Mit dem Müllemer Böötche unterwegs: Die Rundschau-Altenhilfe hat zu einer unterhaltsamen Schifffahrt eingeladen.
Fahrt auf dem RheinHeidewitzka, Herr Kapitän!

Eine Fahrt auf dem Rhein - ganz wie mit dem berühmten Müllemer Böötche. Die Rundschau-Altenhilfe hat eingeladen.
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Das Geburtstagskind hat die Abfahrt verpasst. „Dabei habe ich extra noch eine Krone gebastelt“, sagt Andrea Skroch, Koordinatorin des Seniorennetzwerks Höhenberg. 95 Jahre sollten gefeiert werden, „aber die hat wohl jemanden getroffen und sich verquatscht.“ Macht nichts, die Frauen aus Höhenberg haben trotzdem ihren Spaß. „Heidewitzka, Herr Kapitän!“, stimmen sie fröhlich an, „Mem Müllemer Böötche fahre mir su jähn“.
Die MS Willi Ostermann dreht vor der Mülheimer Brücke
Das Lied vom Müllemer Böötche hatte sich Julia Heinen, Vorsitzende der Rundschau-Altenhilfe, in ihrer Begrüßung gewünscht. Jedes Jahr lädt DIE GUTE TAT e.V. Seniorinnen und Senioren zu einer Schifffahrt auf den Rhein ein. Und auch wenn die MS Willi Ostermann nicht in Mülheim starten kann - den Anleger dort gibt es nicht mehr - , so fährt sie doch nach einer Tour in den Kölner Süden auf dem Rückweg einmal bis zur Mülheimer Brücke.

Ganz schön steil, der Weg aufs Schiff. Der Rhein führt wenig Wasser.
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Start- und Endpunkt ist der Anleger 8 in Höhe vom Musical Dome. Nachdem der Weg über steile die Gangway geschafft ist, verteilen sich die Gäste schnell über Ober- und Unterdeck. Auf einen „schönen Nachmittag unter Leuten“ freut sich die 77-jährige Erika Gehlen, „sonst ist man ja immer allein“. Und auch die 85-jährige Renate Talby erwartet „einfach einen schönen Nachmittag. Und man trifft sich dabei.“
Viele Teilnehmerinnen über Kölner Seniorennetzwerke
Sie ist mit dem Seniorennetzwerk Neustad-Süd gekommen. „Wir sind selbstorganisiert seit Januar“, erzählt Edeltraud Stecher (72) voll Stolz. So sieht es das Konzept der Stadt Köln vor: Beim Aufbau hilft eine von der Stadt finanzierte Stelle, dann übernehmen die Seniorinnen und Senioren selbst. Edeltraut Stecher und ihre Mitstreiterinnen sind eifrig dabei, organisieren Ausflüge, bieten Boule und eine Spielegruppe und laden einmal im Monat zum Offenen Treff. Dort erzählten sie auch von dem Angebot der Rundschau-Altenhilfe, mit dem Schiff auf dem Rhein zu fahren.

Schifffahrt auf dem Rhein: Zum Kaffee gibt's Waffeln mit Sahne und Eis.
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„Ich finde es großartig, das die Altenhilfe so etwas finanziert“, sagt Marlies Korte (79) bei Kaffee und Waffel mit Eis. Auch sie ist hauptsächlich „wegen der Geselligkeit“ dabei, „man muss doch sehen, dass man unter Leute kommt“. Dieser Ausflug sei eine gelungene Abwechslung: „Das ist doch was Schönes, auf dem Schiff!“
Das findet auch Fatma Dik-Thiel vom Vingster Treff, die mit mehreren Frauen aus Kalk gekommen ist. Und sie weiß: „Es gibt Menschen, die noch nie eine Schifffahrt gemacht haben!“ Besonders die möchte sie mit der Einladung der Rundschau erreichen: „Es ist so wichtig, etwas anderes zu sehen und zusammen zu kommen.“
Gelungene Abwechslung zum Alltag im Pflegeheim
Für Gisela Wahle war schon die Fahrt zum Anleger eine willkommene Abwechslung. Die 90-jährige lebt seit einem Jahr in einem Pflegeheim der Diakonie Michaelshoven. Sie hat sich gefreut, dort mal herauszukommen, „ich merke, wie mir das fehlt“. Auf dem Weg durch die Innenstadt seien viele Erinnerungen hochgekommen, „das tut einerseits gut, macht aber andererseits auch wehmütig“. Ihre Sitznachbarin Erika Benedix (92) genießt die Fahrt auf dem Rhein: „Ich weiß ja nicht, wie lange ich das noch kann. Umso gieriger bin ich darauf, alles mitzumachen.“

Mit dem Altenhilfe-Auto kamen die Teilnehmer vom Präses-Held-Haus der Diakonie Michaelshoven.
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An einem anderen Tisch unterhalten sich zuvor einander unbekannte Damen und Herren eine markante Häuserreihe am Ufer. „Wissen Sie, warum es das Siebengebirge genannt wird? Sind doch neun Giebel.“ Wolfgang Sbresny (86) weiß es: „Von der anderen Seite gesehen sind es nur sieben.“ Wieder was gelernt. Sbresny ist mit einer Bekannten von Kölsch Hätz gekommen. Er und Dorothea Kaste haben sich in einem Dünnwalder Begegnungscafé kennengelernt und so gut verstanden, dass die 65-Jährige über die Nachbarschaftshilfe Kölsch Hätz eine Besuchspartnerschaft mit dem älteren Herrn eingegangen ist. Regelmäßig unternehmen sie etwas zusammen – „Zweimal waren wir schon im Phantasialand“, erzählt sie stolz, „und beim zweiten Mal ist er mit mir auch auf die Schwarze Mamba gegangen.“ Wolfgang Sbresny sagt mit einem Augenzwinkern: „Mit geht es ganz schön gut mit ihr – aber sie sagt immer, was ich tun soll.“
Ein paar Gespräche noch, und schon haben wir die Mülheimer Brücke erreicht, machen noch einmal kehrt und legen wieder an. Beim Abschied stellt sich heraus, dass es doch ein Geburtstagskind an Bord gab: Marnie Maker wird an diesem Tag 74 und ist mit ihrem Mann auf dem Schiff gewesen. Ein toller Geburtstag, findet sie: „Besser konnte es doch gar nicht gehen!“