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KarnevalFast 10.000 Jecke beim 51. Funkenbiwak – Abschied für Präsident Heinz-Günther Hunold

Lesezeit 3 Minuten
Am Samstag haben die Roten Funken mit Jecken, Bands und anderen Traditionskorps auf dem Kölner Neumarkt gefeiert.

Am Samstag haben die Roten Funken mit Jecken, Bands und anderen Traditionskorps auf dem Kölner Neumarkt gefeiert.

Am Samstag haben die Roten Funken mit Jecken, Bands und anderen Traditionskorps auf dem Kölner Neumarkt gefeiert.

Es war das Jahr 1 nach den großen Jubiläen: 200 Jahre Rosenmontagszug, 200 Jahre Rote Funken und 50. Biwak auf dem Neumarkt, wo alles begann. Und es war eine Premiere und ein Abschied: Das neue Tanzmariechen des Gastgebers, Elena Stickelmann, gab seinen Einstand; nach 23 Jahren Präsidentschaft verabschiedete sich Heinz-Günther Hunold von der Spitze des Traditionskorps. Mit dem Regimentsspielmannszug marschierte die einzige Dame in der Uniform der Roten Funken, Oberbürgermeisterin Henriette Reker, ein, alias im Karneval „Agrippina Courage“.

„Ich gratuliere allen Jecken zu ihrer Entscheidung, hierhin gekommen zu sein“, begrüßte Agrippina Courage die bunt kostümierte Schar. Der Andrang hielt sich diesmal in den Grenzen der erwarteten Zehntausend. Weil die Tanzbühne nicht alle Funken fasste, zumal sich die Hellige Knäächte un Mägde einreihten, wibbelten etliche unter den Zuschauern mit. Glück für einige weibliche Jecke, die einen begehrten originalen Stippeföttche-Partner fanden.

„Auf dem Neumarkt muss es 1823 beim ersten Rosenmontagszug so ähnlich gewesen sein“

Wie gewohnt, brachte Hunold ein bisschen Brauchtumskunde unters Volk „Auf dem Neumarkt muss es 1823 beim ersten Rosenmontagszug so ähnlich gewesen sein, da waren die Roten Funken und das Tanzkorps Hellige Knäächte un Mägde auch schon zusammen“, erzählte der Biwak-Frontmann, und fügte augenzwinkernd hinzu: „Und haben Familien gegründet – oder auch nicht.“

Ihr neues Tanzmariechen rekrutierten die Roten Funken aus den Reihen der Hellige Knäächte un Mägde. Aschermittwoch 2023 erfuhr Elena Stickelmann, dass die Wahl zu ihren Gunsten ausgefallen war. Der Tanzoffizier ist der alte: Florian Gorny hebt sie hoch über alle karnevalsverrückten Köpfe.

Die Herzen der Rundschau-Leser haben die Beiden auch schon erobert – Platz 3 bei der Tanzpaarwahl 2024. Damit alle Jeckinnen und Jecken den Premieren-Mariechentanz gut sehen konnten, wurde das Spektakel zur anderen Bühnenseite wiederholt. „Oh, wie bist du schön“ im Musik-Potpourri gab die Funkenbiwak-Besucher an Elena Stickelmann zurück. Zwischen den Ansagen plauderte Hunold aus, dass Elena Stickelmann und Fabio Schwamborn, der Jecke-Bääntchen-Tänzer der Hellige Knäächte un Mägde, privat ein Paar sind.

Hunold erinnert an den verstorbenen Kölner Karnevalisten Fro Kuckelkorn

Das Traditionstanzkorps eröffnete einen Reigen von Ehrungen für Heinz-Günther Hunold. Präsident Thomas Andersson ernannte ihn zum Ehrenknecht. Die Blauen Funken haben Hunold in dieser Session den Titel Ehrenkommandant verliehen. Zum Abschied auf dem Neumarkt überließ Präsident Björn Griesemann dem roten Kollegen jetzt das Kommando über seine Blauen.

Hunold nutzte die Gelegenheit, an den verstorbenen großen Kölner Karnevalisten Fro Kuckelkorn zu erinnern. Fro, der Vater von Festkomitee-Präsident Christian Kuckelkorn, war der erste Blaue-Funken-Präsident, den die Roten Funken zu ihrem Ehrenkommandanten ernannten. Wie sein Nachfolger machte er sich um die Freundschaft der einst verfeindeten närrischen Truppen verdient.

Dreigestirn tritt ohne Jungfrau Frieda auf

„Was haltet Ihr eigentlich von dem Wetter?“, fragte Hunold früh in die Menge und gab das Kommando raus: „Nehmt die Sonnenmilch raus, aber nur fürs Braunwerden im Gesicht, ansonsten hat die Farbe in Köln nichts zu suchen.“ Die Bands Auerbach, Rabaue und Kempes Feinest heizten musikalisch ein, bis zum Finale das Dreigestirn seine Aufwartung machte – ohne die an der Hüfte verletzte Jungfrau Frieda, die auch nicht am Rosenmontagszug teilnehmen kann.

Unter die Jecken mischte sich zum ersten Mal eine achtköpfige Gruppe aus dem Frankenland. „Euer Karneval und unser Fasching sind zwei Welten“, meinte Erich, der ins Kostüm von Biene Majas Freund Willi geschlüpft war. „Ihr habt gute Lieder mit tiefergehenden Texten, die ich allerdings nicht immer verstehe“, so der Höhner-Fan aus Bamberg.

Einziger Wermutstropfen: Ein Marienkäfer aus der Gruppe stand fürs Kölsch eine halbe Stunde an. Die fränkischen Narren hatten sich außerdem beim Altstadt-Bummel am Vortrag über die schmalen Kölschstangen und die „stolzen Bierpreise“ gewundert. Blieb beim Funkenbiwak nur, ab in den nächsten Supermarkt und süddeutsches Bräu aus Halbliterdosen in die leeren Kölschgläser gefüllt. Beim Bier konnte Köln also nicht punkten, aber beim Spaß an d’r Freud‘.

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