Das Familienunternehmen sitzt seit 100 Jahren in der Antwerpener Straße und besteht gegen die großen Elektromärkte.
Kölner Traditionsgeschäft„Weiße Ware“ und Partyprogramme – Radio Habuzin wird 100

Der inzwischen verstorbene Rudolf Habuzin in den 1960er Jahren vor dem Schaufenster mit Radios und Fernsehern
Copyright: Repro: Arton Krasniqi
Manchmal ist es hier ein bisschen wie bei einer Arztsprechstunde. „Herr Habuzin, mich nervt der Summer an der Waschmaschine.“ Oder: „Das Programm der Spülmaschine dauert ja ewig.“ Jeder und jede wird dann im Laden an der Antwerpener Straße geduldig beraten. „Wenn Leute ihr Gerät seit 15 Jahren hatten und sich dann an etwas Neues gewöhnen müssen, haben sie halt Fragen“, sagt Rudolf Habuzin (56), zusammen mit seinem Bruder Michael Inhaber in dritter Generation von Radio Habuzin.
Großvater Habuzin erfand Münzfernseher
Die Firma feiert in diesen Tagen ihren 100. Geburtstag. Angefangen hat es also in Zeiten, in denen an Spülmaschinen noch nicht zu denken war. Großvater Rudolf kam 1926 aus der sächsischen Stadt Zeitz nach Köln und das Geschäft bestand vor allem in der Reparatur von Radios, die er dann verkaufte. Der erste Firmensitz lag nur wenige Häuser vom jetzigen entfernt. Als in den 1950er Jahren die ersten Fernseher aufkamen, hatte er eine geniale Idee. Er verkaufte den Kunden die Geräte auf Pump und versah sie mit Münzapparaten. Nur wenn man Geld einwarf, ging der Fernseher an. „Damals gab es 30, 40 Mitarbeiter, die in der Stadt herumfuhren und die Kästchen leerten“, erzählt Rudolf Habuzin. Der Großvater war auch einer der ersten, der ab 1951 die neuartige vollautomatische Waschmaschine „Constructa“ verkaufte.

Rudolf Habuzin führt das Geschäft in dritter Generation. Der Laden ist bewusst schmucklos gehalten.
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Es gab viel Arbeit und der Gründer schlief deshalb öfter im Appartement neben dem Laden. Dort geschah 1961 das Unfassbare. Rudolf Habuzin wurde von einem Einbrecher erstochen. Es war ein polizeibekannter junger Mann aus der Nachbarschaft, wie sich herausstellte. Nach einer Kneipentour wollte er mit einem Freund Radios und ein Tonbandgerät stehlen. Habuzin wachte auf und es kam zum tödlichen Kampf.
Viele Mitarbeiter bei Habuzin sind seit Jahrzehnten dabei
„Mein Vater war damals erst 23 Jahre alt, als er das Geschäft übernahm“, sagt Rudolf Habuzin und zeigt ein Foto von einem schlanken, sehr jungen Mann vor dem Schaufenster. Vater Rudolf („Wir heißen alle Rudolf“) starb 2022. Er selbst sei schon als kleiner Junge immer im Laden gewesen. Er führt ihn nun seit 1999. Kurz habe er mal daran gedacht, in die Modebranche zu gehen. Doch er blieb.
Das „Radio“ ist zwar noch Teil des Firmenamens, doch der Umsatz wird hier seit Langem mit der „Weißen Ware“ gemacht – also Spül- und Waschmaschinen und Kühlschränken. Doch wie kann ein Familienbetrieb gegen den Online-Handel und Riesen-Elektromärkte bestehen? „Gerade der Kauf von solchen Geräten ist Vertrauenssache und relativ beratungsintensiv. Hier geht es alles sehr persönlich zu, ich bin sechs Tage die Woche im Geschäft.“

Das Angebot an Fernsehen in den 1960er Jahren
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Es gibt einen Mitarbeiter im Verkauf, der seit mehr als 30 Jahren dabei ist. Auch viele Außendienstmitarbeiter sind seit Jahrzehnten die „Visitenkarten“ von Habuzin. Sie schließen die Geräte an, das sei im Preis inbegriffen. „Ohne die Jungs würde das nicht gehen.“ Die Firma lebe vom guten Ruf und der Mundpropaganda. „Viele sagen auch: ‚Wir haben Ihre Autos in der Stadt gesehen.‘“ Dabei sind es nur zwei – aber der auffällige Name Habuzin, der aus dem Slawischen kommt, bleibt hängen.

Der Gründer Rudolf Habuzin
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Laufkundschaft gebe es so gut wie nicht in der Antwerpener Straße. „Das hier ist nicht der modernste und ansprechendste Laden“, sagt Habuzin ganz offen. „Aber statt hier 200.000 Euro zu investieren, kümmere ich mich lieber um den Kundenservice.“ In der Tat ist das Geschäft sehr schmucklos gehalten. Eine blinkende Einkaufswelt wird hier nicht geboten. „Wir haben auch Kleingeräte wie Toaster und Kaffeemaschinen. Aber die habe ich nur hier, damit die Wände ein bisschen bunter sind. Ich selbst würde so etwas auch im Internet bestellen.“
Natürlich stünden er und die Kolleginnen und Kollegen nach dem Kauf immer für Beratungen zur Verfügung. Denn die Geräte seien durch die vielen Funktionen auch komplizierter geworden – ähnlich wie Autos. Wie ist das denn nun mit dem nervigen Summer am Ende des Waschmaschinenprogramms? „Den kann man leiser machen oder ganz ausschalten, das wissen die meisten nicht. Wir zeigen, wie das geht.“
Und die Öko-Spülmaschinengänge, die drei Stunden dauern? „Da gibt es zum Beispiel, wenn man es eilig hat, ein 60-Minuten-Partyprogramm oder einen Quick-Power-Wash. Das muss man nur finden.“ Wie auf Kommando erzählt eine Mitarbeiterin vom Anruf einer Kundin, die das ultraleise Spülmaschinenprogramm nach 45 Minuten abgebrochen hat, weil sie dachte, es hätte noch gar nicht richtig begonnen. Ein Fall für Habuzin.
