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Hitzige DebatteBei den Grünen in Köln überwiegt die Olympia-Skepsis

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Eine Video-Installation am Römisch-Germanischen Museum in Köln wirbt für die Olympia-Bewerbung der Region „Köln Rhein Ruhr“ (Symbolbild).

Eine Video-Installation am Römisch-Germanischen Museum in Köln wirbt für die Olympia-Bewerbung der Region „Köln Rhein Ruhr“ (Symbolbild).

Eine Bewerbung der Region „Köln Rhein Ruhr“ für Olympische Spiele stößt bei den Kölner Grünen auf viel Skepsis. Bei einer Mitgliederversammlung am Montag wurde hitzig diskutiert.

„Sind Sie dafür, dass sich die Stadt Köln an der gemeinsamen Bewerbung der Region Rhein/Ruhr um die Olympischen und Paralympischen Spiele im Jahr 2036, im Jahr 2040 oder im Jahr 2044 beteiligt?“ Über diese Frage stimmen die Bürger in Köln und 16 anderen NRW-Kommunen am 19. April in einem Bürgerentscheid ab (wir berichteten).

Am Montagabend diskutierte der Kreisverband der Kölner Grünen bei einer Mitgliederversammlung im Friedrich-Wilhelm-Gymnasium über die Vor- und Nachteile einer Bewerbung. Bei der teils hitzigen Debatte meldeten sich zahlreiche Kritiker der Spiele zu Wort, deren Redebeiträge lautstarken Beifall erhielten. Doch am Ende konnten sich die Olympia-Gegner in der Partei nicht durchsetzen. Ein Antrag des früheren Ratsherren Manfred Waddey, Olympische Spiele in Köln abzulehnen und den Kölnern zu empfehlen, mit Nein zu stimmen, erhielt keine Mehrheit. Stattdessen wurde der Antrag des Vorstands angenommen. Dafür sprachen sich deutlich mehr als die Hälfte der rund 180 anwesenden Mitglieder aus.

Kölner Grüne sagen vorerst weder Ja noch Nein zu Olympia

Damit wird es von den Grünen vorerst weder ein Ja, noch ein Nein zu Olympia geben. Mit dem Antrag begrüßten sie lediglich, dass vor der Bewerbung ein Ratsbürgerentscheid stattfindet, und sprachen sich „für eine kritische, sachliche und konstruktive Begleitung der Debatte“ aus. Ziel sei, „dass die Bevölkerung so auf einer fundierten Basis eine Entscheidung treffen kann“.

Wichtig bei den Spielen sind laut Beschluss insbesondere die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz sowie demokratische Beteiligung und Transparenz. Durch die Bewerbung dürfe die Stadt Köln keine finanziellen Risiken eingehen, es müsse „klare Zusagen des Bundes und des Landes zur Kostenübernahme und Risikoverteilung“ geben. Auf Neubauten von Sportstätten für den Olympiabetrieb soll abseits des temporären Leichtathletikstadions gänzlich verzichtet werden. Der Stadtteil Kreuzfeld dürfe als Standort nur in Betracht kommen, wenn die Umsetzung zu keiner Verzögerung beim dort geplanten neuen Wohnquartier führt.

Grünen-Vorstand skizziert Vor- und Nachteile einer Olympia-Bewerbung

Die Parteivorsitzenden der Kölner Grünen, Kirsten Jahn und Cyrill Ibn Salem, hatten zu Beginn der Debatte die Chancen und Risiken einer Kölner Olympia-Bewerbung skizziert. Positiv hob Jahn etwa hervor, „dass Olympische und Paralympische Spiele natürlich auch immer Förderzusagen von Land und Bund mit sich führen und dass bestimmte Prozesse dann einfach schneller umgesetzt werden.“ Der politische Wille, den öffentlichen Nahverkehr auszubauen und zu modernisieren, könne dann größer sein. Gleichzeitig bestehe das Risiko, dass nur die Verkehrsachsen mit Bezug zu den Spielen bevorzugt und dafür andere benachteiligt würden, so Jahn.

