Die neuen vollelektrischen 40-Tonner ermöglichen emissionsfreie und leise Transporte.
PilotprojektKölner HGK nimmt erstmals zwei Elektro-Lkw in Betrieb

Die Zukunft fährt elektrisch: einer der beiden neuen E-Lkw der HGK.
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Der Kölner Logistikdienstleister „HGK Logistics and Intermodal“ will in Zukunft flächendeckend Elektro-Lkw einsetzen. Am Freitag nahm das Unternehmen erstmals zwei batterieelektrische Sattelzugmaschinen in Betrieb. Es handelt sich um 40-Tonner vom Typ Volvo FH electric mit einer Leistung von 490 Kilowatt (666 PS). Ausgestattet mit sechs Batterien mit einer Kapazität von 540 Kilowattstunden, haben sie mit Auflieger eine Reichweite von bis zu 300 Kilometern. Mit einem Powercharger können die Akkus in rund 2,5 Stunden vollständig aufgeladen werden.
„Die Stadt Köln soll bis 2035 klimaneutral werden. Das ist eine große Herausforderung, der wir uns als Unternehmen verpflichtet fühlen. Die Inbetriebnahme der E-Lkw ist daher ein weiterer Schritt hin zu mehr grüner Logistik“, betonte Markus Krämer, CEO der HGK Logistics and Intermodal. Sie ist ein Tochterunternehmen der Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK), die zu den Kölner Stadtwerken gehört.
Eingesetzt werden die neuen E-Lkw ab nächster Woche in Baden-Württemberg. In Ladenburg betreibt die HGK Logistics and Intermodal ein Logistikzentrum – ganz in der Nähe der Industriestandorte Mannheim und Ludwigshafen. Hier fahren die E-Lkw künftig im Pendelverkehr zwischen der Produktionsstätte eines Pharmaherstellers und dem Logistikzentrum der HGK. Die Transporte sind temperaturgeführt, die Auflieger mit einem Kühlaggregat ausgestattet

Strom statt Diesel: Markus Krämer, CEO von HGK Logistics and Intermodal, zeigt den Ladestecker für den neuen Elektro-Lkw.
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Durch die beiden emissionsfreien Fahrzeuge sollen pro Jahr mehr als 40 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. Man habe sich für den Standort Ladenburg entschieden, weil dort bereits nachhaltig erzeugter Strom aus eigener Produktion zur Verfügung steht, sagte Krämer.
Förderung vom Bund
2022 hatte die HGK gemeinsam mit dem Kölner Versorger Rheinenergie, der ebenfalls zu den Stadtwerken gehört, auf drei Hallen des Logistikzentrums in Ladenburg eine Photovoltaik-Anlage installieren lassen. Sie produziert jährlich bis zu 3,6 Gigawattstunden Ökostrom und spart so rund 1800 Tonnen CO2 ein. Da die Lkw täglich bis zu achtmal zwischen Kunde und Lager hin und her fahren, können die Batterien zwischendurch im Logistikzentrum nachgeladen werden. Die E-Lkw sind im Betrieb nicht nur emissionsfrei, sondern auch extrem leise.
Das Bundesverkehrsministerium hat die Anschaffung der beiden Elektro-Lkw und der Ladeinfrastruktur mit 394 000 Euro gefördert. Ohne die Förderung wäre das Projekt wirtschaftlich bisher nicht darstellbar, denn die E-Lkw kosten mit einem Listenpreis von rund 400 000 Euro in etwa das Dreifache eines vergleichbaren Diesel-Lkw.
Durch die Nutzung eigenen Solarstroms sei aber ein wirtschaftlicher Betrieb möglich, erläuterte Krämer. Nach seiner Einschätzung werden E-Lkw in einigen Jahren wettbewerbsfähig gegenüber Diesel-Lkw sein. Dazu brauche es jedoch höhere Stückzahlen. Wichtig sei auch das Engagement der Kunden, die mit nachhaltigen Transporten ihre eigene Öko-Bilanz verbessern können. Für die Lkw von Volvo habe man sich entschieden, weil diese bereits seit drei Jahren auf dem Markt seien und ihre Praxistauglichkeit unter Beweis gestellt hätten.
Projekt soll als Blaupause für andere Verkehre dienen
Das Projekt in Ladenburg soll nur der Anfang sein. „Wir sind guter Dinge, dass wir diese Blaupause nun gemeinsam auf viele Standorte der HGK-Gruppe übertragen können“, erklärte Andreas Feicht, Chef der Rheinenergie und der Stadtwerke Köln.
Dabei nimmt die HGK unter anderem den im Bau befindlichen Logistikcampus „Fusion Cologne“ im Kölner Norden sowie den Niehler Hafen in den Blick. Bei Letzterem sei man bereits in Gesprächen mit einem Anbieter, der die entsprechende Infrastruktur aufbauen könnte, sagte Krämer. Durch die Umstellung der rund 90.000 Containertransporte pro Jahr von und zu den Hafenstandorten der HGK-Gruppe von Diesel auf Elektro-Antrieb ließen sich jährlich 4350 Tonnen CO2 einsparen. Allein im Containertransport der HGK am Niehler Hafen kämen pro Jahr zwei Millionen Lkw-Kilometer zusammen. Hier wolle man sukzessive auf emissionsfreie Antriebe umstellen. Dafür müssten aber die Rahmenbedingungen stimmen.
Elektrische Lastwagen
4600 E-Lkw hat Volvo nach eigenen Angaben bis Ende 2023 weltweit ausgeliefert. Deutschland ist der zweitgrößte Markt des Herstellers. Auch Mercedes-Benz, MAN, DAF, Renault und Scania bieten vollelektrische Lastwagen an. Nur 2,1 Prozent der 3,74 Millionen in Deutschland zugelassenen Lastwagen werden bisher elektrisch angetrieben. Im laufenden Jahr werden in Deutschland laut Prognosen voraussichtlich rund 1600 E-Lkw über 16 Tonnen zugelassen. (fu)

