Altstadt, AWB und Ordnungsamt blicken größtenteils positive auf die Silvesternacht. Der Rheingarten bleibe jedoch eine „Gefahrenzone“.
Bilanz nach Silvester„Die Situation war eindeutig besser“ – Diskussion um Feuerwerk in der Altstadt

Der Rheingarten war auch zu Silvester 2025 gut besucht. Laut der Bürgergemeinschaft Altstadt seien es allerdings weniger Feiernde gewesen, als in den Vorjahren.
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Das Fazit am Neujahrstag ist deutlich: „Die Lage hat sich insgesamt beruhigt“, sagt der Vorsitzende der Bürgergemeinschaft Altstadt, Dr. Joachim A. Groth. Seit Jahren ist das Rheinufer zwischen Deutzer Brücke und Hohenzollernbrücke an Silvester voll von Leuten, die mit eigenem Feuerwerk das neue Jahr begrüßen. Noch im vergangenen Jahr hatte die Bürgergemeinschaft der Stadt nach der Silvesternacht „Handlungsunfähigkeit“ unterstellt. Die Böllerverbotszone, die das Zünden und Mitführen von Pyrotechnik mit ausschließlicher Knallwirkung untersagt, sei nicht genug kontrolliert worden.
Nach Silvester 2025 klingt die Bilanz des Vereins deutlich positiver. „Im Vergleich zu den vergangenen zehn Jahren wurde in der Silvesternacht weniger geknallt. Überraschenderweise war um 1 Uhr größtenteils schon alles vorbei. Auch in den Stunden danach konnten wir kein Feuerwerk mehr feststellen. Die Situation war also eindeutig besser“, sagt Groth. „Im vergangenen Jahr gab es am Neujahrstag eine Protestwelle der Mitglieder der Bürgergemeinschaft. Es gingen den ganzen Tag Anrufe bei uns ein.“ Das sei dieses Jahr nicht der Fall gewesen.
Nicht nur weniger Feuerwerk, sondern auch deutlich weniger Menschen seien in der Altstadt zu sehen gewesen. Dazu könnten die gesteigerten Sicherheitsmaßnahmen geführt haben: „Das Polizeiaufgebot war groß und ist im Vergleich zum vergangenen Jahr nach unserem Empfinden noch einmal gewachsen“, sagt Groth. „Bemerkenswert“ fand er den Besuch von Oberbürgermeister Torsten Burmester, der an der Seite von Polizei und Ordnungsamt an Silvester in der Altstadt unterwegs war.
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AWB vermeldet Rückgang von Müll

Rund 200 Mitarbeitende der AWB seien an Neujahr ausgerückt, um die Innenstadt und andere Veedel zu reinigen, wie ein Sprecher erklärt.
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Positiv sieht der Vorsitzende auch den Umgang mit dem Müll, der durch das Feuerwerk anfällt. „Wir müssen der Stadt ein Lob aussprechen. Die Abfallwirtschaftsbetriebe haben ihre Maßnahmen intensiviert und sind permanent unterwegs. Es ist kaum noch Müll zu sehen.“ Das spiegelt auch die vorläufige Bilanz der AWB. Abgeschlossen waren die Reinigungsarbeiten am Freitagmittag noch nicht. „Die Böllerverbotszone im linksrheinischen Teil der Innenstadt hat anscheinend Wirkung gezeigt“, sagt ein Sprecher.
„Dort wurde deutlich weniger draußen gefeiert, was sich auch in einem geringeren Müllaufkommen widerspiegelt. Außerhalb der Innenstadt wurde hingegen mehr gefeiert, wodurch dort wahrscheinlich mehr Abfälle angefallen sind. Insgesamt geht die AWB jedoch von einem Rückgang des Silvestermülls im Vergleich zum Vorjahr aus.“
Schon in der Silvesternacht seien rund 45 Mitarbeitende unterwegs gewesen, um die Brücken und wichtigsten Hauptverkehrsstraßen der Domstadt von liegen gebliebenen Abfällen zu befreien – eine Maßnahme, die der Verkehrssicherheit diente. „Am Neujahrstag rückten dann rund 200 Kolleginnen und Kollegen der Stadtreinigung aus, um die Hotspots der Innenstadt und anschließend die übrigen Kölner Stadtviertel zu reinigen.“
Ordnungsamt spricht abgesehen von Zwischenfall am Stapelhaus von ruhiger Silvesternacht
Das städtische Ordnungsamt spricht von einer ruhig verlaufenen Silvesternacht. Wie berichtet, gab es lediglich einen Zwischenfall im Bereich des Stapelhauses in der Altstadt. Mitarbeitende des Ordnungsamtes waren dort gezielt mit Böllern beworfen worden, dabei gab es keine Verletzungen. Die Polizei stellte die Personalien der Personen fest, laut Stadt müssen diese mit Anzeigen rechnen.
Der neue Leiter des Ordnungsamts, Dirk Käsbach, hat sich in der Silvesternacht selbst ein Bild von der Lage gemacht. Er erklärte: „Ich freue mich, dass Kölnerinnen und Kölner und Besuchende das neue Jahr zwar laut und bunt, aber vorwiegend friedlich begrüßt haben. Schön, dass sich die meisten dabei an die Regeln gehalten und in den Böllerverbotszonen nicht geböllert haben. Auch wurden in diesem Jahr nach jetzigem Stand keine Fahrzeuge beschädigt. Besonders freue ich mich, dass unsere Mitarbeitenden, die sich ja alle freiwillig zum Silvesterdienst melden, unverletzt geblieben sind.“
Im Rahmen des gesetzlichen Jugendschutzes sprachen Mitarbeitende des Ordnungsdienstes 65 Mal mit jungen Kölnerinnen und Kölnern. In 31 Fällen gaben die Angesprochenen mitgebrachten Alkohol oder Tabak freiwillig ab, in zwei Fällen wurde Tabak sichergestellt, teilt die Stadt mit.
Rheingarten bleibt laut Bürgergemeinschaft „Gefahrenzone“