Außerdem könne Zeitdruck dazu führen, dass nicht die beste, „sondern die am einfachsten zu realisierende Lösung“ umgesetzt werde. Positiv an einer Bewerbung „Köln Rhein Ruhr“ sei, dass für Olympia kaum neue Sportstätten gebaut werden müssten - bis auf das in Köln geplante neue Leichtathletikstadion. Auch die Wirtschaft könne profitieren, doch seit 1960 habe keine Ausrichterstadt das geplante Budget eingehalten. Cyrill Ibn Salem übte Kritik am Internationalen Olympischen Komitee, gegen das es immer wieder Vorwürfe der Korruption gebe. Das IOC agiere „relativ intransparent bei der Vergabe der Spiele. Das wird dieses Mal auch so sein.“

In der Debatte stellte sich Grünen-Fraktionschefin Christiane Martin demonstrativ hinter den Antrag des Vorstands, sie sagte: Man müsse „ganz klar sein, für was wir Grüne stehen könnten: nämlich für Transparenz und eine breite Information. Wir müssen nicht die sein, die blindlings jubelnd sagen: Olympia, geile Sache, wollen wir hier in Köln haben. Sondern wir sollten die sein, die neben diesen unumstrittenen Chancen (...) auch die Risiken ganz klar benennen.“

Grüne in Bund und Land sind für deutsche Olympia-Bewerbung

Martin betonte: „Ich persönlich glaube, dass wir gut beraten sind, wenn wir Olympia nicht komplett ablehnen“. Wenn sich die Partei jetzt in eine Blockadehaltung verbarrikadiere, werde es später schwierig, „wenn die Bürgerinnen und Bürger sich entscheiden, Ja zu sagen zu Olympia“. Im späteren Bewerbungsprozess sei es wichtig, dass die Grünen „konstruktiv und regulierend“ dabei seien. Außerdem sollten die Kölner Grünen „nicht unbedingt das gallische Dorf innerhalb der grünen Landschaft sein“, sagte Martin mit Blick auf den Umstand, dass sich sowohl die Bundestagsfraktion als auch die NRW-Landtagsfraktion der Grünen für die Olympia-Bewerbung ausgesprochen haben.

Der frühere Ratsherr Dieter Göbel aus dem Ortsverband Nippes gab Martin kräftig Kontra. Köln habe ein Haushaltsdefizit von 540 Millionen Euro und wolle jetzt für hunderte Millionen Euro ein neues Stadion bauen? „Ja sind wir denn bekloppt? Das kann doch nicht unser Ernst sein“, rief er unter Beifall der Mitglieder.

Ida Holschbach, Sprecherin der Grünen Jugend Köln, hielt eine flammende Rede gegen eine Olympia-Bewerbung und zerriss den Antrag des Vorstands in der Luft. Der sage nichts aus: „Viele Worte, keine Position“. Die grüne Partei stehe „für Nachhaltigkeit, Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit, besonnene und faktenbasierte Politik. Und für all das steht diese Olympia-Bewerbung überhaupt nicht.“ Sie sei ein leeres Versprechen, so Holschbach. „Wenn wir den Breitensport fördern wollen, dann müssen wir Sporthallen und Sportplätze sanieren und Vereine stärken, nicht Goldmedaillen an gedopte Sportlerinnen verleihen.“

Arndt Klocke: Glaube nicht an Olympische Spiele in NRW

Dagegen berichtete der frühere Bürgermeister und passionierte Leichtathlet Andreas Wolter, wie ihn der Besuch von Olympia 1972 in München als Kind für den Sport begeistert habe. Man brauche mehr Sportler in der Welt, und er hoffe, dass sich viele Kinder und Jugendliche, aber auch die ältere Generation von solchen Sportereignissen inspirieren lasse.

Der Landtagsabgeordnete Arndt Klocke erinnerte daran, dass die Grünen in NRW 2022 im Koalitionsvertrag mit der CDU einer Olympia-Bewerbung zugestimmt hatten. Wenn jetzt der mitgliederstärkste Kreisverband der Grünen mit einem klaren Nein zu Olympia auftrete, werde die Arbeit für die Grünen im Landtag „nicht einfacher“. Schließlich würden die Grünen von der CDU immer erwarten, „dass sie sich an die Zusagen halten, die sie gegeben haben“. Im Übrigen betonte Klocke: „Ich glaube nicht, dass es eine ernsthafte, realistische Option für Olympische Spiele in dieser Region gibt.“

Am Ende votierte die Mehrheit der anwesenden Grünen in offener Abstimmung per Handzeichen für den Antrag des Vorstandes. Die grüne Ratsfraktion wird nun ihre Haltung zu Olympia verschriftlichen. Vor dem Bürgerentscheid am 19. April möchte die Stadt Köln eine Bürgerinformation veröffentlichen, in der aller Fraktionen, Gruppen und Einzelmandatsträger im Stadtrat ihre Meinung zu den Spielen kundtun.