldephase, wenn man die Einschulungsgespräche führt und einen Tag der offenen Tür macht, kam ich sicher auf 80 Wochenstunden. Ich habe dann mal die unterrichtsfreie Zeit und meinen tatsächlichen Arbeitsaufwand auf das Jahr ausgerechnet, weil ich immer so belastet war. Da kam ich auf 44 Wochenstunden. Das ist nun gar nicht so viel. Es fühlte sich nur so unendlich mehr an“, erzählt sie.
Über die Bezahlung beschwert sich die Ex-Schulleiterin nicht. Ihre Stelle war mit A13 dotiert. Je nach Berufserfahrung kann man damit bis zu etwa 6000 Euro brutto monatlich verdienen. Das Einstiegsgehalt liegt um die 4000 Euro monatlich. Kritisch jedoch beurteilt die Pädagogin das System: „Für gute Arbeit oder zusätzliche Leistungen gibt es ja grundsätzlich nicht mehr Gehalt. Ob du dich krummlegst oder nicht, das Gehalt bleibt gleich.“ Und Corona hat ihr auf den letzten Metern der Berufslaufbahn noch mal den Rest gegeben: „Das war furchtbar. Vor allem die vielen ellenlangen Mails von Stadt, Schulamt, Ministerium oder Bezirksregierung.“