Zwar lief es im Rheingarten laut der Bürgergemeinschaft Altstadt ruhiger ab als sonst, Raketen wurden jedoch trotzdem nah an der Menschenmenge gezündet.
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Auch Groth hat von dem Zwischenfall am Stapelhaus gehört: „Angriffe auf Ordnungskräfte sind erschreckend. Das ist eine Form der Aggression, die sprachlos macht“, sagt der Vorsitzende der Bürgergemeinschaft Altstadt. Der Jurist lebt nur rund 50 Meter vom Rheingarten entfernt – dem Hotspot der Silvesternacht in der Altstadt. Dort befindet sich auch das Stapelhaus.
Wenn die Bürgergemeinschaft sich in der Silvesternacht einen Überblick der Lage verschafft, meide sie diesen Bereich. „In die Gefahrenzone gehen wir nicht“, sagt Groth. Auch nicht, als die Lage dort in diesem Jahr erstmals entspannter war. „Dort muss man jederzeit damit rechnen, von Feuerwerk getroffen zu werden. Oft beobachten wir, dass Leute ihre Raketen in den Rasen stecken. Deshalb zünden sie dann schräg oder fliegen nur wenige Meter hoch.“
Diskussion um Verbot von Feuerwerk in der Altstadt

Rund um den Dom waren jegliche Feuerwerkskörper verboten. Wenn es nach dem Bürgerverein Altstadt geht, sollte auch Groß St. Martin geschützt werden – vielleicht auch durch eine solche Verbotszone.
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Für die Bürgergemeinschaft bleibt eine Frage trotz positiver Entwicklungen bestehen. Ist das Rheinufer der Altstadt überhaupt geeignet für ein Feuerwerk auf engstem Raum, wie es aktuell stattfindet? Laut Groth spricht einiges dagegen. „Erstens befindet sich dort mit dem Rheingarten ein Landschaftsschutzgebiet. Und zweitens ist das Böllern an Kirchen laut Sprengstoffgesetz eigentlich verboten.“
Direkt neben Groß St. Martin nahe dem Fischmarkt seien wieder Feuerwerkskörper gezündet worden, die bis an die Türme geflogen seien. „Der Fall der abgebrannten Kirche in Amsterdam, sollte uns ein lehrreiches Beispiel sein. Zwar wird der Dom geschützt, aber auch Groß St. Martin hat eine große Strahlkraft in Köln und ist schützenswert.“
Hinzu kommt laut Groth der gewachsene Sicherheitsaufwand, um die Altstadt zu schützen. Das führe zu erheblichem zeitlichen und finanziellen Aufwand für Stadt und Polizei. „Die Lage hat sich in diesem Jahr zwar etwas entspannt, aber die Grenze ist für die Altstadt an Silvester schon lange erreicht“, sagt er.
