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Keine Einladung zur Pripro
So proklamieren Sie Ihr eigenes Dreigestirn zu Hause

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5 min

So aufwendig ist die Einladung zur Prinzenproklamation in der bevorstehenden Session.

Sie haben wieder keine Pripro-Einladung bekommen? Seien Sie nicht traurig – hier kommen Tipps für eine „Do it yourself“-Prinzenproklamation. 

Sie schauen in diesen Tagen erwartungsvoller denn je in den Briefkasten? Und? Wieder keine Post vom Festkomitee? Wir können Sie beruhigen: Das wird nichts mehr. Alle Einladungen sind verschickt worden. Die Proklamation des Kölner Dreigestirns am 8. Januar findet im Gürzenich ohne Sie statt. Aber keine Sorge: Sie befinden sich in bester Gesellschaft. Alljährlich müssen nicht wenige Firmenbosse, Politiker, Promis – oder solche, die sich dafür halten – erfahren, dass sie nicht mehr so richtig wichtig sind. Zumindest gehören sie nicht zu den 1300 geladenen Gästen in Kölns guter Stube.

Aber wissen Sie was? „Drieß jet drop“ ist nicht nur ein Lied von Brings, sondern die neue Marschroute aller Nichtauserwählten. Nehmen Sie das neue Karnevalsmotto wörtlich: „Morje es, wat do drus mähs!“ Also veranstalten Sie einfach selbst eine „Pripro“!

Familienkomitee statt Festkomitee

Wie das geht? Naja, nicht ganz so einfach. Aber auch der Gürzenich ist nicht an einem Tag erbaut worden. Zunächst einmal benötigen Sie ein FK. Das steht für Familienkomitee und agiert ähnlich wie das Festkomitee am Maarweg. Das FK entscheidet, wer eingeladen wird. Wichtig ist: auf keinen Fall erzählen, wer warum und wer warum nicht eingeladen wird. Das bleibt strengstes FK-Geheimnis. Die Menschen in Ihrem Umfeld sollen ja was zum Reden haben.

Beachten Sie dabei aber unbedingt Ihre Wohnzimmergröße. Bei Familien mit vielen Verwandten sind dann analog zum Gürzenich Härtefälle nicht ausgeschlossen. Onkel Gisbert wird das vielleicht nicht gleich verstehen, aber als FK kann man es nicht allen recht machen – fragen Sie mal das andere FK...

09.01.2026, Köln: KARNEVAL - Proklamation des Kölner Dreigstirns 2026 Prinz Niklas I. (Niklas Jüngling), Bauer Clemens (Clemens von Blanckart) und Jungfrau Aenne (Stefan Blatt) im Gürzenich Köln - Einzug und Proklamation des Dreigestirns.. Foto: Thilo Schmülgen

So in etwa könnte das auch bei Ihnen zu Hause aussehen. Das Bild zeigt Prinz Niklas I. bei der Proklamation im Januar 2026.

Das Bühnenbild ist entscheidend für den ersten Eindruck. Ihre Gäste sollen sofort wissen, dass sie in Köln sind. Ganz wichtig: Zeigen Sie das Postkartenpanorama. Dom, Hohenzollernbrücke, Rhein, Kranhäuser – passt. Nord-Süd-Fahrt, Ebertplatz, Gulliver-Tunnel, Bauzäune sind sowieso alle zu schwierig zum Nachbauen.

Kette um den Hals, Federn an den Hut getackert

Damit Ihre Proklamation am Folgetag auch allen Verwandten gezeigt werden kann, die keine Einladung erhalten haben, brauchen Sie ein Kamerakind. Das kümmert sich um die Aufzeichnung, filmt von prominenter Stelle und stellt sich immer mal ins Blickfeld der Zuschauer. Auch das gehört dazu. Nun zum Moderator des Abends: Nehmen Sie einfach den aus der Familie, der die dickste Kette in seinem Schmuckkästchen findet und sich ein paar Federn an den Hut tackert. Sein Text steht bereits auf Karteikärtchen, die sie ihm geben. Das Kamerakind hat zudem Texttafeln in seiner Nähe postiert. Sicher ist sicher, auch daheim.

