Die Technik im Opernhaus bereitet Probleme. Wie groß sie sind, sagen die Bühnen nicht.

Kölner OperBühnen sabotieren ihren Neustart

Blick auf das sanierte Opernhaus
Copyright: Costa Belibasakis
Der Bühnen-Neustart am Kölner Offenbachplatz nach 14 Jahren wird schon im Vorfeld überschattet – und die Bühnen-Verantwortlichen allein haben das zu verantworten.
Obwohl Opernintendant Hein Mulders die Probleme mit der Technik am Eröffnungswochenende selbst publik gemacht hatte, verweigern die städtischen Bühnen eine professionelle Kommunikation dazu. Stattdessen lassen sie bis zum Eröffnungstag am Donnerstag offen, wie eingeschränkt der Bühnenbetrieb ist und wie die Probleme sich auf den Spielbetrieb auswirken.
Anstatt am Mittwoch die Fragen dieser Redaktion dazu zu beantworten, haben sie tatsächlich für den Tag des Eröffnungsaktes zum Pressegespräch eingeladen – drei Stunden, bevor im Opernhaus die ersten Gäste den Roten Teppich betreten sollen. Dadurch rückt der Festakt ein gutes Stück in den Hintergrund.
Kommunikativer GAU
Häufig heißt es, solche Absurditäten gebe es nur in Köln, und häufig ist das übertrieben. In diesem Fall nicht.
Das Verhalten der Bühnen als städtischem Eigenbetrieb fällt auch auf die Stadtverwaltung und Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) zurück, die das laufen lassen. Seit Mulders am Wochenende gegenüber dem „Deutschlandfunk“ ganz offen über die Probleme gesprochen hat, muss doch klar gewesen sein, dass sich ein kommunikativer GAU anbahnt. Er sagte über die Probleme sogar: „Das muss ich auch ehrlich sagen.“
Auf Nachfrage bestätigten die Bühnen am Dienstag nichts davon, sprachen nur davon, dass solche Probleme „realistisch“ seien. Das wirkt alles andere als transparent.
Mulders wird bloßgestellt
Das muss man sich mal vorstellen: Ein städtischer Eigenbetrieb bestätigt nicht mal, was der eigene Intendant zuvor offen ausgesprochen hat. Mulders wird dadurch bloßgestellt. Selbst die abgesagte Vorführung der Technik am Wochenende bestätigen die Bühnen nicht. So als dürfe nicht sein, was die Bühnen nicht wollen.

Opernintendant Hein Mulders.
Copyright: Michael Bause
Über die Beweggründe für die Kommunikations- und Transparenzverweigerung kann man nur spekulieren, sie erscheinen aber offensichtlich: Die Bühnen wollen in der Eröffnungswoche keine schlechten Nachrichten produzieren. Aber die Probleme sind ohnehin öffentlich bekannt. Dazu hätten sie auch ohne Mulders’ Äußerung im Vorfeld eine Strategie für die Öffentlichkeit entwickeln können, sogar müssen.
Der Eindruck ist: Köln wieder, die können es nicht
So ist der Eindruck pünktlich zur lang ersehnten Eröffnung: Köln wieder, die können es nicht. 14 Jahre Sanierung und Planungs- und Baukosten von 798,6 Millionen Euro reichen dieser Stadt offenkundig nicht, um eine fehlerfrei arbeitende Bühnentechnik im Opernhaus hinzubekommen.
Das Pikante daran: Die Technik sollte im Sanierungsdrama als positive Ausnahme dienen, dass doch nicht alles länger dauert und nicht funktioniert. Der damalige technische Betriebsleiter Bernd Streitberger sagte 2017: „Wir wollen auch mal etwas zeigen, was gelungen ist.“
Die Sanierung selbst hat bis heute hunderte Millionen Euro gekostet und, fast noch schlimmer, viel Vertrauen. Trotzdem haben die Bühnen daraus nicht gelernt und sabotieren selbst ihren eigenen Neustart. Es ist nicht zu glauben.
