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Islamverband in KölnDitib will eigene Imame ausbilden – Entsetzen über Bombendrohung

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Die imposante Architektur der Zentralmoschee an der Venloer Straße bewunderten viele Besucher beim Tag der offenen Tür im Oktober.

  1. Seit der Eröffnung der Zentralmoschee in Ehrenfeld ist das Verhältnis zwischen Ditib und der Stadt Köln belastet.
  2. Dem Verband wird vorgeworfen, als verlängerter Arm der türkischen Regierung zu agieren, weil er Imame aus der Türkei holt.
  3. Durch die Ausbildung der Geistlichen vor Ort soll dieser Kritik entgegen gewirkt werden.

Köln – Der Islamverband Ditib will noch in diesem Jahr eine eigene Imamausbildung starten. Aufgrund des hohen Bedarfs hole sich die Ditib seit rund 40 Jahren Imame aus der Türkei in ihre Gemeinden, erläuterte der Vorstandsvorsitzende Kazim Türkmen am Mittwoch bei der Vorstellung des Programms in der Kölner Zentralmoschee. Er sei davon überzeugt, dass die Zahl der nach Deutschland entsandten Imame durch die eigene Ausbildung und die Islamstudiengänge hierzulande mittelfristig gesenkt würden, sagte er.

Kritiker werfen dem Verband immer wieder vor, als verlängerter Arm der türkischen Regierung zu fungieren und durch eine nationalistische Ausrichtung die Integration von Türken in Deutschland zu behindern. Mit der eigenen Imamausbildung möchte der Islamverband nicht nur den steigenden Bedarf abdecken, sondern auch auf die Kritik reagieren. 

„Wir bilden für den Eigenbedarf aus“

Im Herbst soll die rund zweijährige Ausbildung beginnen. Das Angebot richtet sich an Studienabsolventen der islamischen Theologie. Die Kosten will die Ditib alleine tragen. Ein genaues Budget für das Programm sei aber noch nicht absehbar.

„Wir bilden für den Eigenbedarf aus“, sagte Seyda Can, Abteilungsleiterin Bildung, Forschung und Integration. Für die Ausbildung habe der Verband ein Gebäude in Dahlem in der Eifel gekauft. „Dort können bald 50 Schüler wohnen und unterrichtet werden“, erläuterte Türkmen mittels eines Übersetzers. 

Gehälter aus der Türkei gezahlt

Das Lehrpersonal werde zu großen Teilen aus eigenen Angestellten bestehen, hieß es weiter. Den Schwerpunkt der Ausbildung solle eine praktische Phase mit einem Mentor in den Gemeinden bilden. Nach einer Abschlussprüfung könnten sich die Imame dann deutschlandweit an Ditib-Gemeinden bewerben.

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Der Verband zeigt sich aber offen, künftig auch mit anderen Gemeinden bei der Imamausbildung zusammenzuarbeiten. „Voraussetzung ist, dass sie unsere hohen Standards erfüllen“, sagte Can. Die Gehälter der ausgebildeten Religionsbeauftragten, also der Imame, zahlt weiterhin die Diyanet, die staatliche Einrichtung zur Verwaltung religiöser Angelegenheiten in der Türkei. 

Ausbildung in Deutschland erst seit kurzem

Mehr als 1000 Imame arbeiten in Ditib-MoscheegemeindenIn den 857 Ditib-Moscheegemeinden sind dem Verband zufolge mehr als 1000 Imame tätig. 127 von ihnen seien in Deutschland geboren, aufgewachsen und hätten hier ihr Abitur gemacht.

Die Ausbildung zum Religionsbeauftragten absolvierten sie bisher aber in der Türkei, in einem Internationalen Studienprogramm, das ebenfalls von der Ditib angeboten werden. In Deutschland seien Ausbildungsgänge in Islamischer Theologie erst seit einigen Jahren möglich. „Zwei Absolventen deutscher Universitäten, von der Uni Frankfurt und der Uni Osnabrück, haben wir vor Kurzem eingestellt“, sagte Can.

Deutsch-Türkischer Moscheeverband entsetzt über Bombendrohung

Entsetzt zeigte sich Türkmen über die Bombendrohung, die am Dienstagmorgen um 9.45 Uhr per E-Mail in der Zentralmoschee in Köln eingegangen war. Das Gelände musste vollständig geräumt werden und sei von der Polizei durchsucht worden. Die Beamten hätten keine Bombe gefunden, die Sorge über die Sicherheit aller Besucher bleibe dennoch, betonte der Vorstandsvorsitzende.

„Das ist der traurige Höhepunkt islamfeindlicher Angriffe in den vergangenen Tagen“, sagte er auch mit Blick auf die weitere Vorkommnisse in Schleswig und Karlsruhe. Der deutsch-türkische Moscheeverband zeige sich grundsätzlich besorgt über den Anstieg der Angriffe auf Moscheen. „Wir werden uns jedoch nicht einschüchtern lassen“, betonte Türkmen.