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Hört bei Frauen der Spaß auf?
Warum es im Kölner Karneval noch immer kein weibliches Dreigestirn gibt

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2026 wurde Prinz Niklas I. (Niklas Jüngling) bei der Proklamation im Gürzenich gefeiert.

2026 wurde Prinz Niklas I. (Niklas Jüngling) bei der Proklamation im Gürzenich gefeiert.

Das Geschlecht spiele bei der Bewerbung keine Rolle, betont das Festkomitee. Doch erneut sollen drei Männer die kölschen Jecken zukünftig regieren.

Marcus Gottschalk war 2012 der offiziell erste schwule Kölner Karnevalsprinz. In der Session 2025 gab es erstmals ein komplett queeres Dreigestirn. Nur bei Frauen, da hört der Spaß nach wie vor auf. Diesen Vorwurf muss sich das Festkomitee gefallen lassen, dass es bis heute kein weibliches Trifolium gegeben hat. Schließlich gibt es keine Beschränkung in der Satzung des Dachverbands der organisierten Jecken: Geschlecht und sexuelle Orientierung spielen bei der Bewerbung keine Rolle, wiederholen die Brauchtumshüter seit Jahren. Es würden am Ende immer die besten Kandidaten ausgewählt, heißt es.

Kölner Karneval „ist wie ein Öltanker“

Wohlwissend, dass es in den vergangenen Jahren auch weibliche Bewerbungen gab und neben reinen Frauengesellschaften auch gemischte Vereine dem Festkomitee angeschlossen sind, ist es schwer zu glauben, dass stets die männlichen Kandidaten am überzeugendsten gewesen sein sollen. Regenten mit Spitznamen wie „Prinz Proll“ oder „Prinz Peinlich“ lassen an dieser Darstellung zweifeln.

Fakt ist, dass die Mehrheit der Jecken nach wie vor sehr konservativ geprägt ist. Sitzungspräsident Volker Weininger sagte mal: „Karneval ist wie ein Öltanker.“ Er braucht nicht nur einen kilometerlangen Bremsweg, sondern wendet auch extrem langsam. Da der Karneval von tief verwurzelten Traditionen, großen Gesellschaften und festen Strukturen geprägt ist, lassen sich Reformen, modernere Formate oder gesellschaftliche Anpassungen nur sehr langsam und mit viel Kraftaufwand durchsetzen.

Das alles weiß der neue Festkomitee-Präsident. Daher ist es nicht überraschend, dass Lutz Schade nicht gleich in seinem ersten Jahr mit einem weiblichen Dreigestirn in die Session geht. Dass es zukünftig aber ein Frauen-Trifolium in seiner Amtszeit geben wird, kann sich Schade gut vorstellen, wie er nach seiner Wahl im Frühjahr gegenüber dieser Redaktion selbst betonte.

Mit dem designierten Dreigestirn der Kölner Narren-Zunft setzt der Festkomitee-Präsident zunächst einmal ein anderes Zeichen: Das wohl jüngste Dreigestirn seit Jahrzehnten setzt den Fokus auf die Jugend und Zukunft. „Wir wollen die jungen Menschen auf der Zülpicher Straße für den Karneval gewinnen, aber dafür braucht es andere Angebote als die bisherigen“, hat Schade angekündigt. Der neue FK-Präsident weiß, dass es neue Formate braucht, die lockerer sind als eine klassische Sitzung, bei der man von abends bis nachts auf seinem Platz sitzt und überteuerte Getränke konsumiert.

Schade verantwortet daher auch das Zukunftsprojekt „Alaaf 2040“, mit dem der Karneval auf den gesellschaftlichen Wandel, zunehmende Entsolidarisierung und veränderte Kommunikationswege reagieren will. Angesichts vieler zugezogener Einwohner ohne karnevalistische Vorkenntnisse soll das Brauchtum verständlicher und erlebbar gemacht werden. Dass dazu auch Frauen als Repräsentantinnen gehören, sollte so selbstverständlich sein wie das Alaaf im Gürzenich.