Mehr als 4000 Menschen haben am Wochenende bei mehreren Demonstrationen in Köln gegen das Mullah-Regime im Iran protestiert.
Mehrere DemonstrationenTausende protestieren in Köln gegen Mullah-Regime im Iran

Schah-Sohn Reza Pahlavi soll im Iran die Macht übernehmen, forderte ein Teil der Demonstranten.
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Am Samstag verliefen die Proteste rund fünf Stunden lang überwiegend friedlich. Dann zeigte sich aber auch, wie gespalten die iranische Opposition ist. Gegen 17.20 Uhr eskalierte eine Situation auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs. Dort veranstalteten etwa vierzig Iranerinnen und Iraner mit Nationalflaggen, Fackeln, Kerzen und roten Tulpen eine Gedenkaktion für die Getöteten der Massenproteste gegen die Mullah-Diktatur.
Rund 200 abziehende Demonstranten einer Kundgebung auf dem Roncalliplatz attackierten ihre Landsleute mit aggressiven Parolen wie „Tod den Linken“. Dabei zeigten sie Bilder von Reza Pahlavi, dem ältesten Sohn des letzten Schahs von Persien. Pahlavi lebt in den USA im Exil und ruft zum Sturz der Mullahs auf. Die verbal attackierte Gruppierung, die sich selbst als demokratisch, antimonarchistisch und antifaschistisch bezeichnete, reagierte unter anderem mit „Tod den Monarchisten“. Eine Hundertschaft der Polizei musste in der aufgeheizten Stimmung eingreifen und die verfeindeten Lager auseinanderhalten.
Monarchisten fordern, dass Schah-Sohn Reza Pahlavi im Iran die Macht übernimmt
Kurz nach 13 Uhr hatten sich laut Polizei rund 700 Anhänger der iranischen Monarchie versammelt – mit etlichen Fahnen mit Löwe und Schwert, wie sie vor der Islamischen Revolution 1979 benutzt wurden. Sie zeigten Fotos von Mohammed Reza Schah Pahlewi und seiner Frau Farah und forderten die Rückkehr des „Kronprinzen“. Immer wieder wurde „Lang lebe der König“ und „Weg, weg, weg, die Mullahs müssen weg“ skandiert.

Bei den Demos gedachten Teilnehmer der vom Mullah-Regime im Iran ermordeten Menschen.
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„Wir wollen den Terror der Mullahs beenden und die Machtübernahme durch Reza Pahlavi. Nach 100 Tagen soll es ein Referendum geben. Dann können die Iraner selber entscheiden, ob sie eine Monarchie oder Demokratie wollen. Denkbar wäre eine konstitutionelle Monarchie wie in England“, sagte eine Teilnehmende der Kundgebung, die wie so viele ihren Namen aus Sicherheitsgründen nicht nennen wollte.
Wo sind hier die Linken, die für Palästina demonstrieren und die nun zum Morden der Mullahs schweigen?
Einige hatten die iranische Löwenfahne und die israelische mit dem Davidstern zusammen an einer Stange befestigt. „Israel ist das einzige Land, das uns unterstützt. Ich kann nur hoffen, dass Netanyahu bald wieder militärische Schläge anordnet“, sagte Razool aus Köln.

Demonstranten forderten „Freiheit für den Iran“ und ein Ende des islamischen Gottesstaats in dem Land.
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Darius aus Frankfurt erinnerte an die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Iran und Israel vor der Islamischen Revolution 1979. „Wo sind hier die Linken, die für Palästina demonstrieren und die nun zum Morden der Mullahs schweigen“, wollte ein Redner unter großem Beifall wissen. Zur gleichen Zeit veranstaltete ein Bündnis aus mehreren linken Gruppen eine Kundgebung mit rund 300 Teilnehmenden auf dem Heumarkt. „Frauen – Leben – Freiheit“ lautete eine Parole. „Damit sind umfassende Rechte für Frauen, selbstbestimmtes Leben und Demokratie gemeint“, erläuterte einer der Veranstalter.
Demonstranten fordern internationales Tribunal für die Verbrechen im Iran
Auf Plakaten waren Forderungen wie „Stoppt das Massaker im Iran“, „Internationales Tribunal für die Verbrechen im Iran“ und „Iranischen Botschafter ausweisen“ zu lesen. Scharf kritisiert wurde das Abschalten des Internets. „Disconnected to kill“ zeigte eine schwarz gefärbte Landkarte des Iran, aus dem Blut fließt und in dem das Mullah-Regime unbeobachtet von der internationalen Öffentlichkeit weiter morden kann.
Er hat nur ein besseres Leben für sich und Demokratie für sein Land gefordert.
Semko und Lida aus Wuppertal erzählten von zahlreichen vergeblichen Versuchen, die Familie in Teheran zu erreichen. Eine junge Frau zeigte zwei Fotos von Freunden, die nach ihren Angaben vor einigen Tagen bei Protesten erschossen wurden. „Der Jüngere war erst siebzehn Jahre alt. Er hat nur ein besseres Leben für sich und Demokratie für sein Land gefordert.“ Eine andere Demonstrierende zeigte Fotos von aufgereihten Leichensäcken mit Toten, über die sich verzweifelte Angehörige beugen. Unterschiedliche Meinungen waren über die Hilfe anderer Nationen zu hören. Auf einem Banner war zu lesen: „Iran regelt seine Angelegenheiten selber. Keine Einmischung!“ Mehrere Rednerinnen und Redner bekräftigten den Willen zum weiteren Widerstand: „Wir bleiben laut, wir kämpfen weiter. Die Mullahs müssen weg. Koste es, was es wolle.“
Am Sonntag fand auf dem Neumarkt eine weitere Demo gegen das iranische Regime statt, an der hunderte Menschen teilnahmen.
