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„Es braucht Mut und Elan“Julie Cazier ist neue Bezirksbürgermeisterin der Kölner Innenstadt

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Julie Cazier ist neue Bezirksbürgermeisterin der Kölner Innenstadt.

Julie Cazier ist neue Bezirksbürgermeisterin der Kölner Innenstadt.

Die Grüne Julie Cazier ist die Nachfolgerin von Andreas Hupke, der 20 Jahre lang Bezirksbürgermeister in der Kölner Innenstadt war.

Stabwechsel in der Bezirksvertretung Innenstadt (BV): 20 Jahre lang hat Andreas Hupke (75) als Bezirksbürgermeister das Gremium geleitet. Am Dienstag wurde Julie Cazier (54, Grüne) im Ratssaal neu in das Amt gewählt und anschließend vereidigt. Sie erhielt 14 von 19 gültigen Stimmen, es gab vier Nein-Stimmen und eine Enthaltung. Cazier sagte, sie wolle das Amt „mit Mut, Entschlossenheit, Empathie und Haltung“ ausüben. Zu ihren Stellvertretern wurden Alicem Polat (SPD) und Hajra Munir Khawaja (Linke) gewählt.

Die 19 Sitze in der BV sind seit der Kommunalwahl am 14. September wie folgt verteilt: Grüne 7, SPD 3, CDU 3, Linke 3, FDP 1, AfD 1, Volt 1. Damit reichen den Grünen drei zusätzliche Stimmen für eine Mehrheit. Sie haben kein festes Bündnis geschmiedet, sondern wollen mit offenen Mehrheiten arbeiten.

In der vergangenen Wahlperiode war Julie Cazier Fraktionsvorsitzende der Grünen in der BV und stellvertretende Bezirksbürgermeisterin. Die Deutsch-Französin wurde 1971 in der Nähe von Rouen geboren und wuchs ab 1981 in West-Berlin auf. Sie studierte Politik- und Sozialwissenschaften in Berlin und Paris und war anschließend in verschiedenen Positionen im Bereich Öffentlichkeitsarbeit, Verlagswesen und politische Bildung tätig. Seit 2022 ist sie Geschäftsführerin der Kreistagsfraktion der Grünen im Rhein-Kreis-Neuss, sie arbeitet in Teilzeit auf einer Dreiviertelstelle.

Julie Cazier: „Ich möchte für die Menschen da sein, die hier leben“

Cazier lebt seit 1998 in der Kölner Südstadt. Sie ist Mutter einer Tochter (27) und eines Sohnes (23). 2019 trat sie bei den Grünen ein, seit vier Jahren ist sie Mitglied der BV Innenstadt und Sachkundige Einwohnerin im Gleichstellungsausschuss des Stadtrats.

Sie freue sich sehr auf ihre künftigen Aufgaben, sagte Cazier der Rundschau. „Als Bezirksbürgermeisterin bin ich gewählt, um mich für die Interessen der Menschen einzusetzen, die in der Kölner Innenstadt wohnen und arbeiten.“ Jeder sei in der Innenstadt willkommen, um dort seine Freizeit zu verbringen, einzukaufen und zu feiern, doch die Bedürfnisse der Einwohner dürften nicht vergessen werden. „Ich möchte für die Menschen da sein, die hier leben“, betont Cazier.

Zu den zentralen Themen, die sie anpacken wolle, gehöre insbesondere die Bewältigung der Probleme mit Drogen, Kriminalität und Verwahrlosung am Neumarkt und anderen Brennpunkten. „Der neue Oberbürgermeister Torsten Burmester hat sich ja eindeutig dazu geäußert, dass ihm dieses Thema sehr wichtig ist und er hier schnell zu Lösungen kommen möchte. Meine Fraktion und ich sehen das genauso und stehen für Gespräche bereit.“

Mehr unternehmen müsse die Politik auch gegen die Vermüllung der Innenstadt, wichtig seien dabei nachhaltige Lösungen, so Cazier. Sie wolle sich allgemein für mehr Lebensqualität für die Menschen einsetzen und verweist dabei vor allem auf die Themen Klimaschutz, Verkehr und Soziales. „Neben langfristig wirkenden Klimaschutzprojekten braucht Köln mehr konkrete Maßnahmen für den Hitzeschutz im Sommer, insbesondere Baumpflanzungen und Begrünungen.“ Die Verkehrswende müsse konsequent vorangetrieben werden, mit einer Stärkung von Bus, Bahn und Radverkehr sowie einer Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs. „Das ist die Grundvoraussetzung für mehr Klimaschutz, Flächengerechtigkeit und eine lebenswerte Stadt.“

Grüne Bezirksbürgermeisterin hofft auf gute Zusammenarbeit mit neuem OB

Wichtig sei ihr auch das Thema der jugendgerechten Stadt, deren Zukunft junge Menschen aktiv mitgestalten können, so Cazier. „In Köln gibt es sehr viele Bildungseinrichtungen und hier leben sehr viele Studierende und andere junge Leute. Denen müssen wir öffentliche Räume bieten und ein attraktives Umfeld, damit sie sich entscheiden, auf Dauer in der Stadt zu bleiben und zu arbeiten. Das ist auch ein Wirtschaftsfaktor für Köln.“ Dazu zähle eine ausreichende Versorgung mit bezahlbarem Wohnraum.

Die Grüne hofft auf eine gute Zusammenarbeit mit OB Torsten Burmester (SPD). „Er ist neu im Amt, ich bin neu im Amt. Ich habe ihn schon kurz kennengelernt und bin sehr zuversichtlich. Es ist wichtig, dass alle Ebenen gut zusammenarbeiten, wenn wir die Stadt voranbringen wollen – die Bezirksvertretungen, die Ratsfraktionen und der OB.“

Angesprochen auf den Umstand, dass der Rat in der Vergangenheit wiederholt Entscheidungen der BV an sich gezogen hat, betont Cazier: „Ich trete meine neue Aufgabe selbstbewusst an und werde Konflikte nicht scheuen. Wir wollen die BV stärken und in der Öffentlichkeit stärker deutlich machen, was die BV ist, welche Aufgaben und Zuständigkeiten sie hat. Wir werden dafür kämpfen, dass wir im Rat mehr Gehör finden und dass die Verwaltung unsere Beschlüsse auch umsetzt.“

Die vielen Probleme mit Drogenelend, Obdachlosigkeit, Verwahrlosung und Vermüllung im Bezirk Innenstadt sieht Cazier nicht als eine erdrückende Belastung, sondern als Herausforderung und Ansporn. „Das ist kein Schicksal, dem wir hilflos ausgeliefert sind. Wir haben Optionen, wir können handeln, wir müssen priorisieren. Es braucht Mut und Elan, sich an die Probleme heranzutrauen – und das habe ich vor.“ Ihre berufliche Tätigkeit als Grünen-Geschäftsführerin werde sie parallel zu ihrem Ehrenamt als Bezirksbürgermeisterin fortführen, erklärt Cazier. „Ich halte es für ein gutes Signal, wenn eine berufstätige Frau ein solches Ehrenamt ausüben möchte.“