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Weihnachtsmarkt KölnBetreiber des Marktes am Dom erhält Konzession bis 2030

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Der Weihnachtsmarkt am Kölner Dom lockt bis zu fünf Millionen Besucher an.

Der Weihnachtsmarkt am Kölner Dom lockt bis zu fünf Millionen Besucher an.

Die „KW Kölner Weihnachtsgesellschaft mbH“ bleibt Betreiber des Weihnachtsmarkts am Dom bis 2030, trotz laufender juristischer Streitigkeiten.

Der alte Betreiber ist auch der neue: Der Weihnachtsmarkt auf dem Roncalliplatz am Kölner Dom wird ab 2026 weiterhin von der „KW Kölner Weihnachtsgesellschaft mbH“ ausgerichtet. Man habe von der Stadt Köln den Zuschlag für weitere fünf Jahre erhalten, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. „Darüber sind wir unheimlich glücklich und dankbar.“ Die Stadt Köln erklärte, der Markt werde „nach den detaillierten Festlegungen aus dem Vergabeverfahren und dem vom Bieter eingereichten Gestaltungskonzept ab 2026 stattfinden. Das Konzept ist verbindlicher Bestandteil des Vertrags. Das Vergabeverfahren ist damit abgeschlossen.“

KW Kölner Weihnachtsgesellschaft gewinnt erneut

Dass die KW, die den Markt seit 2010 veranstaltet, die Konzession für die Jahre 2026 bis 2030 erhalten soll, hatte die Rundschau bereits am 12. Februar berichtet. Nachdem ein erstes Verfahren im Sommer 2025 gescheitert war, hatte sich die KW in einem zweiten Vergabeverfahren   erneut als beste Bewerberin durchgesetzt. Die Bewertung der Angebote erfolgte nicht durch eine Findungskommission mit Vertretern aus der Politik, sondern durch Mitglieder der Stadtverwaltung.

Juristischer Streit um Weihnachtsmarkt noch nicht beendet

Juristischer Streit ist womöglich noch nicht zu Ende. Nach der Information an die unterlegenen Bieter musste die Stadt erst die nach Paragraph 134 des Gesetzes gegen Wettbewerbungsbeschränkungen (GWB) vorgeschriebene Frist von 15 Tagen abwarten (respektive zehn Tage bei Kommunikation auf elektronischem Weg), ehe sie den Zuschlag formal erteilen durfte.

„Wir freuen uns sehr darüber, dass wir den Weihnachtsmarkt am Dom auch in den nächsten fünf Jahren ausrichten dürfen“, sagte KW-Geschäftsführerin Monika Flocke der Rundschau. Das sei auch eine gute Nachricht für die Kunsthandwerker und Gastronomen, denen man nun grünes Licht für ihre Teilnahme am Weihnachtsmarkt geben könne. Neben „der bewährten Qualität und dem vertrauten Konzept“ seien „zahlreiche neue Impulse und frische Ideen“ geplant, „mit denen wir den Weihnachtsmarkt weiterentwickeln und zugleich seine besondere Identität bewahren werden“.

Weihnachtsmarkt am Dom: Ein Publikumsmagnet

Bis zu fünf Millionen Gäste besuchen jedes Jahr den Weihnachtsmarkt am Dom, dessen Markenzeichen der riesige Weihnachtsbaum ist. Von der London Times wurde der Markt als bester in Europa ausgezeichnet. Es geht um viel Geld, um die Konzession hatte sich ein erbitterter Streit entwickelt. Und der ist womöglich noch nicht zu Ende.

Ein Sprecher der Bezirksregierung Köln sagte auf Anfrage der Rundschau, dass ein unterlegener Bieter bei der Vergabekammer Rheinland Beschwerde gegen das Verfahren eingelegt hat. Um welches Unternehmen es sich handelt, wurde nicht mitgeteilt.

Sido-Beteiligung löst Diskussionen aus

Im Vorfeld der Vergabe hatten die Anwälte des Gastronomie- und Getränkegroßhändlers Bernd Tschirschnitz bei der Stadt Köln interveniert. Sie rügten, dass der Berliner Rapper Sido, bürgerlich Paul Würdig, seit 2024 über ein Firmengeflecht finanziell an der Kölner Weihnachtsgesellschaft beteiligt ist. Dadurch bestehe die Gefahr eines „Reputationsschadens“ für die Stadt Köln, die Hohe Domkirche und den Weihnachtsmarkt am Dom. Die Stadt Köln folgte dieser Argumentation nicht. Sie hatte das Konzept von Tschirschnitz auf Platz zwei gesetzt und gab der KW den Zuschlag. „Gegen diese Entscheidung der Stadt Köln werden wir nicht juristisch vorgehen“, sagte Bernd Tschirschnitz am Dienstag auf Anfrage. Möglicherweise werde er sich in fünf Jahren erneut bewerben. Sein Konzept habe viele Bezüge zum Dom und der Gotik gehabt, unter anderem sei ein Nachbau des historischen Domkrans geplant gewesen.

Ein weiterer unterlegener Bieter prüft derzeit noch, ob er Rechtsmittel einlegen wird. Es handelt sich um Ralf Schlegelmilch, Präsident der Will Ostermann Gesellschaft und Geschäftsführer eines Veranstaltungsdienstleisters. Sein Konzept hatte sich auf die heiligen drei Könige bezogen, deren Gebeine im Dom aufbewahrt werden.

Kritik an Vergabeverfahren: Beteiligung der Bürgerschaft gefordert

Sein Anwalt Rolf Bietmann sagte der Rundschau, man prüfe zurzeit, ob man den Fall vor das Verwaltungsgericht Köln bringen werde. Seine Kritik: In Fragen von besonderer Bedeutung sei die Bürgerschaft an der Entscheidung zu beteiligen – und zwar in Form einer Befassung durch den Rat und seine Ausschüsse. „Bei so einer bedeutenden Veranstaltung wie dem Weihnachtsmarkt am Weltkulturerbe Kölner Dom darf der Verwaltungsausschuss die Entscheidung über die Vergabe nicht an die Verwaltung delegieren“, ist Bietmann überzeugt. Hinzu komme: Bei der Entscheidung seien die meisten betroffenen Amtsleiter abwesend gewesen und hätten nur Mitarbeiter entsandt.

Sollte ein unterlegener Bieter das Vergabeverfahren erfolgreich anfechten, könnte der Weihnachtsmarkt am Dom in diesem Jahr also immer noch ausfallen.