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Krieg auf dem SchulhofKölner Autor schreibt berührendes Jugendbuch

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Ein Mann mit Kappe und Brille sitzt auf einer Bank. Vor ihm auf dem Tisch liegt sein neues Buch „Front“.

Rüdiger Bertram möchte mit seinen Werken das Abenteuer des Geschichtenerzählens und Lesens aufrechterhalten.

In „Front“, dem neuen Roman von Jürgen Bertram geht es um die Komplexität von Feindschaft, Freundschaft und falsch verstandenem Heldentum.

„Auf meinen Lesereisen habe ich zu Beginn des Angriffskriegs auf die Ukraine in den Schulen oft gehört, dass sich der Krieg auch auf den Schulhöfen fortgesetzt hat. Zwischen Kindern, deren Eltern als Spätaussiedler aus Russland kamen, und den Kindern, die mit ihren Müttern aus der Ukraine geflohen waren. Darüber wollte ich schreiben und so entstand ‚Front‘“, berichtet Rüdiger Bertram. Der Kölner Autor, der mit seinen Kinder- und Jugendbüchern wie etwa „Der Pfad“ oder „Ninas Monster“ bekannt wurde, schreibt seinen Protagonisten Adam und Zero keine Nationalität zu.

Adam und Zero reisen in ihr Land, um zu kämpfen

Die Jugendlichen sind mit ihren Familien nach Deutschland geflohen und verfolgen aus der Ferne das Leid und Massensterben in ihrer Heimat. Aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu jeweils einer der Kriegsparteien übernehmen die Teenager das Feindbild und tragen in der gemeinsam besuchten Schule ihre gewalttätigen Fehden aus. Beide beschließen unabhängig voneinander, ins Kriegsgebiet zu reisen und dort für ihr Vaterland an der Seite ihrer erwachsenen Geschwister zu kämpfen. Adam und Zero geraten bei der Umsetzung ihrer naiv-romantischen Helden-Vorstellung unfreiwillig in den gleichen Hilfstransporter Richtung Front und müssen notgedrungen temporär Waffenstillstand schließen. Während des beschwerlichen Roadtrips zur Front offenbaren sie ihre Emotionen.

Ich möchte den jungen Leuten mit kurzen Sätzen entgegenkommen, anstatt sie mit allzu literarischer Sprache abzuschrecken.
Rüdiger Bertram

Um seine Zielgruppe zu erreichen, geht der Autor unkonventionell vor: Bertram vermeidet lange Beschreibungen. Die Kapitel wirken übersichtlich mit einem relativ geringen Quantum an Text, der zudem Raum für Reflektionen bietet. Die Worte wird durch die Schwarz-weiß-Bebilderungen von Comic-Zeichner Heribert Schulmeyer ergänzt. „Ich möchte den jungen Leuten mit kurzen Sätzen entgegenkommen, anstatt sie mit ausufernden Passagen abzuschrecken. Dabei vermeide ich jedoch die Jugendsprache, denn das wäre einfach nur peinlich. Außerdem hängt man dabei immer zwei bis drei Jahre zurück“, erklärt der 59-Jährige, dem auf seinen bis zu 200 Auftritten pro Jahr die Vermittlung von Lesefreude wichtig ist.

Die Entstehung des neuen Buches wurde durch ein Stipendium des Kölner Literaturhauses unterstützt. Die Tendenz zur Einsparung von Fördergeldern im Kunst- und Kulturbereich sieht Bertram kritisch: „Ich bin in der glücklichen Situation, nicht mehr davon abhängig zu sein, aber für junge Autoren wird es zukünftig noch schwieriger, sich auf dem Buchmarkt zu etablieren. Sie müssen umso mehr Möglichkeiten zu Lesungen nutzen und ihr Netzwerk intensivieren.“


Buchdaten: „Front“, Rüdiger Bertram, Mit Illustrationen von Heribert Schulmeyer, Rotfuchs, 2026, 156 Seiten, 18 Euro, ab 12 Jahren, ISBN 978-3-7571-0232-6