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St. Aposteln in KölnMuttergottes aus dem Mittelalter aufwändig restauriert

3 min
Innenraum St. Aposteln mit Menschen und restaurierter Muttergottes

Pfarrer Dominik Meiering (l.) schaut auf die restaurierte Madonna vom Neumarkt

Die restaurierte Muttergottes vom Neumarkt strahlt jetzt wieder in der Basilika St. Aposteln in Köln, finanziert von der Kastanienhof-Stiftung.

Liebevoll hält sie das Jesuskind und präsentiert es der Welt. Das Gesicht der Muttergottes strahlt Ruhe aus. Anmutig gebogen wirkt ihr Körper lebendig, ihr Stand ist fest. Das lange Haar fällt lockig und ist mit einem Schleier bedeckt, der feine Falten wirft. Ähnlich detailreich gearbeitet ist der Faltenwurf des bodenlangen Gewands. „Dies ist eine sehr bedeutende Figur. Sie gehört zu den besten Figuren der Spätgotik, die wir in Köln haben. Wir haben hier ein neues Kleinod“, betonte Domkapitular Pfarrer Dr. Dominik Meiering als er am Mittwoch die restaurierte Muttergottes in der Basilika St. Aposteln vorstellte.

Gesicht aus Stein mit vielen Ausbesserungen

Sehr angeschlagen war die Muttergottes vom Neumarkt.

Rund ein Jahr lang dauerte es, die Madonna zu restaurieren. „Unser Anliegen war es, die Würde der Muttergottes wiederherzustellen“, erklärten die Restauratorinnen Susanne Brinkmann und Christina Verbeek vom Atelier für Restaurierung und Konservierung Köln. Zusammen mit einem Steinbildhauer und nach vielen Diskussionen und Recherchen haben sie ihr Werk vollendet.

Viele Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg

Dabei war die Muttergottes, die seit dem Ende des 15. Jahrhunderts an der dem Neumarkt zugewandten Seite von St. Aposteln stand, über den Zeitraum von rund 500 Jahren sehr lädiert worden. Vor allem der Zweite Weltkrieg fügte ihr Schaden zu. „Der rechte Arm des Jesuskindes fehlt, aus der Krone sind Zacken gebrochen“, erläuterte Verbeek. Um zu retten, was noch zu retten war, wurde die Muttergottes im Krieg „notgeborgen“, und ins Innere der Basilika geschafft.

Figur ohne Nase

Muttergottes vom Neumarkt während der Restaurierung-

Später wurde ein Abguss gefertigt und eine Kopie der Muttergottes wieder an der Fassade von St. Aposteln aufgestellt. „Um den Abdruck anzufertigen, wurde die Figur notdürftig zum Teil mit Leinöl-Kit geflickt und in der Mittel durchgesägt.  Sie war in einem desolaten Zustand“, sagte Restauratorin Brinkmann. 

Während der aufwändigen Restaurierung der Skulptur entfernten die Restauratorinnen die zahlreichen provisorischen Ausbesserungsarbeiten an der Tuffstein-Skulptur und ersetzten sie durch dauerhafte Lösungen. „Dabei hatten wir immer wieder Diskussionen, wie weit wir gehen dürfen“, erklärte Verbeek. Da man nicht gewusst habe, wie der rechte Arm des Jesuskindes ausgesehen habe und welche Form die Krone gehabt habe, habe man dies nicht ersetzt. Fehlende Finger, die Nase, die nur aus Kit war, oder die Oberlippe dagegen wurden neu geschaffen.

Kastanienhof-Stiftung finanzierte die Erneuerung

Das Geld für die aufwändige Arbeit kam von der Kastanienhof-Stiftung. „Wir haben dazu Geld einer Stifterin verwendet, die sich sehr für Denkmalschutz eingesetzt hat“, sagte Heike Bohl von der Stiftung, die sich gemäß ihres Stiftungszwecks vor allem für die Förderung der Jugend und die Altenhilfe engagiert. 

Zersägte Skulptur

In zwei Teilen: die Muttergottes vom Neumarkt

Die restaurierte Muttergottes vom Neumarkt ist nun im Kirchenraum von St. Aposteln am zweiten Pfeiler des Mittelschiffs auf der rechten Seite platziert. Mithilfe des Fördervereins Romanische Kirchen Köln ist ein rund 1,2 Meter hoher Sockel errichtet worden, auf dem sie steht. Die Erhöhung rechtfertigt, dass die Figur so konzipiert war, dass sie in Untersicht wahrgenommen wurde. „Wir haben sorgfältig nach dem richtigen Standort gesucht und ihn ausprobiert“, erzählte Meiering, der sich für das großartige Geschenk durch die Kastanienhof-Stiftung bedankte. 

Madonna vom Neumarkt

Die Muttergottes werde „wunderbar angenommen“ von den Gottesdienstbesuchern. Vor der Figur brennen Kerzen. „Manchmal werden auch Zettel mit Wünschen abgelegt“, sagte Meiering. Damit knüpft die Muttergottes wieder an ihre jahrhundertelange Bedeutung an. „Sie ist mit Sicherheit eine der am meisten verehrten Madonnen in Köln gewesen, während sie auf den Neumarkt und Richtung Schildergasse schaute“, sagt Pfarrer Meiering. Nun hat sie einen neuen Ehrenplatz.


Einsegnung

Im Rahmen des Festgottesdienstes zu Mariä Lichtmess
(Darstellung des Herrn) am Montag, 2. Februar ab 18 Uhr wird die Muttergottes feierlich eingesegnet.