Die katholische Hauptschule am Rhein soll geschlossen werden. Schüler, Eltern und Lehrer protestieren massiv gegen die Pläne der Stadtverwaltung. Am Montag ist eine Demonstration geplant.
Demo am MontagHauptschule am Rhein in Köln kämpft gegen Schließung

Ein großes Gemeinschaftsgefühl und viel Unterstützung – das verbinden sie mit ihrer Schule: Celine P., Hassan A. und Caroline D. (v.l., alle 16)
Copyright: Gabi Bossler
Der Protest zieht sich durch alle Klassen, auf den Fluren der katholischen Hauptschule am Rhein gibt es nur ein Thema: Unsere Schule darf nicht geschlossen werden! Deshalb haben die Kinder der 5a an Oberbürgermeister Torsten Burmester geschrieben, und an den NRW-Ministerpräsidenten gleich dazu. „Es gibt tolle Lehrer mit guten Herzen. Ich habe mich nach einer Woche sofort wohlgefühlt. Hier kann man seinen Weg nach oben gehen“, heißt es in dem Brief etwa. Die älteren Schülerinnen und Schüler gehen durch die Klassen und sprechen mit den Jüngeren, viele Ehemalige sind plötzlich wieder da, um ihre alte Schule zu unterstützen. Eltern und Kollegium haben sich mit einer gemeinsamen Petition an die Ratsmitglieder gewandt, um gegen die Schließung zu protestieren.
Auslaufende Hauptschule und Standortwechsel am Rhein
Die Hauptschule soll nach den Plänen der Verwaltung ab dem kommenden Schuljahr keine Kinder mehr aufnehmen und auslaufen. Das Gebäude soll vom Gymnasium Neustadt-Nord genutzt werden, das sich derzeit im ehemaligen Rautenstrauch-Joest-Museum am Ubierring in der Südstadt befindet und zum Schuljahr 2028/29 an den Gladbacher Wall umziehen sollte. Weil der Investor für das Ensemble am Gladbacher Wall laut Mitteilung der Verwaltung den Mietpreis unvermittelt stark erhöht hatte, hat die Stadt die Verhandlungen abgebrochen. Das Gymnasium soll zudem ein Gebäude an der Gereonsmühlengasse nutzen, das derzeit saniert wird. Bislang wurde das vom Abendgymnasium genutzt, das künftig an seinem Interimsstandort in Deutz bleiben soll. Die Stadt begründet die Schließung auch damit, dass die Schule nur eine Eingangsklasse bilden könne. „Das ist an Hauptschulen die Regel“, so Schulleiterin Marika Prandl-May. „In den ersten beiden Klassen sind wir einzügig, ab der 7. Klasse dreizügig. Dann kommen jedes Jahr rund 60 Kinder und Jugendliche dazu, die auf anderen Schulen nicht zurechtgekommen sind.“
Schülerprotest vor Schulausschuss in NRW
Gegen die Schließung ihrer Schule wollen Schülerschaft, Lehrer und Eltern der katholischen Hauptschule vor der Sitzung des Schulausschusses am kommenden Montag ab 14 Uhr auf dem Theo-Burauen-Platz protestieren. Mit dabei ist Carolina D. aus Nippes. Mit 14 Jahren sollte sie auf der Realschule zum zweiten Mal eine Klasse wiederholen, sie kam nicht zurecht, lag mit den Lehrern im Clinch. „Hier hatte ich den kompletten Neustart und bin auch persönlich gut aufgenommen worden“, blickt die 16-Jährige zurück. Auf der alten Schule wäre sie „nach zweimal Sitzenbleiben sicher ins Negative gegangen“, sagt sie. Und dass ihr die vielen Praktika gut getan hätten. Jetzt ist sie in der 10. Klasse und macht ihren Realschulabschluss.
