Abo

Vor BürgervotumGrüne in Köln ringen um Position zu Olympia-Bewerbung

3 min
Ja zu Olympia? Mit einer Video-Installation wirbt die Landesregierung noch bis Samstag auf dem Römisch-Germanischen Museum neben dem Kölner Dom für die Spiele.

Ja zu Olympia? Mit einer Video-Installation wirbt die Landesregierung noch bis Samstag auf dem Römisch-Germanischen Museum neben dem Kölner Dom für die Spiele.

In der Partei gibt es Befürworter, aber auch viele Kritiker der Spiele. Die Mitglieder stimmen über die Haltung zum Bürgerentscheid ab.

Soll sich Nordrhein-Westfalen mit Köln als Führungsstadt für die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele im Jahr 2036, 2040 oder 2044 bewerben? Über diese Frage dürfen am 19. April rund vier Millionen Menschen in 17 beteiligten NRW-Kommunen per Briefwahl abstimmen, darunter 817.000 in Köln.

Während SPD, CDU und FDP/KSG im Kölner Stadtrat die Olympia-Bewerbung ausdrücklich begrüßt haben und die Bürger auffordern, dafür zu stimmen, ringen die Kölner Grünen, die im Rat die größte Fraktion stellen, noch um ihre Position.

Am kommenden Montag will der Kreisverband die Mitglieder entscheiden lassen. Der Ausgang ist offen. Gefühlt würden sich Befürworter und Gegner der Bewerbung die Waage halten, ist in der Partei zu hören. Manfred Waddey, früherer Leiter des Verkehrsausschusses des Rates, hat beantragt, die Grünen sollten die Bewerbung ablehnen und die Bürger aufrufen, beim Bürgerentscheid mit „Nein“ zu stimmen. Begründung: „Wir haben uns – bisher erfolgreich – gegen die Bebauung der Gleueler Wiese eingesetzt. Für olympische Anlagen in Köln müssten Hunderte Gleueler Wiesen vernichtet werden und in NRW Tausende. Außerdem wird allein die innerdeutsche Bewerbung zweistellige Millionenbeträge erfordern, und das in einer sehr kritischen Haushaltssituation.“

Blick auf Nachhaltigkeit und Demokratie

Der Co-Vorsitzende der Kölner Grünen, Cyrill Ibn Salem, sagte der Rundschau: „Im Mittelpunkt unserer Mitgliederversammlung am Montag steht die Frage, wie wir uns als Kölner Grüne zur Olympia-Bewerbung positionieren. Der Parteivorstand bereitet dazu derzeit einen Antrag vor, der den Bürgerentscheid in den Mittelpunkt stellt. Wir möchten Olympische und Paralympische Spiele in Köln insbesondere mit Blick auf Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit, Demokratie und Bürgerbeteiligung diskutieren.“

Am Dienstag hatte sich die grüne Ratsfraktion auf Anfrage eher distanziert zu Olympia positioniert. Wie berichtet, erklärte ihr sportpolitischer Sprecher Andreas Wolter: „Für uns Grüne ist klar: Olympische und Paralympische Sommerspiele in Köln müssten nachhaltig, ökologisch und klimaneutral sein. Zuerst gilt es nun aber, die Entscheidung der Bürgerinnen und Bürger abzuwarten.“ Gestern präzisierte Wolter seine Aussage. Viele in seiner Partei täten sich mit einer Olympia-Bewerbung schwer, er persönlich sei jedoch ein großer Befürworter der Idee, sagte der passionierte Leichtathlet und frühere Kölner Bürgermeister. In Paris habe er sich über das Erfolgsrezept der Spiele 2024 informiert. „Das hat mich bestärkt, dass wir uns bewerben sollten. Ich hoffe, dass ein Ruck durch meine Partei geht.“ Die Spiele seien ein Gewinn für Köln und NRW. Wichtig sei, dass man gute Verträge aushandele.

Klare Kriterien für Olympia

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katharina Dröge, ist Mitglied im Kreisverband Köln und ehemalige Kölner Parteichefin. Der Rundschau sagte sie: „Auf Bundesebene und auf Landesebene unterstützen wir Grünen eine deutsche Olympiabewerbung. Wir haben allerdings klare Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit das gut funktioniert. Dazu gehört zuallererst Bürgerbeteiligung. Die Menschen vor Ort müssen entscheiden, ob sie das in ihrer Stadt wollen.“ Olympia könne „Begeisterung für Sport wecken“, betonte Dröge. „Deutschland sollte mit seiner Bewerbung ein Zeichen für Vielfalt und Nachhaltigkeit setzen.“

Dass in NRW Ratsbürgerentscheide zu den Spielen stattfinden, begrüßte sie. Dem Votum der grünen Parteibasis in Köln wolle sie nicht vorgreifen, so die Abgeordnete. Generell gelte jedoch: „Uns Grünen ist bei Olympia das Thema Nachhaltigkeit sehr wichtig. Wir wollen, dass bestehende Sportstätten genutzt und saniert werden. Das muss Vorrang haben. Wenn Neubauten doch notwendig sind, sollten sie später langfristig genutzt werden können.“

Auch der ÖPNV sowie Fahrrad- und Fußgängerwege müssten gestärkt werden, so Dröge. „Paris hat es sehr gut vorgemacht, wie nachhaltige Spiele aussehen können.“