Kommen wir zur Garderobe: Abendkleid und Smoking sind optimal, ein schwarzer Anzug tut es aber mittlerweile auch. Heißt: Auch zu Hause sind Jogger und Schlabbershirt selbstredend ein absolutes No-Go. Stellen Sie zur Sicherheit direkt in der Einladung klar, dass Aufbrezeln angesagt ist, damit gar keiner auf falsche Ideen kommt. Und dann kommentieren Sie selbstredend fleißig – und mit ganz viel Liebe – die Outfits der anderen Anwesenden.

Kölsch-Verbot gilt auch im Wohnzimmer

Wenn alle Gäste Platz genommen haben, bestellen Sie beim Kellner – wählen Sie einen trinkfreudigen Nachbarn, dann sitzen Sie nie auf dem Trockenen – die typische Verpflegung. Kölsch ist natürlich wie im Festsaal des Gürzenichs verboten. In früheren Jahren konnte man noch immer bei schlechten Programmpunkten kurz an die Foyers-Theke flitzen und ein paar Stangen kippen. Weil das inzwischen aber vom Festkomitee untersagt wurde, verbietet auch das Familienkomitee die spontane Flucht in Küche, Schlafzimmer oder Flur. Kaufen Sie für den Abend unbedingt einen guten Wein, Chips, Flips und Salzstangen. Mit Trauben, Oliven und Käsewürfeln ist es dann praktisch wie im Gürzenich.

Da Sie nicht auch noch Vorstellabende organisieren konnten, müssen Sie jetzt einfach pragmatisch sein: Erinnern Sie sich an die letzten runden Geburtstage und an alle, die eine Rede gehalten haben. Die mit den schmissigsten werden eingeladen, das sind dann die Volker Weiningers unter den Rednern. Es braucht aber auch noch ein paar Überraschungen, Neulinge, die Leute brauchen schließlich was zum Reden. Das könnte Tante Helga aus Wangen im Allgäu sein, die ihren Lieblingswitz zum Besten gibt: Ein Schwabe probiert im Laden alle Käsesorten durch. Schließlich entscheidet er sich für einen Gouda. Fragt der Verkäufer: „Wie viel darf es denn sein?“ Der Schwabe: „Blos a klois Würfele, 's isch fir a Mausefalle.“ Auch wenn jetzt keiner lacht, wird zwingend ein Tusch abgefeuert. Man kaufe dafür vorab eine Tuschmaschine, die es schon für zwölf Euro im Internet gibt – alternativ hat man einen Jäger im Bekanntenkreis, der neben Horrido auch „Tä-tää-tä-tää-tä-tää“ draufhat.

Bei der Wahl des Stadtoberhaupts, das Prinz, Bauer und Jungfrau proklamiert, können Sie eigentlich nichts falsch machen. Parteizugehörigkeit, keine oder gute Kölschkenntnisse – hat es im Gürzenich auch schon alles gegeben. Gleiches gilt für das Dreigestirn: Wichtig ist – Stand 2026/2027 – dass drei Männer ihre Freundschaft bekunden und alles nur für Kölle machen wollen.

Keine Pripro ohne Currywurst

Eine Pripro wäre keine vernünftige Pripro ohne die mitternächtliche Currywurst – wenn alles vorbei und die Messe gelesen ist. Sich einen Foodtruck vors Haus zu stellen, wäre jetzt sicher ein wenig übertrieben. Greifen Sie stattdessen zum Fertigprodukt. Nach fast fünf Stunden Programm ist das Feeling das gleiche.

Danach öffnen sich die Kölsch-Schleusen, der oberste Hemdsknopf beim Herrn, und die Dame kann endlich die irrsinnig unbequemen Schuhe ausziehen, damit tanzt es sich auch besser. Spätestens beim Stammbaum der Bläck Fööss liegt sich das ganze Schmölzje in den Armen.

Beim Veedel-Lied fließen die Tränen in Sturzbächen – in der Erkenntnis, dass Karneval ein Gefühl ist, für das es keinen bestimmten Ort oder gesellschaftlichen Status braucht. Ob im Gürzenich, in der Kneipe oder daheim im Wohnzimmer:  Wo Menschen aufeinandertreffen, die ein Herz für die Stadt haben, das Miteinander leben und im wahrsten Sinne des Wortes jeck sind, ist der wahre Karneval zu Hause.