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Infografik

Olympia-Bewerbung
Köln startet Kampagne vor Bürgervotum im April

4 min
Video-Installation für Olympia am Roncalliplatz in Köln.

Video-Installation für Olympia am Roncalliplatz in Köln.

Am 19. April entscheiden die Kölner zusammen mit 16 weiteren NRW-Kommunen, ob sich die Region „Köln Rhein Ruhr“ für Olympische Spiele bewerben soll. Wüst und Burmester werben für Zustimmung – doch bei Umweltverbänden und Opposition formiert sich Widerstand.

„Moderne und nachhaltige Spiele: Das geht nur mit den Menschen, nicht gegen sie“ – so lautete die klare Botschaft von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (50, CDU) beim Start der Kampagne für die Olympia-Bewerbung der Region „Köln Rhein Ruhr“. In allen 17 beteiligten Kommunen in NRW, darunter Köln, dürfen die Bürgerinnen und Bürger entscheiden, ob sie die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Sommerspiele im Jahr 2036, 2040 oder 2044 befürworten.

Bis zum Ratsbürgerentscheid am 19. April (siehe Infotext) sind es noch knapp drei Monate. In dieser Zeit wollen das Land NRW und die Stadt Köln die Olympia-Begeisterung anfachen und möglichst viele Menschen motivieren, sich an der Abstimmung zu beteiligen und für Olympia zu stimmen.

„Mit Köln als Leading City und Kapitän eines starken Teams kann der Traum von Olympia an Rhein und Ruhr Wirklichkeit werden“, betont Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD). Setzt sich Köln Rhein Ruhr gegen die Konkurrenz aus Berlin, Hamburg und München durch, würden in Köln das olympische Dorf und viele Wettkampfstätten angesiedelt (siehe Grafik)

Mögliche Olympia-Wettkampfstätten in Köln.

Doch auch die Gegner des Projekts formieren sich. In Köln sprechen sich unter anderem die Umweltorganisation BUND und die Linke vehement gegen die Spiele aus. Man wolle die Menschen mit guten Argumenten überzeugen, betont Burmester. Die Spiele würden den Spitzen- und den Breitensport sowie die Inklusion fördern und „den Kölnern langfristig nutzen und nachhaltig wirken“. Olympia bedeute „Wachstum für die Wirtschaft und Investitionen in die Infrastruktur“.

In den kommenden Wochen soll das Thema Fahrt aufnehmen. Ein Sprecher der Stadt Köln erklärte auf Anfrage, das Land NRW führe „eine groß angelegte Kampagne zur KölnRheinRuhr-Bewerbung“ durch. Die Stadt werde sie „sinnvoll ergänzen“, um die Bürger auf den Ratsbürgerentscheid aufmerksam zu machen. Neben einer eigenen Seite im Internet, „die fortlaufend aktualisiert wird“, werde es Öffentlichkeitsarbeit über Presse, Social Media und Bürgerdialoge geben. „Diese Formate befinden sich derzeit in der finalen Planung und Ausgestaltung und werden frühzeitig angekündigt.“ Die heiße Phase der Kampagne werde nach Karneval beginnen.

Im Kölner Stadtrat sind die Meinungen über Olympia geteilt. Der Vorsitzende des Sportausschusses, Oliver Seeck (SPD), sagte der Rundschau: „Der Sport steht endlich wieder auf einem Spitzenplatz in unserer Stadt. Ich sehe die Olympiabewerbung deshalb als große Chance für Köln. Wir können Gastgeberin der Welt sein, den verbindenden Geist der Spiele leben und langfristig von nachhaltigen Investitionen in unsere Infrastruktur profitieren, gerade beim Wohnungsbau, den Sportstätten und dem Verkehrsnetz.“ Alle Olympia-Unterstützer seien jetzt am Zug, offensiv für die Spiele zu werben – „auf Veranstaltungen, im direkten Gespräch mit den Menschen und in den Medien“.

CDU Sportexperte Eric Haeming, sagte, die Spiele seien „eine Riesenchance für Köln und die Region Rhein-Ruhr, sportlich, wirtschaftlich und auch für das internationale Ansehen unserer Stadt.“ Damit möglichst viele   zustimmen, brauche es transparente Informationen, klare Konzepte und eine breite Werbekampagne. „Entscheidend ist, dass die Bewerbung überzeugend zeigt, dass Olympia kein kurzfristiges Großereignis bleibt, sondern nachhaltige Verbesserungen für Köln bringt, etwa durch Investitionen in Sportstätten – auch für den Breitensport – und Infrastruktur.“

Der Sportexperte der FDP/KSG-Fraktion, Ulrich Breite, sagte: „Wir möchten, dass Köln genauso von den Sommerspielen profitiert wie München 1972 mit verbesserter Infrastruktur für Bus und Bahnen, sanierten Brücken und perfekten Sportanlagen sowie viel mehr Kinder und Jugendlichen mit Spaß am Sport.“ Neben der reinen Information brauche es „eine emotionale Kampagne, die die Menschen richtig für Olympia begeistert und unvergessliche Momente schafft“.

Grüne gehen auf Distanz

Dagegen zeigten die Grünen keine Begeisterung und gingen auf Distanz. Ihr Sportexperte Andreas Wolter meinte: „Für uns Grüne ist klar: Olympische und Paralympische Sommerspiele in Köln müssten nachhaltig, ökologisch und klimaneutral sein. Zuerst gilt es nun aber, die Entscheidung der Bürgerinnen und Bürger abzuwarten.“ Ein klares Nein kommt von den Linken. Sie kritisieren insbesondere, dass Wüst die Kosten der Spiele mit 4,8 Milliarden Euro beziffert habe. Ratsherr Attila Gümüs: „Woher der Ministerpräsident heute schon weiß, wie sich die Baukosten in den nächsten zehn bis 18 Jahren entwickeln werden, bleibt sein Geheimnis. Dass er auch noch unter den Kosten für die Spiele in Paris kalkuliert, ist unlauter.“

Eine Olympia-Befragung in München hatte eine hohe Zustimmung von 66,4 Prozent ergeben. Unklar ist, was passiert, falls sich eine oder mehrere Kommunen in NRW gegen Olympia aussprechen sollten. Beim Kampagnenstart ließ Wüst durchblicken, das müsse nicht zwingend das Aus für die Bewerbung bedeuten. Er glaube aber fest an eine große Zustimmung der Menschen.

Zu den Kosten sagte Wüst, es werde nichts gebaut, das nachher nicht benötigt werde. Das Land NRW mache jetzt eine große Anstrengung mit Investitionen in Höhe von einer Milliarde Euro in Sportstätten des Breitensports, um sich optimal auf die Spiele vorzubereiten. „Die Menschen werden konkret etwas davon haben.“ Zweifel, dass es Köln nach dem Desaster um die Oper möglicherweise nicht schaffen werde, rechtzeitig ein Olympia-Stadion zu bauen, wies Burmester als unbegründet zurück.