Die Stadt will die zweite Zufahrt ersatzlos abbrechen lassen. Anwohner protestieren.
Entscheidung der Stadt KölnSiedlung mit 3500 Menschen hat ab Montag nur noch eine einzige Zufahrt

Die Siedlung Schönrath in Köln-Höhenhaus
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Die Siedlung Schönrath in Köln-Höhenhaus wird ab dem kommenden Montag nur noch über eine einzige Zufahrt mit dem Auto erreichbar sein. 3500 Menschen, die dort leben, werden abgesehen davon von der Außenwelt abgeschnitten sein. Mobilitätsdezernent Ascan Egerer hat jetzt entschieden, dass die Stadt Köln die zweite Zufahrt – die Brücke Am Flachsrosterweg – vorerst ersatzlos abreißen wird. Politik und Anwohner befürchten, wie berichtet, dass vor Ort ein Verkehrschaos ausbrechen wird. Der Zugang wird nur noch über die ohnehin schon stark befahrene Berliner Straße möglich sein.
Kein Geld für die Mehrkosten
Zuvor hatten die Bezirksvertretung Mülheim und der Dezernent darüber gestritten, ob über eine provisorische Ersatzbrücke Autos fahren sollen oder nicht. Das Mobilitätsdezernat wollte, dass das Bauwerk nur für Fußgänger und Radfahrer geeignet ist. Die Politiker in der BV entschieden hingegen, dass die Behelfsbrücke auch für Autos geeignet sein sollte, was 700.000 Euro mehr gekostet hätte. Egerer stellte sich auf den Standpunkt, in seinem Budget kein Geld dafür zu haben, und forderte die Bezirksvertretung auf, die Mehrkosten selbst zu bezahlen. Eine BV verfügt allerdings überhaupt nicht über die Finanzmittel für einen Brückenbau.
In der Folge wird es nun überhaupt keine Behelfsbrücke geben – über den Streit soll laut dem Dezernat zu viel Zeit vergangen sein. „Sowohl die von der Bezirksvertretung Mülheim beschlossene Kfz-Behelfsbrücke als auch die vom Dezernat für Mobilität der Stadt Köln vorgeschlagene provisorische Fuß- und Radwegebrücke können in der verbleibenden Sperrzeit der DB bautechnisch nicht mehr umgesetzt werden“, teilte das Mobilitätsdezernat mit. Abriss und Einbau der Ersatzbrücke müssen zwischen Mai und Juli stattfinden. Während dieser Zeit hat der DB-Konzern die Zugstrecke gesperrt, um dort selbst zu bauen. Eine davon unabhängige Sperrung würde dazu führen, dass die Stadt Köln die Kosten für einen Schienenersatzverkehr selbst bezahlen müsste. Auch das Geld beabsichtigt Egerer nicht auszugeben.

Das Nadelöhr von Höhenhaus
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Bezirksbürgermeister Vincent Morawietz (SPD) zeigt sich angesichts des Vorgangs fassungslos. Zum einen hatte das Mobilitätsdezernat die Politiker erst vier Tage vor der BV-Sitzung informiert und zu einer Dringlichkeitsentscheidung aufgefordert, und zum anderen keine Verkehrsanalyse vorgelegt, um die Auswirkungen einer reinen Fußgänger- und Radfahrer-Brücke zu untersuchen. Und jetzt sollen die Politiker in der BV auch noch dafür verantwortlich sein, dass gar keine Ersatzbrücke kommt.
Brief an OB Torsten Burmester
„Mir ist die Schwierigkeit der aktuellen Situation, in der sich die Stadt befindet – Investitionsstau, sinkende Einnahmen, steigende Ausgaben – durchaus bewusst. Und dennoch muss ich deutlich machen, dass ein solches Vorgehen aus meiner Sicht nicht akzeptabel sowie nicht unbedingt vertrauenssteigernd ist“, schreibt Morawietz in einem offenen Brief an Mobilitätsdezernent Egerer und Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD). Und: „Ich erwarte, dass seitens der zuständigen Fachverwaltung weiter an einer Umsetzung des Beschlusses der Bezirksvertretung Köln-Mülheim gearbeitet wird.“

Die Brücke der Straße Am Flachsrosterweg in Köln-Höhenhaus über die dortigen Eisenbahngleise soll abgerissen werden.
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„Herr Egerer hat das Thema auf Kosten der Anwohner im rechtsrheinischen Köln aus Sicht vieler Betroffener über Monate ausgesessen“, sagt Anwohner Alexander Dick. Er verbreite zudem nach Stand der örtlichen Bürgerinitiative immer wieder Aussagen, die nach deren Kenntnisstand nicht den tatsächlichen Abläufen entsprechen. „So liegen wir derzeit weiterhin in exakt dem Zeitfenster, das ursprünglich für das Projekt vorgesehen war“, sagt Dick. Das Einzige, das sich geändert habe, sei der Umstand, dass der Mobilitätsdezernent für seine Fußgänger- und Radfahrer-Brücke keinen Beschluss der Politik bekommen habe.
„Wir haben selbst Kontakt mit der Brückenfirma aufgenommen. Nach der dortigen Auskunft wären alle vier Brückenvarianten, die Bestandteil der politischen Beratungen waren, innerhalb der vorgesehenen DB-Sperrzeit realisierbar gewesen“, sagt Dick. Die Fehlplanung des Dezernats müsse dringend korrigiert werden.
Das Mobilitätsdezernat selbst geht auf die Bedürfnisse der Menschen in der Siedlung Schönrath nur mit einem einzigen Satz ein: „Die Verwaltung wird die Verkehrssituation nach Entfall der Brücke beobachten und gegebenenfalls Maßnahmen zur Verbesserung dieser umsetzen.“
Die Siedlung wird mindestens sechs Jahre abgeschnitten sein. Die Stadt plant zwar einen Neubau der Brücke, die dann auch wieder dem Autoverkehr zur Verfügung stehen soll. Das soll aber frühestens im Jahr 2032 geschehen. Dann soll es bei der Deutschen Bahn erneut eine Sperrpause geben, die sich nutzen ließe.
Von dem ab Montag drohenden Stauchaos sind neben den 3500 Anwohnern auch drei Kindertagesstätten, die Außenstelle des Berufskollegs Ulrepforte, ein Seniorenheim, ein Fußballverein, ein Kleingärtnerverein, die KVB-Haltestelle Im Weidenbruch und eine Kirchengemeinde betroffen.

