Organisatorische Gründe verhindern die Einführung der neuen Linienführungen in diesem Jahr. Das sagen die Kreistagsfraktionen dazu.
„Mangelnde Organisation“Änderung für Stadtbahnen 66 und 67 in Rhein-Sieg kommt doch nicht dieses Jahr

Die Stadtbahnlinie 66 fährt zwischen Siegburg und Bad Honnef/Ramersdorf, hier hält sie an der Haltestelle Sankt Augustin Zentrum/Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.
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Seit 2019 beraten die Bundesstadt Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis inzwischen über das gemeinsame Stadtbahnzielkonzept. Dabei geht es auch um Anpassungen und Änderungen wichtiger Verbindungen wie der Linie 66 im rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis und der Linien 16 und 18 auf der linken Rheinseite.
Das Konzept soll unter anderem festlegen, wie künftig die Linien verlaufen, welche Endpunkte es gibt und in welchen Taktzeiten sie verkehren. Insgesamt soll so der Stadtbahnverkehr zuverlässiger, übersichtlicher und leistungsfähiger werden, heißt es seitens der Verwaltung.
Neue Stadtbahnverbindungen verzögern sich um ein Jahr
Jetzt jedoch erklärten der Rhein-Sieg-Kreis und die Stadt Bonn in einer gemeinsamen Mitteilung, dass das Stadtbahnzielkonzept nicht, wie beschlossen, zum Fahrplanwechsel im Dezember 2026 umgesetzt werden könne. Es sei bei den Vorplanungen zu Verzögerungen gekommen, begründeten die beiden Verwaltungen. Demnach sei es „nicht gelungen, die notwendigen Vorplanungen so abzuschließen, dass eine Umsetzung zum Fahrplanwechsel im Dezember 2026 möglich sein wird. Die Einführung des neuen Stadtbahnzielkonzepts wird sich daher um ein Jahr verschieben.“
Viele externe Faktoren und Anforderungen an das Netz müssten bei der Planung berücksichtigt werden, so heißt es in der Mitteilung. Dazu gehörten Einschränkugen in der Infrastruktur wie eingleisige Streckenabschnitte und Wendeanlagen sowie Wendezeiten und Standzeiten. Zudem müssten die bestehenden Umsteigebeziehungen auf den Stadt- und Regionalverkehr erhalten werden, und das Liniennetz müsse für die geplanten Taktverdichtungen aufwärtskompatibel sein. Auch die Fahrtzeiten der aus Köln kommenden Linien 16 und 18 müssten berücksichtigt werden, ebenso wie Einsparmaßnahmen in den Haushalten.
Jetzt stellt man ein halbes Jahr vorher fest, dass es verschoben werden muss? Das können wir nicht nachvollziehen.
„Daraus ergibt sich eine sehr komplexe Gemengelage, in der die Anforderungen aller Beteiligten berücksichtig werden müssen“, so die Kreisverwaltung und Bonner Verwaltung. „Gleichzeitig waren Planungsressourcen bei den Beteiligten durch die kurzfristige Sperrung der Nordbrücke und die dadurch notwendigen Ersatzkonzepte für den Öffentlichen Personennahverkehr gebunden.“
Die SPD-Kreistagsfraktion hält diese Verschiebung um ein Jahr für verheerend. „Wir sind darüber sehr überrascht,“ erklärt Michael Richter, Fraktionsgeschäftsführer der SPD-Kreistagsfraktion und Kreistagsmitglied aus Sankt Augustin, gegenüber der Redaktion. „An dem Konzept wurde jetzt schon lange gesessen, es wurde 2025 beschlossen. Ab Dezember 2026 sollte es eingeführt werden, und jetzt stellt man ein halbes Jahr vorher fest, dass es verschoben werden muss? Das können wir nicht nachvollziehen.“
Linie 63 als Übergangsangebot soll erhalten bleiben
Zumal es im Dezember bei der Einführung des neuen Stadtbahnzielkonzepts noch gar nicht um die geplante Taktverdichtung der Linie 66, dann 67 ginge, sondern lediglich um die Änderungen der Linien. Die Linie 66 zwischen Siegburg und Bad Honnef/Königswinter solle dann als Linie 67 bis Bonn-Bad Godesberg fahren. Die 66 soll zwischen Bad Honnef/Königswinter und Tannebusch/Buschdorf verkehren. Die geplante Taktverdichtung für die Strecke zwischen Siegburg und Bonn ist laut Michael Richter erst für den Fahrplanwechsel 2027/2028 gedacht.