Alles zum Thema Demonstration Köln
- Tarifverhandlungen Tarifstreit öffentlicher Dienst: Weitere Warnstreiks in NRW
- Demo am Montag Hauptschule am Rhein in Köln kämpft gegen Schließung
- „Niemand ist sicher“ Das sagen Menschen in Köln zur Lage im Iran
- Tarifverhandlungen in Potsdam Gewerkschaften fordern Milliarden – Streik auch in Köln
- Folgen für Patienten Weiter Warnstreiks an Unikliniken - Operationen fallen aus
- „Auf jeden Fall nicht hierhin“ Anwohnende wollen Kölner Suchthilfezentrum verhindern
Erfolgsgeschichten von Schülern der Hauptschule
„Ich kann nicht mehr mithalten, obwohl ich mir große Mühe gebe - das habe ich irgendwann gemerkt“, sagt Hassan A. (16). „Vom Genoveva-Gymnasium runterzugehen, war schon ein Schlag ins Herz.“ Auf der Hauptschule habe er dann die Erfahrung gemacht, mal der Beste zu sein. „Wenn man merkt, dass man Sachen richtig macht, motiviert das, weiter Gas zu geben“, sagt der Jugendliche, der heute Schülersprecher ist. „Man kann hier auch den Realschulabschluss und danach weitermachen – das steht einem offen.“ Sein Plan: eine Ausbildung und das Fachabi.
Hauptschule als Chance für alle Schüler
Etwa 20 Jugendliche machen jedes Jahr auf der Hauptschule ihren Realschulabschluss – das ist ein Drittel jedes Jahrgangs. 310 Schüler und Schülerinnen hat die Hauptschule insgesamt. Rund 50 Kinder in der Schule haben diagnostizierten sonderpädagogischen Förderbedarf. Außerdem gibt es drei Vorbereitungsklassen, in denen derzeit 54 geflüchtete oder zugewanderte Kinder und Jugendliche zunächst Deutsch lernen und dann langsam in die Regelklassen integriert werden. Ein Teil der Jugendlichen in diesen Klassen ist auch allein nach Deutschland geflüchtet. „Für sie ist die Schule wie eine Familie, sie trägt wesentlich zur Integration bei“, sagt Manfred Siemon, Vorsitzender der Schulpflegschaft. „Wir finde es unsäglich, wie die Stadt über unsere Köpfe entscheiden will. Diese Überrumplung ist absolut nicht in Ordnung. Wir hoffen, dass sich das durch Herrn Burmester ändern wird.“
Das hofft auch Celine P. (16). Sie ist schon auf die katholische Hauptschule gegangen, als die noch im Gebäude an der Bülowstraße war. „Da mussten wir auch schon Platz machen für ein Gymnasium“, sagt sie. „Ich hatte mit 13, 14 Jahren auch Probleme in der Schule. Aber die Lehrer hier helfen uns und versuchen, die Stärken aus uns herauszuholen. Hier wird niemand ausgeschlossen.“ „Das habe ich so erlebt“, sagt Melika D. (15). Wegen familiärer Probleme war sie nicht mehr in ihre alte Schule gegangen. „Ich hatte Angst, wie ich hier aufgenommen werde. Aber hier bekommen wir sehr viel Hilfe dabei, trotz unserer Probleme weiterzukommen. Das Verhältnis zu den Lehrerinnen, Lehrern und Schulsozialarbeitern ist sehr persönlich, sie nehmen uns an, wie wir sind.“ „Manche geben uns auch Nachhilfe in ihrer freien Zeit, wenn wir es brauchen“, ergänzt Mohamed I. (17). Er wurde mit zwölf Jahren der Sprachvorbereitungsklasse eines Gymnasiums zugewiesen. „Das war für mich purer Stress und eine Überforderung.“ Seit dem Wechsel auf die katholische Hauptschule am Rhein kommt er gut zurecht. „Es wäre falsch, die Schule zu schließen. Wir brauchen doch auch Handwerker und Menschen, die einen Ausbildung machen“, sagt er. Sein Ziel ist eine Lehre als Elektriker oder eine Ausbildung im Einzelhandel.
Gemeinschaftsgefühl und Unterstützung an der Schule
Alle Jugendlichen sagen, dass es an der Schule ein großes Gemeinschaftsgefühl gebe – und kein Mobbing. Konflikte untereinander oder auch mit Lehrkräften würden mit Unterstützung der Vertrauensschüler und -lehrer geklärt. Das bereite auch gut aufs Arbeitsleben vor.
Diese Erfahrung hat auch Manfred Siemon als Vertreter der Elternschaft gemacht. „Und deshalb soll die katholische Hauptschule am Rhein da bleiben, wo sie ist. Und vor allem, wie sie ist.“

