Der Schulausschuss wird einem Verwaltungsvorschlag nicht zustimmen. Das erfuhr die Rundschau auf Nachfrage bei den Fraktionen.
Gymnasium Neustadt-NordVorschlag der Kölner Verwaltung wird Klatsche kassieren

Im Gebäude des ehemaligen Rautenstrauch-Joest-Museums am Ubierring ist das Gymnasium Neustadt-Nord vorläufig an den Start gegangen
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Wenn sich die Mitglieder des Ausschusses für Schule und Weiterbildung am Mittwoch zu einer Sondersitzung treffen, dürfte der Verwaltungsvorschlag zur Zukunft des neugegründeten Gymnasiums Neustadt-Nord parteiübergreifend abgelehnt werden. Das erfuhr die Rundschau auf Nachfrage bei den Fraktionen. Wie berichtet, sah sich die Verwaltung nach geplatzten Verhandlungen mit dem Investor am geplanten endgültigen Schulstandort am Gladbacher Wall gezwungen, neue Lösungen zu suchen. Ihr Vorschlag: Das Gymnasium Neustadt-Nord, das zum laufenden Schuljahr übergangsweise im ehemaligen Rautenstrauch-Joest-Museum in der Südstadt an den Start gegangen ist, sollte an zwei unterschiedliche Standorte in der Neustadt Nord ziehen.
Als Standorte vorgeschlagen wurden das Gebäude der Weiterbildungskollegs in der Gereonsmühlengasse und das Gebäude der Katholischen Hauptschule am Rhein. Die Hauptschule ist Teil der Bildungslandschaft Nord (BAN) und residiert in der Niederichstraße im Kunibertsviertel. Gegen die auslaufende Schließung der Hauptschule hatte sich – wie berichtet – ein breiter Widerstand formiert.
Die Politik reagiert nun mit einem detailreichen Änderungsantrag. „Zum jetzigen Zeitpunkt befinden wir uns noch mitten im internen und interfraktionellen Abstimmungsprozess. Vor diesem Hintergrund möchte ich keine einzelnen inhaltlichen Punkte vorwegnehmen, um weder den laufenden Beratungen noch möglichen gemeinsamen Lösungen vorzugreifen", sagt Dr. Helge Schlieben (CDU), Vorsitzender des Schulausschusses. Er macht jedoch auch klar: „Mit dem vorliegenden Vorschlag der Verwaltung sind wir in der derzeitigen Form nicht einverstanden. Umso mehr begrüßen wir, dass sich abzeichnet, dass ein breit getragener, interfraktioneller Antrag auf den Weg gebracht werden kann.“ Dies halte die CDU für den „richtigen und verantwortungsvollen Weg.“
Zwei Schul-Standorte sind nicht gewollt
Aus Sicht aller Parteien, hat die Verwaltung noch nicht alle Alternativen hinreichend geprüft. Sie dürfte also damit beauftragt werden, dies zu tun. Besonders kritisch sieht die Politik die geplante Organisation einer weiterführenden Schule an zwei Standorten. „Das ist organisatorisch hoch problematisch und pädagogisch schlicht nicht sinnvoll“, teilt Stefanie Ruffen, Schulpolitische Sprecherin der FDP, mit. Ihre Kritik: „Das Verfahren ist aus unserer Sicht grundlegend falsch aufgesetzt worden. Die Entscheidung über mögliche Standorte wurde über die Köpfe der betroffenen Schulen hinweg getroffen. Die Schulen wurden erst informiert, nachdem politische Vorfestlegungen bereits getroffen waren. Das ist kein partnerschaftlicher Umgang und kein verantwortungsvoller Schulentwicklungsprozess.“
Rückhalt für Hauptschule
Auch für die Hauptschule und die BAN kommt Rückhalt aus der Politik. „In der Hauptschule wird eine sehr gute Arbeit gemacht. Ich war vor Ort und habe es mir angesehen“, attestiert Oliver Seeck, Schulpolitischer Sprecher der SPD. Er betont auch: „Die SPD hat die BAN mit vorangetrieben. Das ist für uns ein Leuchtturmprojekt.“ Bärbel Hölzing, Schulpolitische Sprecherin der Grünen Fraktionen, erklärt: „Wir lehnen die geplante Schließung der Hauptschule am Rhein in diesem Schuljahr ebenso ab wie die dauerhafte Teilung des Gymnasiums Neustadt-Nord. Beide Maßnahmen schaden den Schulen und den betroffenen Schülerinnen und Schülern. Umso mehr freuen wir uns, dass unsere Positionen fraktionsübergreifend Zustimmung finden."
Aus Sicht der Politik muss für das Gymnasium ein Standort gefunden werden, an dem es dauerhaft vollständig wachsen kann. „Wenn die Gereonsmühlengasse dafür zu klein ist, muss dort erweitert werden oder ein alternativer Standort ernsthaft geprüft werden. Durch das Scheitern der Lösung am Gladbacher Wall sind finanzielle Spielräume entstanden, die nun sinnvoll eingesetzt werden müssen“, sagt Ruffen und fügt hinzu: „Sollte die Entscheidung dennoch zugunsten der Gereonsmühlengasse fallen, erwarten wir im Gegenzug eine klare Perspektive für das Abendgymnasium. Dieses muss entweder neu aufgestellt oder am bisherigen Interimsstandort vernünftig und zukunftsfähig ausgebaut werden. Auch hier gilt: Provisorien dürfen kein Dauerzustand werden.“
Grundsätzlich dürfte für auf die Mitarbeitenden in der Verwaltung einige Arbeit zukommen. Das macht auch Schlieben klar: „Es bestehen weiterhin offene Fragen, und es sind aus unserer Sicht noch nicht alle Alternativen hinreichend geprüft worden. Entsprechend werden wir der Verwaltung noch einige Aufgaben ins Hausaufgabenheft schreiben.“

