Abo

„Gut im Zeit- und Kostenplan“Sanierung der Zentralbibliothek schreitet weiter voran

4 min
30.04.2026 Köln. Rundgang über die Baustelle der Zentralbibliothek am Josef-Haubrich-Hof. Foto: Alexander Schwaiger

Bauarbeiter arbeiten an der Zentralbibliothek am Josef-Haubrich-Hof.

Das Gebäude am Josef-Haubrich-Hof wird seit 2024 saniert. Die Neueröffnung der Bibliothek ist für 2028 geplant.

Die Arbeiten zur Runderneuerung der Zentralbibliothek, die im September 2024 begonnen haben, schreiten zügig voran. „Wir liegen sehr gut im Zeit- und auch Kostenplan“, sagte am Donnerstag Baudezernent Markus Greitemann. Zusammen mit Marion Osthoff vom Bauprojektmanagement der städtischen Gebäudewirtschaft erläuterte er bei einem Baustellenrundgang, wie weit die Generalsanierung und Umgestaltung des eingerüsteten und mit Netzen zugehängten, komplett entkernten Gebäudes am Josef-Haubrich-Hof gediehen sind. Ergänzende Informationen gab Projektleiter Constantin Farwick von der Ed. Züblin AG, dem Generalunternehmen für das Bauprojekt.

Nach Jahrzehnten der Nutzung habe kein Weg daran vorbeigeführt, die Bibliothek, die 1979 eröffnet wurde, „durchzusanieren“, sagte Greitemann im Parterre, wo der Rundgang begann. Dort wurde gehämmert und gesägt, Paletten, Eimer, Säcke mit Baumaterial und Stahlblechkomponenten von Lüftungskanälen standen herum, Arbeiter rollten eine riesige Kabeltrommel. Statt Abriss und Neubau habe man sich dafür entschieden, die alte Konstruktion weiter zu nutzen, sagte der Baudezernent. Dieses Vorgehen spare „graue Energie“.

30.04.2026 Köln. Rundgang über die Baustelle der Zentralbibliothek am Josef-Haubrich-Hof. Foto: Alexander Schwaiger

Eine große Kabeltrommel.

Damit bezeichnet ist die gesamte Energie, die für die Herstellung, den Transport, die Lagerung und die Entsorgung eines Produkts gebraucht wird, im Gegensatz zum „direkten“ Energiebedarf bei dessen Benutzung. Im Fall der Zentralbibliothek werden durch den Erhalt großer Teile der Bausubstanz bei gleichzeitiger Optimierung der Gebäudetechnik 2,9 Millionen Kilogramm CO₂-Emissionen vermieden. Das Gebäude hat sieben oberirdische und vier unterirdische Geschosse; fünf Etagen sind für die Öffentlichkeit zugänglich.

Schadstoffsanierung der Bibliothek abgeschlossen

Die „sehr intensive“ Schadstoffsanierung sei abgeschlossen, sagte Greitemann, ebenso die Instandsetzung des Betons. Bei der Abnahme der Wandverkleidung habe man zusätzliche Schadstellen entdeckt, die inzwischen alle „aufgearbeitet“ seien. Zum großen Teil seien die neuen Fenster eingesetzt worden, und die Arbeiten an der Fassadenbekleidung hätten begonnen. Weiter ging es nach draußen, zu einem sogenannten Einbringschacht an der Fleischmengergasse.

Durch ihn seien Bauteile für die Haustechnik in den Tiefkeller geschafft worden, um sie dort zusammenzubauen, sagte Osthoff. Der Umfang der Teile entspreche dem Volumen von zwei „vollständigen Linienbussen“. Farwick zeigte einen Vertikalschnitt des Gebäudes, um zu verdeutlichen, wie groß die Aufgabe ist; in verschiedenen Farben dargestellt sind zum Beispiel Elektro-, Lüftungs- und Heizungsanlagen – ein hochkomplexes System.

30.04.2026 Köln. Rundgang über die Baustelle der Zentralbibliothek am Josef-Haubrich-Hof. Foto: Alexander Schwaiger

Die Arbeiten an der Zentralbibliothek laufen auf Hochtouren.

In einem Bauaufzug ging es hoch in die vierte Etage und dort hinaus ins Freie. Hier wird eine öffentliche Dachterrasse mit Domblick entstehen. Die Begrünung verschiedener Dachflächen werde das Mikroklima verbessern, sagte Osthoff. Außerdem soll eine Photovoltaik-Anlage installiert werden. Der Aspekt der Energieeffizienz, die ein zentraler Zweck der Sanierung ist, kam auch angesichts eines schon fertiggestellten Teils der Fassade zur Sprache. An den Außenflächen des Gebäudes wird Material zur Wärmedämmung angebracht. Darauf werden Klinkerriemchen verlegt; um eine Betonoptik zu erzeugen, werden sie verschlämmt.

Neue Rückzugsorte

Der Besuch im großen Innenraum dieses Stockwerks zeigte, dass der Ausbau hier viel weiter fortgeschritten ist als im Parterre. Das liegt daran, dass in dem Gebäude „von oben nach unten“ gearbeitet wird. Osthoff wies darauf hin, dass an einer Stelle ein neuer Stahlträger verbaut worden ist. Es hat mit Auflagen des Brandschutzes zu tun, die ebenfalls zur Sanierung zwangen. Im Haupttreppenhaus wurde eine zusätzliche Deckenöffnung hergestellt, um einen weiteren Fluchtweg für die obersten zwei Geschosse zu schaffen. Dazu dienen auch der neue Treppenlauf im Haupttreppenhaus sowie eine Stahlkonstruktion mit Außentreppe auf dem Dach.

30.04.2026 Köln. Rundgang über die Baustelle der Zentralbibliothek am Josef-Haubrich-Hof. Foto: Alexander Schwaiger

Die Zentralbibliothek von außen.

Im vierten Geschoss wie auch im Parterre entstehen Rückzugsorte mit Café-Charakter. Dies entspricht dem Ziel, die Aufenthaltsqualität der Bibliothek zu steigern, im Sinne eines nicht kommerziellen „dritten Orts“ der Begegnung und Kommunikation, wie Greitemann sagte. Das Gestaltungskonzept stammt vom niederländischen Kreativdirektor Aat Vos, nach dessen Vorstellungen bereits die Stadtteilbibliothek Kalk umgebaut wurde. Die neue Zentralbibliothek ist vollständig barrierefrei, und die Zahl der Sitz- und Verweilmöglichkeiten wird sich mehr als verdoppeln.

Die aktuell prognostizierten Kosten des Projekts belaufen sich auf 139,8 Millionen Euro. Voraussichtlich im ersten Quartal 2028 wird die sanierte Bibliothek der Nutzung übergeben. Im zweiten Quartal soll sie den Betrieb aufnehmen. Bis dahin dient das Gebäude Hohe Straße 68–82 als Interim.