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Fachkräftemangel entgegenwirkenAzubi-Meetup in der Lanxess-Arena -  „Hauptsache, die machen ein Handwerk“

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Beim Azubi-Meetup Handwerk wird gemalt, gehämmert und vernetzt.

Beim Azubi-Meetup Handwerk wird gemalt, gehämmert und vernetzt.

An über 60 Ständen konnten sich die Besucher über verschiedenste handwerkliche Berufe informieren. Einige trafen dabei sogar ihre zukünftigen Chefs.

Zum vierten Mal ermöglicht die „Azubi Meetup Handwerk“-Messe jungen Menschen einen Einblick in das Handwerk. So kamen am Dienstag über 60 Ausbildungsbetriebe in der Lanxess-Arena zusammen, um sich praxisorientiert vorzustellen.

Trotz des KVB-Streiks, der die Veranstalter um Besucherzahlen bangen ließ, war die Arena gut gefüllt. Die Besucher, vor allem Jugendliche, waren eingeladen, sofort Bewerbungsunterlagen mitzubringen. Ziel der Messe ist es, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Ein Betrieb hat an seinem Stand zwei Gerüste aufgebaut, um vor Antritt der Gerüstbau-Ausbildung die Höhenangst der potenziellen Bewerberinnen und Bewerber zu testen. Am Stand eines Elektro-Betriebs direkt daneben können die Messebesucher versuchen, aus Zitronen Strom zu gewinnen. Neben den Betrieben gibt es auch Beratungsangebote, die der Berufsorientierung dienen.

An einem Stand versuchen die Messe-Besucher, aus Zitronen Strom zu gewinnen.

An einem Stand versuchen die Messe-Besucher, aus Zitronen Strom zu gewinnen.

Pünktlich um elf Uhr richtet der Vorsitzende der Handwerkskammer Köln, Thomas Rademacher, einige Worte an die Besucher. Dass er als Tischler vorgestellt wird, lässt er aber nicht so stehen: „Tischlermeister, bitte.“ In der Diskussion um den Fachkräftemangel werde der Fehler oft bei Jugendlichen gesucht, sagt die Moderatorin. Dem widerspricht Rademacher: Er sei kein Freund davon, Jugendliche für die Probleme verantwortlich zu machen. Auch die Schulen stünden in der Verantwortung, das Handwerk verstärkt zu beleuchten. Trotzdem blickt er motiviert in die Zukunft: „Keine KI der Welt wird je das tun können, was Handwerk macht“. Die Bühne, auf der er spricht, wird noch den ganzen Tag für Aktivitäten und kurze Infobeiträge genutzt. Azubis erzählen von ihrem Beruf und treten in Challenges gegen Schülerinnen und Schüler an. So werden Nägel um die Wette gehämmert oder Fahrradreifen unter Zeitdruck gewechselt.

Wenige Angebote speziell für Mädchen

Neben dem Baugerüst steht Andrea Roth. Sie ist freie Mitarbeiterin im Handwerkerinnenhaus Köln, einer Einrichtung, die Frauen und Mädchen mit verschiedenen Programmen das Tischlern nahebringen will. Mit diesem Extra-Angebot füllen sie eine Nische; der Andrang am Stand in der Arena ist riesig. Roths Blick liegt auf einer Infotafel gegenüber: „Bauingenieur“ steht darauf, abgebildet sind zwei lächelnde Männer. Aus ihrer Sicht müssten sich Ausbildungs-Angebote im Handwerk viel häufiger speziell an Mädchen richten. Ein Blick auf die Angebote in der Lanxess-Arena zeigt: In diesem Bereich ist tatsächlich noch Luft nach oben. 

Alischa Selbach arbeitet im Tiefbau, neben ihr ist ein kleiner Sandkasten mit Pflastersteinen aufgebaut. Sie ist zum vierten Mal dabei, weil es sich lohne: „Jedes Mal finden wir hier interessierte Menschen, die wir danach einstellen.“ Dazu begeistert sie das Interesse der Schüler. Dies erklärt sie sich vor allem damit, dass es eine reine Handwerks-Messe ist. Das stellt sicher, dass Besucher zumindest von Anfang an etwas mit der Branche anfangen können.

Dennis ist 18 Jahre alt und seit einem Jahr Auszubildender beim Unternehmen Delta Controls. In seinem Freundeskreis bekomme er immer wieder mit, dass Azubis unfair behandelt werden. Bei ihm sei das anders. „Ich fühle mich gar nicht so“, sagt er. Für jeden Tag auf der Baustelle bekomme er denselben Bonus wie seine Kollegen, ob Meister oder Geselle. Seinem Ausbilder könne er sich immer anvertrauen. 

Sowohl Schulklassen als auch Privatleute strömen durch die Arena. Wer einen Stand betreut, hat höchstens zwei Minuten Verschnaufpause, bevor weitere Interessenten anfangen, eine Schlange zu bilden. Ein Konkurrenzdenken gibt es unter den Betrieben, trotz des Azubi-Mangels, keineswegs: „Ob die bei mir anfangen oder woanders, ist mir gleich“, sagt ein Heizungsingenieur. „Hauptsache, die machen ein Handwerk.“