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Spritpreise in KölnKostet der Liter Benzin bald 2,50 Euro?

4 min
Benzinpreise an einer Kölner Tankstelle.

Ein Liter Diesel kostet derzeit fast 2,30 Euro. 

Die Spritpreise sind seit knapp einer Woche bei über zwei Euro pro Liter angekommen. Wie sich Autofahrer in Köln auf die Krise einstellen.

Der hohe Spritpreis treibt seit Tagen die Republik um, auch an den Tankstellen in Köln klettern die Preise seit Tagen kontinuierlich nach oben. Der Diesel kostet an den namenhaften Tankstellen knapp 2,26 Euro (Stand Montagnachmittag), Super tanken die Kölnerinnen und Kölner mancherorts für 2,19 Euro. Seit den Angriffen der USA und Israel auf den Iran, fürchten viele Iraner um ihre dort lebenden Familienangehörigen und Freunde. Bei anderen sind die Auswirkungen der Konflikte im Nahen Osten in Form der Spritpreise angekommen.

„Und wenn der Sprit 20 Euro den Liter kostet, Hauptsache das Mullah-Regime ist endlich weg“, Mehrad Farahani steht an der Zapfsäule der Express-Tankstelle in Ehrenfeld und tankt Super für 2,22 Euro den Liter. Das ist für ihn in Ordnung, denn es gehe doch viel mehr um die Menschen in Iran und welchen Terror diese gerade durchmachen müssen, da sei ein etwas höherer Spritpreis für ihn hinzunehmen. Von seiner Familie, die im Osten von Teheran lebt, hat er seit Tagen nichts gehört – das Internet sei immer noch abgeschaltet.

Versucht zu sparen, denkt aber auch an die Menschen vor Ort: Nick Herborn.

Nick Herbon sieht die Preise noch entspannt: „Ich verdiene ganz gut, deswegen machen mir die Spritpreise nicht so viel aus, aber ich weiß, dass es Menschen gibt, für die es finanziell schwierig werden kann.“ Dass die Preise so hochschießen, findet er dennoch unfair, denn was im Nahen Osten passiert, sei nicht die Schuld der Bürgerinnen und Bürger, sowohl der vor Ort lebenden als auch in Deutschland: „Was Trump und Netanjahu da machen, ist nicht okay, sowohl mit den Menschen in Iran als auch in Gaza.“ Bereits vor dem Anstieg der hohen Preise versucht der Kölner jede Fahrt einzusparen, die er verhindern kann – für die Umwelt und den Geldbeutel.

Derweilen stauen sich die Ölfrachter vor den Arabischen Emiraten, denn Iran hatte bereits vergangene Woche gewarnt, die Straße von Hormus, die der ein Fünftel des weltweiten Rohöls auf ihrer Route nutzen, zu befahren. Diese liegt an der Küste des Landes. Die iranische Revolutionsgarde hätte laut ZDF den Frachtern per Funk mitgeteilt, die Straße nicht zu passieren, seitdem lägen viele der Schiffe vor den Häfen der Arabischen Emirate vor Anker. Diese anhaltende Verzögerung würde den Ölpreis in die Höhe schießen lassen.

Hat die Preise das  ganze Jahr über im Blick: Elena Heinen.

Der Tankstellen-Interessenverband (TIV) erwartet, dass der zwischenzeitig über 100 Dollar gestiegene Ölpreis umgehend an die Autofahrer weitergeben werde. „Ich fürchte, die Ölkonzerne reichen die hohen Ölpreise sofort weiter und erhöhen die Spritpreise noch stärker“, sagte TIV-Sprecher Herbert Rabl der „Rheinischen Post“. „Die Vermutung drängt sich auf, dass die Mineralölkonzerne den deutschen Markt nutzen, um zu sehen, was geht: Auch 2,50 Euro und sogar mehr pro Liter sind am Ende denkbar“. Verschiedene Politiker hatten zuletzt eine Deckelung des Benzinpreises angeregt. Alternativ sind eine Benzinpreisbremse und eine Anhebung der Pendlerpauschale in der Debatte.

Die Bundesregierung reagierte am Mittwoch mit neuen Vorgaben für die Preissetzung an Tankstellen und der Freigabe von Ölreserven auf die stark gestiegenen Spritpriese. Tankstellen dürfen die Preise für Diesel und Benzin künftig nur noch einmal am Tag erhöhen, wie Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) ankündigte. Die gute, wenn auch derzeit eher theoretische Aspekt: Preissenkungen seien jederzeit zulässig.

Tanken drückt derzeit besonders auf den Geldbeutel.

Elena Heinen pendelt und leidet derzeit unter den nach oben geschossenen Preisen. Sie fährt fünfmal die Woche nach Düsseldorf, hat die Preise das ganze Jahr über im Blick und tankt bei ihrer lokalen Tankstelle um die Ecke. „Hier ist es immer günstiger, die Tankstelle liegt auf meinem Arbeitsweg, aber auch sonst schaue ich gerne je nach Tageszeit, wann es am günstigsten ist.“ Wenn die Preise weiter ansteigen oder das Tanken weiterhin so teuer bleibt, wird sie versuchen, anderswo zu sparen: „Dann werde ich vielleicht mit einer Freundin eher mal Zuhause einen Wein trinken als in einer Bar.“ 

„Ich sag nur Katastrophe.“ Natascha Winters versucht, seit dem Anstieg der Spritpreise möglichst abends zu tanken, aber einen großen Unterschied mache das gerade auch nicht.  Sie sei auf Grund ihrer Arbeit auf das Auto angewiesen. „Wenn man Trump Glauben schenken darf, sollen die Preise wieder fallen, weil der Krieg bald vorbei ist, aber das glaube ich nicht.“

Auf Rekordhöhen: die Spritpreise an einer Tankstelle.