Zudem vermutet Richter in der Verzögerung den Druck zu sparen. Aufgrund der nun kurzfristigen Verschiebung sei der Gedanke naheliegend, das ganze Thema Stadtbahnzielkonzept könnte aus finanziellen Gründen nochmal hinterfragt werden. „Das halten wir für falsch.“
Linie 16 soll mit neuem Konzept nur noch bis Bonn Hauptbahnhof fahren
Als „mangelnde Verwaltungsorganisation“ kritisiert der SPD-Politiker Otis Henkel aus Wachtberg die Situation. „Bereits jetzt haben die Linien 16, 18 und 63 mit hoher Unpüntklichkeit zu kämpfen.“ Diese würden mit den Maßnahmen des Zielkonzepts reduziert. „Auf diese Verbesserungen müssen Pendlerinnen und Pendler nun mindestens noch ein Jahr länger warten.“
Die Linie 63 ist ein Übergangsangebot zwischen Tannenbusch und Bad Godesberg in Bonn. Dieses soll bis zur Einführung des Stadtbahnzielkonzepts weitergeführt werden. Dafür fährt die 63 montags bis freitags zwischen 6.30 Uhr und 9.30 Uhr sowie von 15.30 bis 20 Uhr verstärkt, vormittags in einem 20-20-30-Minuten-Takt und nachmittags in einem glatten 20-Minuten-Takt. Ebenfalls soll die Linie 16 bis Ende 2027 weiterhin bis Bad Godesberg fahren, teilt die Stadt Bonn mit.
Grüne im Kreis sehen keine Nachteile für Rhein-Sieg
Die linksrheinische Linie 16, die zurzeit noch aus Köln über Wesseling nach Bad Godesberg in Bonn fährt, soll laut Stadtbahnzielkonzept dann verkürzt werden und am Bonner Hauptbahnhof enden. Damit erhofft man sich, die teils großen Verspätungen aus Köln zu reduzieren.
Auch in der FDP-Fraktion des Kreistags ist die Entscheidung mit Verwunderung aufgenommen worden. „Ich bin verwundert über die Verschiebung um ein Jahr, obwohl es ja eine klare Beschlussvorlage dazu gibt“, sagt Friedrich-Wilhelm Kuhlmann, der für die FDP unter anderem im Verkehrsausschuss des Kreises sitzt. Verkehrstechnisch sei das Konzept seiner Meinung nach ausgereift, es seien sich viele Gedanken darüber gemacht worden. Auch Kuhlmann vermutet Sparzwang als Grund für die Verschiebung. Die SWB seien angehalten zu sparen. „Und natürlich ist Finanzierbarkeit ein Thema. Da müssten eigentlich alle ÖPNV-Linien mal auf den Prüfstand,“ so Kuhlmann.
Es ist niemandem geholfen, wenn mit einer Einführung dieses Jahr Probleme auftreten, weil noch nicht alles ausreichend abgeklärt ist.
Björn Franken, Fraktionsvorsitzender der CDU, beschreibt die Verschiebung auf Anfrage als durchaus „ärgerlich“. Aber es gebe ja offenbar mehr Abstimmungsbedarf, sei der Mitteilung der Verwaltungen zu entnehmen. Es könne nur helfen, sich noch intensiver auszutauschen. „Es ist niemandem geholfen, wenn mit einer Einführung dieses Jahr Probleme auftreten, weil beispielsweise bei der Infrastruktur noch nicht alles ausreichend abgeklärt ist“, so Franken.
Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Ingo Steiner sieht bei der Verschiebung für die Einführung des Stadtbahnzielkonzepts zunächst keine Nachteile für den Rhein-Sieg-Kreis. „Die Verschiebung ist zwar nicht schön, aber aus Kreissicht können wir damit leben. Im Wesentlichen sollen mit dem Konzept ja zunächst einmal die Verbesserungen der Linien zwischen Bad Godesberg und Bonn Hauptbahnhof erreicht werden,“ sagte er auf Anfrage der Redaktion.
Es gebe außerdem noch Verbesserungsbedarf beim Sicherstellen von guten Anschlussverbindungen der künftigen Linien 66 und 67 in Bonn für Pendlerinnen und Pendler aus Bad Honnef und Königswinter sowie aus Siegburg. „Wir hoffen, dass das Jahr Zeit dabei hilft“, so Steiner. Auch für Reisende aus dem linksrheinischen Bornheim und Alfter müsse es vernünftige Anschlüsse geben, wenn die Linie 16 bis Bonn Hauptbahnhof verkürzt werde.
